Mit Privatdetektiv: So verschaffte sich Alpstaeg beim FCL Aktienmehrheit

8.11.2019 - 11:01, lbe

Soll beim FC Luzern am Rande der Legalität agiert haben: Bernhard Alpstaeg.
Bild: Keystone

Nach jahrelangem Streit findet die Führungsetage des FC Luzern im Sommer vermeintlich eine Einigung. Jetzt kommt ans Licht, wie diese zustande gekommen ist.

Seit rund fünf Jahren und dem Einstieg von Josef Bieri ist die Besetzung des Aktionärskreises der FCL Holding AG, der Besitzerin des FC Luzern, konstant. Neben Bieri gehören Bernhard Alpstaeg, Samih Sawiris, Hans Schmid und Marco Sieber in diesen Kreis. Fast ebenso konstant sind allerdings die Unstimmigkeiten zwischen Hauptaktionär Alpstaeg und dem Unternehmer-Trio Sawiris, Schmid und Sieber. Der Streitpunkt: Wem gehört der 25-Prozent-Aktienanteil, den der ehemalige Präsident Walter Stierli nach seinem Rücktritt aus dem Verwaltungsrat 2014 dem FC Luzern zurückgegeben hat?

Im Mai dieses Jahres scheint der Streit beigelegt zu sein. Offiziell wird kommuniziert, dass Bernhard Alpstaeg nun der Besitzer von 52 Prozent der Holding-AG-Aktien sei. Doch die eingekehrte Ruhe ist nur von kurzer Dauer. Bis Ende Oktober zieht sich sowohl Alpstaeg als auch das Trio um Sawiris, Schmid und Sieber aus dem Verwaltungsrat zurück. Alpstaeg will ausserdem keine finanziellen Leistungen für den Klub mehr erbringen. Jetzt erheben Sawiris, Schmid und Sieber schwere Vorwürfe.

Schwere Vorwürfe an Alpstaeg

Um an die Aktienmehrheit zu gelangen, habe Alpstaeg die Aktionäre unter massiven Druck gesetzt und soll dabei am Rande der Legalität agiert haben. Das Protokoll:  

10. Februar 2019:
Nachdem es bereits im Dezember zu einer erfolglosen Verhandlung vor dem Friedensrichter kommt, engagieren Sawiris, Schmid, Sieber und Bieri den Anwalt Marco Bolzern. Er soll die Interessen der FCL Holding AG verteidigen. An diesem Sonntag erhält Bolzern eine E-Mail, in der Alpstaeg ein Treffen verlangt. Es sei an der Zeit, sich in der Aktien-Sache zu treffen.

12. Februar 2019
Also treffen sich die beiden am Dienstag im Luzerner Hotel Schweizerhof. Dort soll Alpstaeg dem Anwalt klargemacht haben, dass die «Stierli-Aktien» sein Eigentum seien – Geld dafür gebe es allerdings nicht. Zudem informiert Alpstaeg, dass er eine Klage bereits vorbereitet habe, um seine Aktien wenn nötig vor Gericht zu erhalten. Wie die «Luzerner Zeitung» schreibt, sagt Alpstaeg zu Bolzern: «Ich weiss, dass es schmutzig wird. Ich habe einen Privatdetektiv engagiert, habe sämtliche E-Mails auswerten lassen. (...) Kommt es zu einer gerichtlichen Verhandlung, wird ganz viel Dreck an die Oberfläche gespült. Eine Ehe geht in die Brüche und es werden sexuelle Verfehlungen bekannt.»

Der Anwalt rapportiert das Gespräch per E-Mail an die betroffenen Aktionäre (Sawiris, Schmid, Sieber und Bieri). Bolzern ist schnell bewusst, dass Alpstaegs Aussagen auch strafrechtlich relevant sein könnten.

13. Februar 2019:
In einer Telefonkonferenz wird unter den vier betroffenen Aktionären über das weitere Vorgehen beraten. Über die Drohung, Privates öffentlich zu machen, können sie lachen – über die Prozessdrohung gegen den FCL allerdings nicht.

22. Februar 2019:
Trotz laufender Einigungsgespräche reicht Bernhard Alpstaeg die Klage beim Bezirksgericht Luzern ein.

23. Februar 2019:
Einen Tag später erklärt Alpstaeg, dass er sich nicht an der Defizitdeckung beteiligt, solang er nicht im Besitz der «Stierli-Aktien» sei. Weil dem FCL deshalb die Lizenzverweigerung oder gar der Konkurs droht, sagt Gegner Sieber heute: «Uns blieb nichts anderes übrig, als einzulenken.» Alpstaeg ist ab sofort Mehrheitsaktionär, die Klage wird zurückgezogen.

5. Juli 2019:
Sieber und Co. schreiben einen mehrseitigen Brief, in dem sie Alpstaeg mit den Drohungen konfrontieren und aufgrund seines destruktiven Verhaltens aus dem Verwaltungsrat austreten. Erstaunlicherweise meldet sich Alpstaegs Berater Bernhard Heusler bei Sieber, bevor der Brief verschickt wird. Er will wissen, was es mit den Vorwürfen auf sich habe. Ein Beweis, dass die E-Mail-Konten gehackt wurden? «Wir können uns jedenfalls nicht erklären, woher Bernhard Alpstaeg Kenntnis vom Brief hatte», sagt Sieber gegenüber der «Luzerner Zeitung» und merkt an: «Sicher ist, dass der Brief in der Entwurfsphase nur zwischen fünf Personen kursierte.»

Vier Rücktritte innert einer Woche

Der Rest der Geschichte ist bekannt. Nachdem Alpstaeg ohne Wissen der übrigen Aktionäre auch noch 60 Prozent der Stadion Luzern AG übernimmt, machen Sawiris, Schmid und Sieber ein Angebot. Sie beabsichtigen entweder Alpstaegs Aktien zum Einstandspreis abzukaufen, oder aber die eigenen Anteile an ihn zu verkaufen. Alpstaeg willigt wenig überraschend nicht ein, worauf Sawiris, Schmid und Sieber per 23. Oktober ihren sofortigen Rücktritt bekannt geben. Gleichzeitig wird bekannt, dass Bernhard Alpstaeg bereits am 15. Oktober das Gleiche getan hat.

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