IIHF-Präsident Fasel umarmt Machthaber Lukaschenko – und erntet dafür harsche Kritik

dpa/sda/jar

11.1.2021 - 14:14

epa08931007 Belarusian President Alexander Lukashenko (L) shakes hands with Rene Fasel (R), the president of the International Ice Hockey Federation (IIHF), in Minsk, Belarus, 11 January 2021. EPA/NIKOLAI PETROV / POOL MANDATORY CREDIT
Alexander Lukashenko begrüsst René Fasel in Belarus.
Bild: Keystone

Der weissrussische Machthaber Alexander Lukaschenko hat bei einem Treffen mit dem Präsidenten des Eishockey-Weltverbands (IIHF) die geplante Ausrichtung der Weltmeisterschaft gegen Kritik verteidigt. 

Ungeachtet des internationalen Drucks auf den Verband sei Belarus (Weissrussland) bereit für das Turnier – gegebenenfalls auch ohne Co-Ausrichter Lettland, sagte Lukaschenko am Montag bei einem Treffen mit IIHF-Präsident René Fasel in Minsk. Wegen massiver Polizeigewalt gegen Andersdenkende und mangelnder Schutzmassnahmen in der Corona-Pandemie ist Belarus als WM-Standort umstritten. Die WM ist vom 21. Mai bis 6. Juni in Lettland und Belarus geplant.

Lukaschenko, der als «letzter Diktator Europas» gilt, empfing Fasel herzlich; sie drückten sich beide Hände zum Gruss und umarmten sich, wie auf Bildern der Staatsmedien zu sehen war. «Wenn Lettland verzichtet, dann richten wir die Weltmeisterschaft in Belarus aus, und das wird die beste WM der Geschichte», sagte Lukaschenko. Der Rat der IIHF will am 25. und 26. Januar über die Ausrichtung in Belarus tagen.

Tichanowskaja übt harsche Kritik an Fasel

Wegen der als gefälscht kritisierten Präsidentenwahl am 9. August wird Lukaschenko von der EU nicht mehr als Staatschef anerkannt. Der 66-Jährige hatte sich nach 26 Jahren an der Macht mit 80,1 Prozent erneut zum Sieger erklären lassen. Seine Gegner sehen jedoch die 38-jährige Swetlana Tichanowskaja als Siegerin.

Tichanowskaja meldet sich am Montag via Twitter zu Wort: «René Fasel trifft sich heute mit Lukaschenko, um die Eishockey-WM zu diskutieren, während wenige Kilometer entfernt Menschen bei unmenschlichen Bedingungen im Gefängnis sitzen.» Die Politikerin weist darauf hin, dass die schweizerisch-weissrussische Doppelbürgerin Natallia Hersche zu zweieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt wurde, und dennoch ein Schweizer glücklich den «Diktator» umarme.

Bei Protesten gegen Lukaschenko sind in den vergangenen Monaten mehr als 30'000 Menschen festgenommen worden. Es gab Hunderte Verletzte und mehrere Tote. Neben der EU haben auch die USA Sanktionen gegen Belarus verhängt.

Lukaschenko sieht keinen Grund für Absage

Lukaschenkos Gegner sind gegen eine WM in Belarus und rufen zum Boykott auf, sollte das Turnier doch in Minsk ausgetragen werden. Lukaschenko sagte bei dem Treffen mit Fasel, dass Weissrussland ein sicheres Land sei. «Bei uns stürmen Protestierer und ähnliche Unzufriedene keine Regierungsgebäude und das «Capitol» von Belarus», sagte er mit Blick auf die Erstürmung des US-Kongressgebäudes in Washington in der vergangenen Woche.

Es gebe keinen Grund für eine Absage der WM in Belarus, meinte Lukaschenko. «Wenn die IIHF mit dem Druck einzelner politischer Kreise einzelner Länder nicht klarkommt, dann heisst das, dass es keine WM in Belarus geben wird», sagte er bei dem Treffen mit Fasel.

Keine Verschiebung in die Schweiz

Auch beim Schweizerischen Eishockeyverband macht man sich Sorgen über den Austragungsort Minsk. «Wir verurteilen jegliche Form von Gewalt und Verstösse gegen Menschenrechte aufs Schärfste», schreibt Michael Rindlisbacher, der Präsident der Swiss Ice Hocey Federation in einer Stellungnahme. «Wir haben der IIHF unsere grosse Besorgnis in Bezug auf die Durchführung der A-WM in Minsk bereits mehrfach mitgeteilt und erwarten, dass der internationale Eishockeyverband baldmöglichst einen Entscheid trifft bzw. eine Erklärung abgibt.»

Rindlisbacher macht auch klar, dass die Schweiz als Ersatzort für die WM 2021 nicht zur Verfügung steht. «Dieser Entscheid wurde bereits im Mai 2020 gefällt, und daran hat sich nichts geändert.»

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