Nachwahlbefragung: Ehemalige Aargauer BDP-Wähler blieben zu Hause

mk, sda

11.12.2020 - 10:01

Die 140 Mitglieder des Aargauer Grossen Rats tagen wegen der Corona-Pandemie in einem Saal in Spreitenbach. (Archivbild)
Keystone

Vom Rückzug der BDP von den Aargauer Grossratsratswahlen am 18. Oktober hat kaum eine andere Partei profitiert. Über 80 Prozent der BDP-Sympathisierenden blieben der Urne fern. Das zeigt die Nachwahlbefragung des Zentrums für Demokratie in Aarau.

Die BDP hatte 2016 noch vier Sitze im Grossen Rat erobert. Zu den diesjährigen Wahlen trat sie nicht mehr an. Zulegen konnten 2020 die Grünliberalen (plus sechs Sitze) und die Grünen (plus vier).

Die Grünliberalen hatten laut der am Freitag veröffentlichten Nachwahlbefragung zwar Mühe, die eigene Wählerschaft von 2016 wieder an die Urne zu bringen. Aber es gelang ihnen, viele ehemalige Wählerinnen und Wähler der Mitte- und der Linksparteien von einem Wechsel zu überzeugen.

Die Grünen verdankten ihren Wahlerfolg zum einen dem Zustrom von ehemaligen SP-Wählern. Zum anderen profitierten sie von den Jung- und Erstwählern, die überdurchschnittlich oft die grüne Wahlliste einlegten.

Von rot auf grün

Die grösste Verliererin der Wahlen, die SP (minus vier Sitze), mobilisierte zwar gut. Aber rund zehn Prozent ihrer Wählerschaft wechselte die Parteifarbe: von rot auf grün. Die CVP (plus ein Sitz) konnte auf eine treue Stammwählerschaft zählen. Diese ging disziplinierter als die Anhänger anderer Parteien zur Urne. Die CVP-Wähler wiesen auch das höchste Durchschnittsalter auf.

Die FDP (minus ein Sitz) und vor allem die SVP (minus zwei Sitze) hatten Probleme mit der Mobilisierung. So nahmen nur 37 Prozent der SVP-Sympathisanten an den Wahlen teil.

Wahlbeteiligung «keine Überraschung»

Die Wahlbeteiligung betrug 33,0 Prozent. Dies sei keine Überraschung, schrieb das Zentrum für Demokratie in seinem Bericht. Sie sei nur geringfügig von jener im Jahr 2016 abgewichen.

Wer älter sei und über ein höheres Bildungsniveau verfüge, habe eher an den Wahlen teilgenommen. Die Altersunterschiede seien frappant: Während die über 70-Jährigen zu knapp 60 Prozent teilgenommen hätten, liege die Wahlbeteiligung der 18- bis 39-Jährigen bei 20 Prozent.

An der Nachwahlbefragung nahmen 2186 im Kanton Aargau wahlberechtigte Personen teil. Davon füllte etwa ein Viertel einen gedruckten Fragebogen aus, der Rest nahm im Internet teil. Zuvor waren 10'000 zufällig ausgewählte Wahlberechtigte eingeladen worden, den Fragebogen auszufüllen.

Der Grosse Rat setzt sich ab 2021 wie folgt zusammen: SVP 43 (-2), SP 23 (-4), FDP 21 (-1), CVP 18 (+1), Grüne 14 (+4), GLP 13 (+6), EVP 6 (-), EDU 2 (-).

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