Wird der EVZ endlich Meister – und was geschieht bei einem Saison-Abbruch?

Von Marcel Allemann

12.4.2021

Berns Thomas Thiry, links, im Spiel gegen Zugs Tobias Geisser, rechts, im Eishockey Spiel der National League zwischen dem EV Zug und dem SC Bern am Donnerstag, 3. Dezember 2020, in der Bossard Arena in Zug. (KEYSTONE/Alexandra Wey)
Heisses Duell im Viertelfinal: Titelverteidiger SC Bern (links Thomas Thiry) wird versuchen, den grossen Meisterschaftsfavoriten EV Zug (hier Tobias Geisser) auszubremsen.
Bild: KEYSTONE

Am Dienstag geht es los: Das Schweizer Eishockey sucht in der verrückten Corona-Saison seinen Meister. Acht Fragen und acht Antworten zum speziellen Playoff-Start in der «Double Bubble». 

Von Marcel Allemann

12.4.2021

Steht der EV Zug schon als Meister fest?

Aufgrund des bisherigen Saisonverlaufs kann der neue Meister tatsächlich nur EV Zug heissen. In der Qualifikation deklassierten die Zentralschweizer die Konkurrenz. Mit 119 Punkten realisierten sie einen neuen Liga-Rekord, der Vorsprung auf den ersten Verfolger (Lugano) betrug sagenhafte 27 Zähler, zudem haben sie mit Abstand am meisten Tore erzielt (197) und kein anderer Kader ist in der Breite auch nur annähernd so stark. Doch Achtung: Wer im Playoff erfolgreich sein will, der muss vor allem zwischen den Ohren stark sein. Und der Druck beim EVZ ist gross – seit 1998 wartet die ganze Region sehnsüchtig auf den zweiten Meistertitel der Vereinsgeschichte.

Wenn nicht jetzt, wann dann? Nächste Saison werden die Voraussetzungen durch die Abgänge der drei Topverteidiger Diaz, Alatalo und Geisser sowie Spektakel-Stürmer Hofmann nicht mehr derart günstig sein. Bereits der Viertelfinal könnte für den EVZ indes zur diffizilen Herausforderung werden. Denn mit dem zuletzt wieder erstarkten Titelverteidiger SC Bern wartet ausgerechnet jene Mannschaft, die Zug im letzten gespielten Playoff 2019 eine schmerzliche Final-Niederlage (1:4) zugefügt hat. Und selbst wenn die erste Hürde SCB übersprungen wird, es lauern noch einige weitere Gefahren. Die Zuger wären nicht die Ersten, die unmittelbar vor der Ziellinie zu einem historischen Triumph den Kopf verlieren. Neben spielerischen Glanzlichtern sind von den Zugern somit auch mentale Topleistungen gefragt.

Wer kann den EVZ herausfordern?

Spielerisch realistischerweise kein anderes Team. Aber bei der Gegnerschaft ist auch der Titel-Druck nicht derart gross. Titel-Erfahrung zusammen mit einem Schuss Unbeschwertheit könnten daher ebenfalls ein Erfolgsrezept sein. Und da wären wir dann wieder beim EVZ-Viertelfinal-Gegner SC Bern, der seit 2010 fünf Meistertitel gewinnen konnte. Zwar hat der SCB im Lauf der letzten Jahre viel Substanz verloren und trat in der ersten Saisonhälfte teilweise desolat auf. Doch immer wenn die Mutzen gewinnen mussten, dann taten sie das auch. So wurden sie Cupsieger, schafften es ins Pre-Playoff und schalteten in diesen den höher dotierten HC Davos aus.

Zu den Herausforderern zählen natürlich auch die ZSC Lions, die seit 2012 dreimal den Pokal in die Höhe stemmen durften. Aufgrund der Kaderstärke ist auch Lausanne ein Meisterkandidat, aber können die von einer eigenwilligen Führung gemanagten Westschweizer auch ein verschworenes Playoff-Team sein? Und natürlich muss auch der Tabellenzweite und zuletzt gross aufspielende HC Lugano in dieser Rubrik ein Thema sein, auch wenn es Zweifel gibt, ob die Defensive der Tessiner gut genug ist. Als Aussenseiter steigen dagegen Fribourg, Servette und vor allem Rappi ins Meisterrennen. Doch dass in dieser unberechenbaren Corona-Saison Überraschungen möglich sind, hat uns das erstmals gespielte Pre-Playoff gezeigt, als neben dem SCB auch Rappi verblüffte, indem es Biel eliminierte.

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Wie stark sind die ZSC Lions wirklich?

Darüber rätselt die ganze Hockey-Schweiz. Bis Weihnachten spielte der «Zett» noch auf Augenhöhe mit dem EVZ. Doch damals waren auch der inzwischen in die NHL abgewanderte Stürmerstar Pius Suter sowie der verletzte Vorkämpfer Chris Baltisberger noch Teil des Teams. Zuletzt wirkten die ZSC Lions jedoch fragil und verunsichert, rutschten noch bis auf Rang 5 ab und mussten bis zur letzten Qualifikations-Runde um ihre Playoff-Teilnahme zittern. Sie liessen dabei jegliche Konstanz vermissen und ohne diese ist man im Playoff aufgeschmissen. Doch die Zürcher sind auch schon aus ungünstigeren Positionen ins Playoff gestartet und wurden zu Champions. Etwa beim letzten Meistertitel 2018 von Rang 7 aus. Daher muss man die ZSC Lions erneut auf der Rechnung haben, auch wenn es beim Formstand gewisser Spieler schwerfällt, effektiv daran zu glauben.

Was kann Underdog Rappi ausrichten?

Irgendwie ist es schon verrückt: Nach der Qualifikation hatten die zehntplatzierten Rapperswil-Jona Lakers einen Rückstand von 18 Punkten auf das achtklassierte Davos und gar 22 Zählern auf das siebtklassierte Biel. Und trotzdem stehen die St. Galler nun erstmals seit 13 Jahren wieder im Playoff, während der HCD und die Bieler ihre Wunden lecken müssen. Möglich gemacht hat es der neue «Corona-Modus» mit dem hierzulande erstmals ausgetragenen Pre-Playoff. Die Lakers lieferten im perfekten Moment gegen Biel zwei Topleistungen ab.

Und nun im Viertelfinal gegen Lugano? Natürlich ist Rappi krasser Aussenseiter, aber kein anderes Team kann derart unbeschwert ins Playoff steigen, was die Mannschaft des scheidenden Trainers Jeff Tomlinson unberechenbar macht. Unberechenbar ist auch Lugano: Überragende Matches und eindrückliche Siegesserien wechselten sich diese Saison in bunter Folge mit Zwischentiefs ab. Lassen sich die Tessiner ähnlich wie Biel auf dem falschen Fuss erwischen, dann ist ein weiterer Coup der Lakers durchaus möglich. Und in der Regular Season hatte Lugano mit Rappi durchaus Mühe: Die Bilanz ist mit drei Siegen und drei Niederlagen ausgeglichen.

Kann Corona einen Playoff-Abbruch erzwingen?

Die Pandemie hat das Leben von uns allen seit über einem Jahr immer wieder auf den Kopf gestellt und könnte somit natürlich auch einen Playoff-Abbruch erzwingen. Schliesslich wurden schon alle Teams im Lauf der Saison in Quarantäne geschickt, teilweise mehrfach. Muss eine Mannschaft nun tatsächlich in Isolation, wird die betreffende Playoff-Serie unterbrochen. Vor den Halbfinals und vor dem Final beschliesst die Liga gemeinsam mit den noch involvierten Teams, nach welchem Modus weitergespielt wird. Im Idealfall können sämtliche Runden nach dem Modus best of 7 ausgetragen werden. Alternativen wären ein best-of-5- oder ein best-of-3-Modus. Sollte auch dies nicht mehr möglich sein, dann bliebe nur ein Playoff-Abbruch.

Playoff 2021
Wer wird Meister?

Gibt es auch bei einem Playoff-Abbruch einen Meister?

Das ist nicht sicher. Kommt es zu einem Abbruch und eine Fortsetzung des Spielbetriebs ist nicht mehr möglich, ist der Sieger der Regular Season und somit der EV Zug Meister. Allerdings nur dann, wenn der EVZ zu diesem Zeitpunkt noch nicht aus dem Playoff ausgeschieden ist. Wäre dies der Fall,  würde der Meistertitel wie bereits in der letzten Saison nicht vergeben.

Wie will die National League einen Playoff-Abbruch verhindern?

Durch eine «Double-Bubble», in die sich alle Mannschaften vor dem Start begeben haben. Das heisst: Sämtliche Spieler und Staff-Mitglieder bewegen sich ausschliesslich innerhalb der Eishallen («Sport Bubble») und im eigenen Zuhause («Home Bubble»). So gibt es nur Kontakte innerhalb des Teams und mit Angehörigen, die im gleichen Haushalt leben. Vor dem Playoff-Start werden alle Involvierten einem PCR-Test unterzogen. Während des Playoffs werden alle mindestens einmal wöchentlich getestet. Zusätzlich werden bei Auftreten von Symptomen Schnelltests durchgeführt. 

Mit diesem Konzept will die National League nach Möglichkeit verhindern, dass eine komplette Mannschaft in Quarantäne muss. Doch eine Garantie dafür, dass dieses System funktioniert, gibt es natürlich keine. Umso mehr, da in den letzten Wochen die Fallzahlen in der Schweiz wieder gestiegen sind und nach einer zwischenzeitlich besseren Phase für den Spielplan mit Bern und Biel Ende März wieder zwei Teams in Quarantäne mussten und deshalb die Qualifikation nicht wie geplant zu Ende gespielt werden konnte.

Was ist sonst noch neu?

Um möglichst viele Playoff-Runden durchzubringen, verzichtet die Liga auf die traditionellen Spieltage Dienstag-Donnerstag-Samstag. Gespielt wird seit dem Beginn des Pre-Playoffs (7. April) im Zwei-Tage-Rhythmus, unabhängig vom Wochentag. Spätestens am 14. Mai muss das Playoff zu Ende sein, denn bereits eine Woche später beginnt in Riga die WM.