Ex-FCZ-Profi nach Zusammenbruch in stabilem Zustand – ein Kollaps mit Ansage?

Von Syl Battistuzzi

28.10.2021

Das Leben von Raphael Dwamena hing am seidenen Faden.
Bild: Keystone

Das Achtelfinale im österreichischen Cup wird von einem medizinischen Notfall überschattet. Der frühere FCZ-Profi Raphael Dwamena erleidet eine Herzattacke. Mittlerweile befindet er sich in stabilem Zustand.

Von Syl Battistuzzi

28.10.2021

Am Mittwochabend kam es bei der Partie zwischen dem FC Blau-Weiss Linz und dem TSV Hartberg zu schlimmen Szenen, die wohl in vielen Augenzeugen Erinnerungen an das Drama um Christian Eriksen hochleben liessen.

Der Däne war während des EM-Gruppenspiels gegen Finnland auf dem Rasen zusammengebrochen und musste wiederbelebt werden. Danach wurde ihm ein Defibrillator implantiert, der Herzrhythmusstörungen erkennt und im Notfall Schocks auslöst.

Ähnlich präsentiert sich die Situation bei Raphael Dwamena. Der Stürmer spielte einst auch eine Saison beim FC Zürich. Auch dort wusste man um das Risiko, weshalb man ein Gerät zur Überwachung seines Herzryhthmusses implantierte. Dwamena konnte rund zwei Wochen danach wieder ins Training einsteigen – mit dem Implantat in der Brust.

Der verhinderte Transfer sorgt für Stunk

Beim FCZ sorgte er 2017 mit vielen Toren für Furore, sodass sogar die Premier League lockte. Für kolportierte 15 Millionen Franken sollte er zu Brighton wechseln. Der Transfer scheiterte letztlich aber wegen eines nicht bestandenen medizinischen Checks wegen Herzrhythmusstörungen. Nach Ansicht der Zürcher Schulthess-Klinik gab es zwar eine Abweichung von der Norm, die aber «weder gesundheitsgefährdend» sei noch «die Leistungsfähigkeit eines Spitzensportlers» beeinträchtigt, wie der FCZ seinerzeit festhielt.

FCZ-Präsident Ancillo Canepa ärgerte sich darüber, wie die Engländer öffentlich über die Herzprobleme des jungen Spielers berichteten. Er warf Brighton «unprofessionelles Verhalten» vor und sprach gar von «Rufmord». In die gleiche Kerbe schlug sein Berater David Degen: «Wenn man jemandem ein Herzproblem nachsagt, machen alle drei Schritte weg von ihm.»

Der Zuercher Raphael Dwamena, Mitte, bezwingt den Grasshopper Torhueter Heinz Lindner, links, im Fussball Meisterschaftsspiel der Super League zwischen dem Grasshopper Club Zuerich und dem FC Zuerich im Stadion Letzigrund in Zuerich, am Sonntag, 23. Juli 2017. (KEYSTONE/Georgios Kefalas)
Der bei Red Bull Salzburg ausgebildete Raphael Dwamena sorgte mit seinem starken linken Fuss in den gegnerischen Strafräumen für viel Panik.
Bild: Keystone

Stattdessen wechselte das grosse Talent für sieben Millionen Franken nach Spanien zu Levante. Nach dem Wechsel hielt er fest: «Die Ärzte sagten mir, ich würde nie wieder spielen. Doch hier bin ich.» Wenige Monate später musste Dwamena bei Leihstation Real Saragossa seine Karriere wegen der Herzprobleme unterbrechen. Wiederum sieben Monate später kehrte er ins Training zurück – hinter sich hatte der Afrikaner eine Operation im Januar 2020, bei welchem ihm ein Defibrillator eingesetzt wurde.

«Keine Auffälligkeiten»

Im Sommer 2020 zog Dwamena nach Vejle Boldklub in die Dänische Superliga weiter. Dort absolvierte er einige Partien, ehe er vom Klub aus dem Verkehr gezogen wurde. Bei der Überwachung des Herzens waren einige Werte zu hoch, meldete der Verein. 

Nichtsdestotrotz fand Dwamena in der zweiten österreichischen Liga bei Blau-Weiss-Linz Unterschlupf. «Wir haben ihn, als er zu uns gekommen ist, intensiv von Top-Ärzten im AKH Linz durchchecken lassen», so Linz-Manager Stefan Reiter. «Mit dem Ergebnis, dass alles okay ist.» Er führt aus: «Es gab keine Auffälligkeiten und in den Trainings und Spielen lief alles problemlos», so Reiter. Erst Anfang Oktober gab Dwamena sein Debüt bei seinem neuen Klub, eine Thrombose in der Hand hatte ihn zuvor ausser Gefecht gesetzt. Einen Zusammenhang mit seiner Herzanomalie sahen die Blau-Weiss-Verantwortlichen damals nicht.

Nun kollabierte der Ghanaer in seinem vierten Spiel für den neuen Klub auf dem Platz. Der 26-Jährige wurde sofort stabilisiert, war bei Bewusstsein und ansprechbar. Wie der Klub mitteilte, dürfte er das Spital wohl bis Freitagmorgen wieder verlassen können.

Ob der Fussball-Profi mit der Herzschwäche nun seine Karriere erneut fortsetzen kann oder darf, ist nicht anzunehmen. Dwamena kann aber froh sein, hat er bereits einen medizinischen Eingriff hinter sich – er soll aufgrund des eingesetzten Defibrillators nie in akuter Lebensgefahr gewesen sein.



Leistungssport mit Defibrillator möglich

In Italien hätte Dwamena mit seiner Vorgeschichte gar keinen Vertrag bekommen, da gemäss Reglement ein Spieler mit Defibrillator nicht zum Wettkampftraining zugelassen ist. «Leidensgenosse» Christian Eriksen, der bei Inter Mailand unter Vertrag steht, ist also höchstwahrscheinlich eine Zukunft in der Serie A verwehrt. Nur bei einer Entfernung des Geräts würde ihm eine Lizenz erteilt. Anderswo sind die Gesetze aber weniger streng. 

Seit 2019 mit einem Defribillator spielt auch der Niederländer Daley Blind. Sobald sich seine Herzfrequenz zu stark erhöht, sendet sein Gerät einen oder mehrere Stromstösse, um die Rhythmusstörung zu beheben. Er kann damit weiterhin Leistungssport betreiben.

Noch vor zehn Jahren konnten die implantierten Geräte nicht zwischen einem gefährlichen Kammerflimmern und einem Puls unterscheiden, der einfach aufgrund einer dramatischen Schlussphase beim Fussball erhöht ist.