Straflose Selbstanzeigen gehen massiv zurück

SDA

14.1.2021 - 11:37

Inzwischen gibt es in rund 100 Ländern den Automatischen Informationsaustausch (AIA) zur Vermeidung von Schwarzgeld. Dies hat Folgen: Im Kanton St. Gallen hat sich gegenüber dem Vorjahr die Anzahl der Selbstanzeigen beinahe halbiert.

Seit die straflosen Selbstanzeigen 2010 eingeführt wurden, ist von Steuerpflichtigen aus dem Kanton St. Gallen Schwarzgeld in der Höhe von 2,85 Milliarden Franken offengelegt worden. Der Effekt ist nachhaltig: Diese Vermögen würden seither jährlich besteuert.

2020 ging die Zahl der Selbstanzeigen gegen 2019 von 404 auf 217 zurück. Mit 82 Millionen Franken wurde seit Einführung der straflosen Selbstanzeige das schwächste Resultat erzielt, wie das kantonale Steueramt am Donnerstag mitteilte.

Damit setze sich der abnehmende Trend von straflosen Selbstanzeigen nach dem Spitzenwert aus dem Jahr 2017 mit 1288 Fällen und 552 Millionen Franken offen gelegtem Schwarzgeld fort.

Viele Meldungen, wenige Einnahmen

Mit dem Automatischen Informationsaustausch (AIA) soll die Steuertransparenz erhöht und die grenzüberschreitende Steuerhinterziehung vermieden werden. Mehr als 100 Länder, darunter die Schweiz, haben sich zur Übernahme des globalen Standards über den automatischen Informationsaustausch zu Finanzkonten bekannt.

Gegenüber dem Vorjahr hat sich die Anzahl eingeleiteter Nachsteuerverfahren von 48 auf 230 Fälle erhöht. Die rechtskräftig veranlagten Fälle ergeben hinterzogene Vermögen von 6,93 Millionen Franken; 2019 waren es noch 3,36 Millionen Franken. Für den Kanton und die Gemeinden sind das Mehreinnahmen von 397'057 Franken (2019: 208'684 Franken) sowie Mehreinnahmen beim Bund von 35'192 Franken (2019: 24'812 Franken).

Aus der Flut von Meldungen aus dem Automatischen Informationsaustausch seien nicht die erwarteten hohen Steuereinnahmen geflossen, heisst es weiter. Hingegen habe der Austausch schon im Voraus Wirkung gezeigt, indem sehr viele Steuerpflichtige nicht deklarierte Vermögenswerte im Ausland im Rahmen der straflosen Selbstanzeige gemeldet hätten und künftig von sich aus deklarierten.

Über 80 Prozent aus der Schweiz

Auffallend ist, dass im Jahr 2020 über 80 Prozent an offen gelegtem Schwarzgeld aus der Schweiz stammt, obwohl innerhalb der Schweiz nach wie vor das Bankgeheimnis gilt.

Auf der anderen Seite hat sich prozentual der Anteil an hinterzogenem Vermögen aus dem Fürstentum Liechtenstein mit 8,1 Prozent massiv reduziert. Viele Personen hätten bereits die vergangenen Jahre genutzt, um ihr Schwarzgeld im Fürstentum Liechtenstein offen zu legen, vermutet das kantonale Steueramt.

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