Flüchtlingstag 2024 Minderjährige Asylsuchende sollen Fachkräftemangel entschärfen

fn, sda

13.6.2024 - 13:54

Minderjährige, die ohne ihre Eltern in die Schweiz geflüchtet sind, erweisen sich oft als widerstandsfähiger und stabiler als andere Jugendliche. Dieses Potenzial will der Kanton Zürich nutzen. Diese Jugendlichen könnten helfen, den Fachkräftemangel zu lindern.

13.6.2024 - 13:54

«Viele junge Geflüchtete sind sehr resilient», sagte Regierungsrätin Jacqueline Fehr (SP) am Donnerstag vor den Medien in Winterthur. Natürlich seien sie geschwächt und hätten traumatische Erfahrungen gemacht. «Aber dass sie die Reise nach Europa geschafft haben, zeigt, dass sie widerstandsfähiger sind als andere.»

Sie hätten gemeinsam, dass sie in ihren Familien als «die Starken» galten und deshalb auf die beschwerliche Reise nach Europa geschickt wurden. Ihre Familien gehören zudem dem Mittelstand an, weil sich Ärmere eine Flucht nach Europa gar nicht leisten können.

Das Potenzial dieser Geflüchteten sei deshalb gross, sagte Fehr. Das könne genutzt werden, etwa um dereinst den Fachkräftemangel zu entschärfen. «Sie sollen ausgebildet werden, nicht nur jobben.» Die Zeit dieser jungen Menschen solle nicht verloren gehen.

Im Jahr 2019 setzte sich der Bund das Ziel, minderjährige Asylsuchende ohne Eltern so früh wie möglich zu integrieren und auszubilden. Bis 2019 «hat man möglichst lange nichts gemacht», sagte Fehr. «Man dachte, dann kommen sonst noch mehr.»

Mädchen in der Minderheit

Fehr lud am Donnerstag anlässlich des Flüchtlingstages nach Winterthur in eine Tagesschule für so genannte MNA, also unbegleitete Minderjährige. 110 meist männliche Jugendliche gehen in der «Academia Integration» in Winterthur in den Unterricht.

Mädchen sind deutlich in der Minderheit und haben deshalb eigene Klassen. Die Schülerinnen und Schüler sind zwischen 16 und 18 Jahre alt, wobei viele ihren eigenen Geburtstag gar nicht kennen. In den Papieren steht dann jeweils der 1. Januar.

Im ganzen Kanton besuchen aktuell über 300 MNA ein solches Ausbildungsangebot. Sie stammen meist aus Afghanistan, Somalia, Eritrea, Syrien und der Türkei. Einige waren mehrere Jahre unterwegs und haben entsprechende Bildungslücken. Praktisch alle müssen zuerst das lateinische Alphabet lernen. Ihr Ziel: Deutsch auf Niveau A2.

Schule kostet 30'000 Franken pro Person

Neben Deutsch stehen auch Mathematik und Informatik auf dem Stundenplan, viel Sport sowie Hauswirtschaft, damit sie lernen, mit Geld umzugehen und sich gesund zu ernähren. An diesem Donnerstag gibt es in der Hauswirtschaftsklasse Pizza aus selbstgemachtem Teig.

Im Kanton Zürich gibt es aktuell vier Schulen, die eine solche Tagesstruktur für jugendliche Flüchtlinge anbieten. Pro Kopf und Jahr kosten diese rund 30'000 Franken. Das Geld dafür stammt vom Bund, den Gemeinden entstehen keine Kosten. Sie müssen den Besuch einer solchen privaten Schule allerdings bewilligen.

fn, sda