Rolf Fringer: «Ich liebe die Romandie zu sehr, als dass ich sie verunglimpfen würde»

wer

15.3.2018

Dicke Luft zwischen der Romandie und Ex-Nati-Coach Rolf Fringer: Nach Kritik am FC Lausanne-Sport gehen westschweizer Medien hart mit dem TV-Experten ins Gericht und sprechen von einem «neuen Angriff». «Es ist komplett falsch, zu denken, ich hätte irgendetwas gegen die Romands», entgegnet Fringer am Donnerstag.

Rolf Fringer tut das, was man von einem Fussball-Experten am TV erwartet: Er analysiert das Geschehen, die Taktiken, Aufstellungen oder Spielzüge. Er ordnet ein, sagt, was man anders machen könnte und was nicht. Fringer kann, wie der Fall Constantin gezeigt hat, auch auf den Mann spielen und persönliche Kritik üben – bisweilen spitz, dezidiert und pointiert. Er tut auch, was TV-Zuschauer innerhalb des Rahmenprogramms erwarten: Ein bisschen polarisieren.

«Wenn es weh tut, sieht man Lausanne nicht mehr»

Als der FC Lausanne-Sport am Wochenende von St. Gallen mit 1:4 vorgeführt wird, kritisiert Fringer die Abwehr der abstiegsgefährdeten Westschweizer: «Typisch welsch», meint der 61-Jährige und erklärt später: «Ein Verteidiger kann sich nicht zehn Meter von einem Stürmer entfernt befinden. Das ist keine Deckung. Manndeckung heisst, auf dem Mann drauf zu sein. Manchmal kann man nicht um des Spieles Willen spielen, sondern muss auch über seinen Schatten springen. Was ich mit ‚typisch welsch’ sagen wollte, ist, dass man nicht bereit ist, die nötigen Opfer zu bringen. Wenn es weh tut, sieht man Lausanne nicht mehr.» Gewiss pauschalisiert Fringer mit seiner Aussage «typisch welsch» – notabene in einer Live-Sendung und  vielleicht unnötigerweise – aber der Aufschrei in der Romandie ist dann doch auch etwas gar harsch.

«Wir waren 'les Totos' und sie 'les Welsches'»

«Er greift wieder an», titelt etwa «Le Matin» tags darauf bezugnehmend auf den Fall Constantin und fragt: «Was wollte der Österreicher sagen?» In einem Kommentar wird danach Fringers Zeit als Nati-Trainer und die Niederlage gegen Aserbaidschan thematisiert. Die Kommentarspalten – gerade auf Social Media – laufen heiss und die User können ihrem Unmut Luft verschaffen. Und Fringer? Der erklärt sich in einem Interview am Rande der Nachholpartie zwischen Lausanne und Basel erneut (s. Video oben).

«Man hat aus einer Mücke einen Elefanten gemacht. Ich wollte doch keine grundsätzliche Debatte lostreten (…).» Fringer erklärt in fliessendem französisch, dass er selbst während drei Jahren in der Romandie gelebt habe und eine grossartige Zeit hatte. «Wir waren ‘les Totos’, sie waren ‘les Welsches’. Das gehörte einfach zu unserem Vokabular.» Es sei komplett falsch, zu denken, dass er etwas gegen die Romands habe. «Ich mag sie zu gut, als dass ich sie verunglimpfen würde.»

Zurück zur Startseite