Unruhe vor dem Final

Mbappé bleibt in Paris und macht damit Benzema, Boss Peréz und die Real-Fans wütend

dpa

23.5.2022 - 17:36

TOPSHOT - France's forward Karim Benzema (L) and France's forward Kylian Mbappe arrive for a training session at the Stade de France in Saint-Denis, north of Paris on June 7, 2021, on the eve of the friendly football match between France and Bulgaria. (Photo by FRANCK FIFE / AFP) (Photo by FRANCK FIFE/AFP via Getty Images)
Sorgt der geplatzte Transfer von Kylian Mbappe zu Real bei Karim Benzema für dicke Luft?
Bild: Getty

Der umworbene Stürmerstar Kylian Mbappé sagt Real Madrid ab und verlängert seinen Vertrag bei Paris Saint-Germain. Damit durchkreuzt der Franzose die grossen Zukunftspläne der Königlichen.

dpa

23.5.2022 - 17:36

Nach langem Zögern verlängerte Mbappé am Wochenende seinen Vertrag bei PSG bis 2025. Der 23-Jährige dankte dem Klub-Präsidenten Nasser Al-Khelaifi für dessen Vertrauen und Geduld. Auch bei den Fans des französischen Meisters bedankte sich der Angreifer.

Zugleich warb der Weltmeister bei Real Madrid um Verständnis für seine Absage. Um die Verstimmung beim spanischen Meister etwas zu glätten hielt Mbappé über Twitter fest, den Königlichen im Champions-League-Final gegen Liverpool an diesem Samstag in Paris (live um 21 Uhr auf blue TV) die Daumen zu drücken.



«Ich werde ihr erster Fan sein», schrieb Mbappé und bedankte sich ausdrücklich bei Real und dessen Präsidenten Florentino Pérez. «Mir ist das Glück und das Privileg bewusst, von solch einer Institution begehrt worden zu sein», erklärte der der Franzose. «Ich kann mir ihre Enttäuschung vorstellen.»

Mehr als nur enttäuschte Reaktionen 

Ob Mbappé sich das Ausmass des Frusts wirklich bewusst war, ist zu bezweifeln. Der Chef der spanischen Liga, Javier Tebas, tobte öffentlich gegen PSG-Boss Al-Khelaifi und will Beschwerde gegen den Vertrag bei der UEFA einlegen. Der Wutanfall eines Funktionärs dürfte Mbappé egal sein, viel schlimmer wird ihm womöglich eine kryptische Instagram-Story von Karim Benzema einfahren.

Der Real-Captain postete ein Foto der Rap-Legende 2Pac. Dort ist im Vordergrund zu sehen, wie sich Tupac Shakur mit Schauspieler Stephen Baldwin grüsst. Gleich hinter dem ermordeten Rapper ist der Mann, der für viele in der Hip-Hop-Szene für das bis heute nicht aufgeklärte Attentat auf Tupac verantwortlich war. Pikanterweise galt dieser als «Freund» von 2Pac und verkörpert also quasi den Verrat. 

Der 34-Jährige warb schon jahrelang um seinen Nationalmannschaftskumpel. Der Routinier prognostizierte einst, mit Mbappé würde Real doppelt so viele Tore erzielen. Die beiden haben beim nächsten Zusammenzug in der Équipe Tricolore viel Gesprächsbedarf.

Dunkle Wolken am Real-Horizont

Angeschmiert steht nach der verlorenen Transfer-Saga um den Ausnahmespieler auch Florentino Pérez da. Der 75-jährige Real-Präsident geht normalerweise als Sieger aus Duellen hervor, die Strahlkraft seines Klubs gepaart mit einem üppigen Gehaltscheck genügte in der Vergangenheit schon oft, um sich das Objekt der Begierde zu sichern. Nun ist Pérez der grosse Verlierer.

Zusätzlich ärgern wird ihn, dass Mbappé seinen Klub dazu nutze, um PSG einen noch höheren Betrag entlocken zu können. Die in der spanischen Hauptstadt ansässige «El Mundo» schrieb, Mbappé habe das von Peréz entworfene Projekt für das nächste Jahrzehnt ruiniert. In der Tat ging er für Mbappé All in – und steht so mit abgesägten Hosen da. 

Florentino Pérez muss eine herbe Niederlage einstecken.
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Der Fokus auf den Franzosen rächt sich nun – mit Erling Haaland ist der zweite junge Stürmer mit Weltformat vom Tisch (zu Man City). Um Alternativen hat man sich nie gekümmert. Umso bitterer, dass Bayerns Robert Lewandowski ausgerechnet einen Wechsel zu Rivale Barça anstreben soll. Der polnische Weltfussballer liebäugelte fast ein Jahrzehnt öffentlich mit Real, nun will der 33-Jährige aber bei den Katalanen stürmen. 

Altes Personal muss es richten – mit Hilfe eines Rückkehrers?

Der fehlende Plan B bedeutet, dass die Last in der Offensive auch in der nahen Zukunft auf den Schultern von Benzema und Vinicius lastet, dazu hofft man auf eine Entwicklung bei Rodrygo sowie die Wiederauferstehung von Eden Hazard. 

Doch die Fans der los Blancos haben noch einen anderen, altbekannten Kandidaten im Visier, der ihnen das Lächeln auf den Lippen zurückzaubern könnte. Auf Twitter fordern sie unter dem Hashtag CristianoVuelve die Rückkehr von Ronaldo, der das Team in seiner Real-Ära (2009-2018) gleich zu fünf Triumphen in der Königsklasse führte. 

Der Portugiese hat zwar bei Manchester United noch einen Vertrag bis 2023, doch sein Klub schloss die Saison nur auf Platz sechs ab und spielt damit nächstes Jahr nicht in der Champions League. Die Königsklasse ohne ihren Rekordtorschützen – eigentlich eine Sakrileg. Mit einem Wechsel zu seinem alten Arbeitgeber könnte der 37-Jährige dagegen weiterhin an seiner einmaligen Geschichte schreiben. Doch der neue Man-Utd-Coach Erik ten Hag will den fünffachen Weltfussballer nicht hergeben. So werden die enttäuschten Real-Fans wohl warten müssen, bis sie wieder an der Transferfront als Sieger hervorgehen. 



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