Biel-Sportchef Steinegger: «So etwas habe ich noch nie erlebt»

Von Marcel Allemann

5.11.2021

Le defenseur fribourgeois Philippe Furrer, gauche, lutte pour le puck avec l'attaquant biennois Jere Sallinen, droite, lors du match de championnat suisse de hockey sur glace de National League entre le EHC Biel-Bienne, EHCB, et le HC Fribourg Gotteron, HCFG, ce mardi 14 septembre 2021 a la patinoire de la Tissot Arena de Bienne - Biel. (KEYSTONE/Laurent Gillieron)
Biels Finne Jere Sallinen fehlt dem EHC Biel schon länger – einer von vielen Verletzten.
Bild: KEYSTONE

Trotz zuletzt zwei Niederlagen: Der EHC Biel spielt diese Saison an der Spitze mit. Umso erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass es das Schicksal eigentlich nicht gut meint mit den Seeländern. Ihre Verletzten-Historie seit dem Saisonstart ist krass. Sportchef Martin Steinegger nimmt Stellung. 

Von Marcel Allemann

5.11.2021

Am 18. Oktober gibt der EHC Biel die Verpflichtung von Lauri Korpikoski als zusätzlichen Ausländer bekannt und hofft, dass er dadurch endlich wieder etwas mehr Breite in sein Kader bekommt. Diese Hoffnung währt nicht lange, genau viermal kann sich der neue finnische Stürmer das Trikot der Seeländer überziehen, ehe er sich am 29. Oktober beim 4:1-Sieg gegen Lugano eine Hirnerschütterung zuzieht. Was für ein Pech: Kaum ist er da, fällt der neue Mann bereits wieder aus.

Doch es passt zur Verletzungshistorie der Bieler in dieser Spielzeit. Während es beim Saisonstart mit einem Verletzten (Michael Hügli) noch gut aussah, waren es ab Spiel 2 bereits drei Verletzte und bis zu Spiel 8 wurde auch diese Zahl nochmals verdoppelt. Und darunter befanden sich absolute Schlüsselspieler wie Königstransfer Gaëtan Haas, Captain Kevin Fey, Offensivvirtuose Luca Cunti und der zuverlässige Skorer Fabio Hofer. 

Aktuell fehlen drei Ausländer

Mitte Oktober gab es in Biel dann etwas Entwarnung, als sich die Gruppe der Verletzten allmählich von sechs wieder auf drei Spieler reduzierte. Doch die Freude war nur von kurzer Dauer. Am letzten Samstag vermeldet der EHC Biel wieder sechs Verletzte, am Dienstag noch fünf. Unter ihnen mit Lauri Korpikoski, Alexander Yakovenko und Jere Sallinen nicht weniger als drei Ausländer.

«So etwas habe ich noch nie erlebt», sagt Biels Sportchef Martin Steinegger denn auch. «Dieses Verletzungspech plagte uns schon in der Vorbereitung, wo gleich drei Spieler Rippenbrüche zu beklagen hatten. Wir haben in dieser gesamten Saison, inklusive Vorbereitung, noch kein einziges Training mit der ganzen Mannschaft bestreiten können. Es gab es schon Momente, an denen ich mich fragte, was da eigentlich läuft.»

Natürlich hätten sie sich beim EHC Biel Gedanken gemacht, ob die grosse Zahl an Verletzten hätte verhindert werden können, «aber wir haben kaum muskuläre Verletzungen, sondern ausschliesslich Brüche und Hirnerschütterungen, welche durch Unfälle entstanden sind, die vorkommen können. Und es waren auch keine komplett unfairen Aktionen von Gegenspielern dabei».

Der ehemalige Torhueter Jonas Hiller, rechts, wird von Sportchef Martin Steinegger verabschiedet im Eishockey Meisterschaftsspiel der National League zwischen dem EHC Biel und dem HC Lausanne, am Freitag, 10. September 2021, in der Tissot Arena in Biel. (KEYSTONE/Peter Schneider)
Für Biel-Sportchef Martin Steinegger kommt die Nati-Pause eine Woche zu spät.
Bild: Keystone

Die Frage, ob so viel Pech ist deshalb für Steinegger vielmehr: «In welche Richtung bewegen wir uns mit unserem Eishockey? Die Doppelrunden sind für die Spieler halt schon sehr nahrhaft.» 

Umso erstaunlicher ist es, dass die Bieler ihrer Verletzungsmisere lange trotzten, bislang eine überzeugende Saison spielen und sich mit Fribourg ein Kopf-an-Kopf-Rennen um die Tabellenspitze liefern. Doch allmählich scheinen die Seeländer den Preis für ihr dezimiertes Kader zu bezahlen, in den letzten beiden Spielen gegen Davos (0:8) und Servette (1:3) bezogen sie zwei deutliche Niederlagen und blieben als offensiv ausgerichtetes Team insgesamt 121 Minuten ohne Torerfolg.

«Es ist definitiv so, dass du irgendwann fünf bis sechs Ausfälle nicht mehr kompensieren kannst. Gegen Davos haben wir 30 Minuten sehr gut gespielt und gegen ein noch besseres Davos mit einem hervorragenden Goalie verloren. Gegen Servette hat man dann aber gesehen, dass uns die Frische fehlt und wir auf dem Zahnfleisch laufen.»

Trotz seiner Personalnot achtet der EHC Biel weiter darauf, die Eiszeiten gut zu verteilen, und will die verbliebenen Schlüsselspieler auf keinen Fall übermässig forcieren. Denn dies wäre ein Teufelskreis, «dann weisst du genau, dass wieder etwas geschehen wird».

Zwei Junge haben die Chance genutzt

Am Freitagabend spielt der EHC Biel das Derby gegen den SC Bern. «Unsere Verletztenliste wird lang bleiben», kündet Steinegger an. So sehr wie noch nie freut sich Steinegger daher auf die Nati-Pause, die anschliessend ansteht: «Diese kommt zum richtigen Zeitpunkt, beziehungsweise für uns eigentlich eine Woche zu spät.» Steinegger hat grosse Hoffnungen, dass bis zum übernächsten Spiel am 16. November gegen die Lakers, «der eine oder andere zurückkehren wird».

Immerhin hat Biel die letzten Wochen dazu genutzt, in die mittelfristige Zukunft zu investieren, wegen der personellen Situation wurden viele Junge eingesetzt. Vor allem Elvis Schläpfer (20) und Noah Delémont (19) konnten sich dabei in einem sehr guten Licht zeigen und Rollen einnehmen, die für sie eigentlich noch nicht angedacht waren.

«Sie haben riesige Fortschritte gemacht und ihre Chance gepackt», findet denn auch Steinegger und freut sich darüber, dass die Youngsters in dieser für den EHC Biel sehr anspruchsvollen Zeit «positiv aufgefallen sind». 

Das Verletzten-Protokoll des EHC Biel in den bisherigen 22 Spielen

Spiel 1, Ajoie – Biel 1:3

1 Verletzter: Michael Hügli

Spiel 2, Biel – Lausanne 3:2

3 Verletzte: Ramon Tanner, Luca Cunti, Michael Hügli

Spiel 3, Lakers – Biel 4:6

3 Verletzte: Ramon Tanner, Luca Cunti, Michael Hügli

Spiel 4, Biel – Fribourg 4:3 n.V.

3 Verletzte: Kevin Fey, Ramon Tanner, Luca Cunti

Spiel 5, Lugano – Biel 3:5

3 Verletzte: Kevin Fey, Ramon Tanner, Gaëtan Haas

Spiel 6, Biel – Davos 3:0

3 Verletzte: Kevin Fey, Ramon Tanner, Gaëtan Haas

Spiel 7, Biel – Servette 6:0

5 Verletzte: Kevin Fey, Ramon Tanner, Luca Cunti, Fabio Hofer, Gaëtan Haas

Spiel 8, Bern – Biel 3:4 n.V.

6 Verletzte: Kevin Fey, Ramon Tanner, Luca Cunti, Luca Hischier, Fabio Hofer, Gaëtan Haas

Spiel 9, Biel – SCL Tigers 1:4

6 Verletzte: Kevin Fey, Ramon Tanner, Luca Cunti, Luca Hischier, Fabio Hofer, Gaëtan Haas

Spiel 10, Ambri – Biel 4:0

5 Verletzte: Kevin Fey, Luca Cunti, Fabio Hofer, Jere Sallinen, Gaëtan Haas

Spiel 11, Biel – Zug 4:2

5 Verletzte: Luca Hischier, Fabio Hofer, Jere Sallinen, Gaëtan Haas, Noah Schneeberger (krank)

Spiel 12, Biel – ZSC Lions 1:5

4 Verletzte: Luca Hischier, Fabio Hofer, Jere Sallinen, Gaëtan Haas

Spiel 13, Bern – Biel 1:2 n.P.

4 Verletzte: Luca Hischier, Fabio Hofer, Jere Sallinen, Viktor Lööv

Spiel 14, SCL Tigers – Biel 1:4

3 Verletzte: Luca Hischier, Fabio Hofer, Jere Sallinen

Spiel 15, Biel – Lausanne 1:3

3 Verletzte: Luca Hischier, Fabio Hofer, Jere Sallinen

Spiel 16, ZSC Lions – Biel 1:4

3 Verletzte: Luca Hischier, Fabio Hofer, Jere Sallinen

Spiel 17, Biel – Lakers 4:2

3 Verletzte: Luca Hischier, Fabio Hofer, Jere Sallinen

Spiel 18, Lausanne – Biel 4:2

4 Verletzte: Kevin Fey, Fabio Hofer, Alexander Yakovenko, Jere Sallinen

Spiel 19, Fribourg – Biel 0:1

5 Verletzte: Luca Cunti, Luca Hischier, Fabio Hofer, Alexander Yakovenko, Jere Sallinen

Spiel 20, Biel – Lugano 4:1

4 Verletzte: Luca Hischier, Fabio Hofer, Alexander Yakovenko, Jere Sallinen

Spiel 21, Davos – Biel 8:0

6 Verletzte: Luca Hischier, Fabio Hofer, Lauri Korpikoski, Alexander Yakovenko, Jere Sallinen, Robin Grossmann

Spiel 22, Servette - Biel 3:1

5 Verletzte: Kevin Fey, Luca Hischier, Lauri Korpikoski, Alexander Yakovenko, Jere Sallinen