Zürcher Kantonswahlen Grün wird in Zürich zum Königsmacher

Tobias Bühlmann

24.3.2019

Im Kanton Zürich verschieben sich die Kräfte nach den Wahlen klar hin zu mehr Umweltbewusstsein und nach links. Das Resultat dürfte für bürgerliche Kräfte ein Weckruf sein im Wahlkampf für National- und Ständerat.

Klimastreiks und die Sorge um die Umwelt scheinen die Politik des Kantons Zürich umzupflügen: Bei den Wahlen erzielen Grünliberale und Grüne einen für Schweizer Verhältnisse beinahe erdrutschartigen Sieg, die grossen Verlierer sind die Bürgerlichen. Sie büssen deutlich an Macht ein in der Zürcher Politik.

Historische Schlappe für die FDP

Die grösste Überraschung bringen die Wahlen zur Zürcher Kantonalregierung, dem Regierungsrat: Der Grüne Martin Neukom holt für seine Partei den Sitz zurück, den sie vor vier Jahren an die CVP verloren hat. Und zwar auf Kosten der FDP, die erstmals in der Geschichte des Kantons nur noch mit einem Mitglied in der Regierung vertreten sein wird.

Grafik: Statistisches Amt Kt. Zürich

SVP und FDP verlieren in der Regierung damit ihre Mehrheit. So kommt Silvia Steiner von der CVP in der nächsten Amtszeit eine zentrale Rolle zu: Von ihr wird es abhängen, ob sich die Bürgerlichen oder die Linke durchsetzen wird. Die Zeiten, in denen SVP und FDP die Politik des Kantons massgeblich bestimmen, sind damit – wenigstens für die nächsten vier Jahre – vorbei. Denn auch im Parlament verlieren die beiden Parteien an Einfluss.

Bürgerliche verlieren Mehrheit

Ein ähnliches Bild zeigt sich im Parlament, dem Kantonsrat: Hier büsst die SVP deutlich ein. Sie verliert rund fünf Prozent Wähleranteil, was neun Sitzen entspricht. Sie bleibt damit zwar die klar stärkste Kraft im Kanton. Weil aber auch die anderen bürgerlichen Kräfte Sitze einbüssen, gibt es für diesen Block künftig keinen einfachen Weg mehr zu Mehrheiten.

Grafik: Statistisches Amt Kt. Zürich

Die grossen Gewinner sind die Grünliberalen und die Grünen, die beide rund fünf Prozent Wähleranteil zulegen und damit jeweils neun Sitze mehr erhalten. Die grüne Politik gewinnt damit in Zürich deutlich an Macht und wird die nächsten vier Jahre zur Mehrheitsmacherin.

Dieser Wandel wird sich vor allem bei der Umweltpolitik bemerkbar machen. Denn ökologische Anliegen hatten es in der aktuellen Zusammensetzung des Parlaments schwierig. Interessant wird insbesondere sein, wie sich das Resultat der Wahlen auf die Verkehrspolitik des Kantons auswirken. Denn bisher lagen der Kanton und die Städte Zürich und Winterthur hier meist über Kreuz.

Spannend ist das Resultat der Zürcher Kantonswahlen auch in Bezug auf die nationalen Wahlen vom Herbst. Bereits in den letzten Wochen haben CVP und FDP Signale gesendet, dass sie in ihrer Politik Umweltthemen mehr Gewicht geben wollen. Nun bleibt abzuwarten, ob sich die Parteistrategen bei der Basis durchsetzen können – und ob die Wählerinnen und Wähler diesen Wandel dann auch tatsächlich glauben.

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