Das Torspektakel bei Fribourg gegen Ambri

SDA

24.3.2020 - 04:19

Gottérons-Präsident Jean Martinet umrahmt vom russischen Duo Andrei Chomutow (links) und Slawa Bykow.
Source: Keystone

Im März 1990 gelingt dem HC Fribourg-Gottéron der Transfercoup, der weltweit Schlagzeilen macht. Der NLA-Klub verpflichtet Wjatscheslaw Bykow und Andrej Chomutow, zwei der besten Spieler der Welt.

Perestroika, Glasnost und «Monsieur 100'000 Volt» Jean Martinet (verstorben 2016) ermöglichten den sensationellen Transfer. Fribourg stach sogar die Québec Nordiques aus der NHL aus. Slawa Bykow und Andrej Chomutow kamen als erste Spieler von Weltformat in die Schweiz; ihre Verpflichtung löste die turbulenteste Zeit in der Klubgeschichte Gottérons aus.

Vor der Ankunft von Bykow und Chomutow fand in Freiburg Spektakel primär neben dem Eis statt. Gottéron verschliss in fünf Jahren sechs Trainer und stand finanziell permanent am Abgrund. Anfang 1990 hatten sich die Jung-Internationalen Mario Brodmann, Mario Rottaris und Samuel Balmer eigentlich schon zum Transfer nach Lugano entschieden. Fribourg bat sie inbrünstig um Bedenkzeit. Als das Trio erfuhr, dass die Russen kommen, wollte keiner mehr weg. Paul-André Cadieux entschloss sich zu einem Comeback als Cheftrainer.

Das neue Gottéron

Aber zurück in den Frühling 1990, als sich um Chomutow und Bykow erst Gerüchte rankten. Die Playoffs liefen. Fribourg spielte als krasser Aussenseiter gegen Meister Bern. Im ausverkauften Hexenkessel St-Léonard ging es im zweiten Spiel hoch zu und her. Unvergessen die Prügelei zwischen Stürmer Mario Brodmann und Goalie Renato Tosio. Als Sieger nach Punkten ging Brodmann aus dem Fight heraus, weil er Tosios Handschuhe ins Publikum «verschenkte», was ihm eine Tracht Prügel von Berns Topskorer Alan Haworth eintrug. Die Prügelei verhalf Fribourg zum Sieg: Innerhalb von 183 Sekunden skorte Gottéron bei reduziertem Spielerbestand auf dem Eis drei Goals vom 2:3 zum 5:3 (Schlussresultat 5:4).

Bern gewann später die Serie, an diesem Abend jubelte aber erstmals das «neue Gottéron». Präsident Martinet drehte mit dem Trottinett zum Gaudi der Fans Ehrenrunden auf dem Eis. Direktor, Grossrat und Hauptmann Martinet begriff als einer der ersten, dass Sport primär Show sein muss. Deshalb ging Martinet das finanzielle Wagnis mit Bykow und Chomutow ein.

Mehr als 100 Skorerpunkte – in der ersten Saison

Das führte ein Jahr später zum turbulentesten Spiel und zur aufregendsten Playoff-Serie auf Schweizer Eis. Bykow und Chomutow verbuchten schon in der ersten Saison beide über 100 Skorerpunkte. Fribourg (4.) traf im Viertelfinal auf Ambri-Piotta (5.). 60 Tore fielen in den fünf Spielen; Chomutow und Bykow erzielten 20 davon.

Im ersten Match feuerte Freiburg 70 Schüsse aufs Ambri-Tor ab, führte dreimal mit zwei Goals Vorsprung und verlor 5:6 nach Verlängerung. Ambri gewann die ersten zwei Spiele der Serie und besass beim Stand von 2:1 einen «Match-Puck» in der Valascia.

9:8-Spektakel gegen Ambri

Dann folgte jenes Spiel, das noch Jahrzehnte später die Gemüter erhitzte. Ambris Goalie Pauli Jaks wurde schon nach elf Minuten und vier Gegentoren ausgewechselt. Das Schützenfest ging munter weiter. Nach 46 Minuten stand es 7:7. Ambri ging in der 53. Minute erstmals in Führung. 75 Sekunden vor Schluss glich Gottéron zum 8:8 aus. 49 Sekunden vor Schluss gelang Brodmann das 9:8 für Fribourg. Mike Bullard traf tatsächlich noch für Ambri, allerdings Sekundenbruchteile nach der Schlusssirene. Es rächte sich für Ambri, dass die parteiischen Zeitnehmer zuvor bei mehreren Spielunterbrüchen beim Stand von 8:7 die Uhr hatten laufen lassen.

Nach diesem Drama fehlte Ambri in Spiel 5 die Kraft: Gottéron zog mit einem 7:2-Heimsieg erstmals in die Halbfinals ein, Bykow und Chomutow erzielten sechs der sieben Tore.

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