Spycher: «Habe kein Problem damit, wenn die Resultate mal nicht stimmen»

12.8.2019 - 09:16, jar

Spycher spricht über den grossen Umbruch bei YB
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Spycher spricht über den grossen Umbruch bei YB

Nach zwei Meister-Jahren befinden sich die Young Boys in einem grossen Umbruch. YB-Sportchef Christop Spycher erklärt im Teleclub Fussball-Talk, warum die Berner auch trotz der vielen Abgängen und Einkäufen weiter erfolgreich sind.

11.08.2019

Trotz grossem Umbruch steht YB auch in dieser Saison nach dem vierten Spieltag an der Spitze der Super-League-Tabelle. Sportchef Christoph Spycher erklärt im Teleclub Fussball-Talk «Heimspiel», wie das möglich ist und warum seine Spieler ohne Druck spielen können.

Der FC St. Gallen schafft am Samstag, was in den vergangenen zwei Jahren keine Mannschaft geschafft hat: Er kann gegen YB einen 0:2-Rückstand aufholen. Am Ende jubeln dennoch die Berner über einen 3:2-Sieg. Und so grüsst YB als einziges noch ungeschlagenes Team auch nach dem vierten Spieltag von der Tabellenspitze.

Dass die Young Boys auch in dieser Saison der Top-Favorit auf den Meistertitel sind, daran hatte kaum jemand Zweifel. Und trotzdem war nicht zu erwarten, dass die Berner schon von Beginn weg solch eine Konstanz an den Tag legen können, nachdem der Klub im Sommer einige wichtige Spieler verloren hat. Steve von Bergen, Kevin Mbabu, Djibril Sow und Loris Benito haben den Meister unter anderen verlassen. 

Dazu kommt viel Verletzungspech: Mit Ali Camara, Miralem Sulejmani, Christian Fassnacht, Sandro Lauper und Guillaume Hoarau fehlen fünf potenzielle Stammspieler verletzt. Dennoch haben die Berner noch genug Qualität in ihren Reihen, um auch dezimiert gegen die Gegner in der Liga bestehen zu können. Zu verdanken ist dies auch Sportchef Christoph Spycher, der im Sommer scheinbar die richtigen Verstärkungen gefunden hat: Fabian Lustenberger, Saidy Janko, Cédric Zesiger, Vincent Sierro, Marvin Spielmann und Christopher Martins haben bisher allesamt einen positiven Eindruck hinterlassen. 

Spycher sagt, er habe «grossen Respekt» vor der Arbeit von Trainer Gerardo Seoane und seinem Team in den letzten Wochen. «Wir haben einen grossen Umbruch gehabt. Wenn wir unsere Meistermannschaft vor zwei Jahren anschauen, sehen wir, dass uns momentan praktisch das gesamte Team von damals fehlt: Hoarau, Sulejmani und Fassnacht sind verletzt, die zwei defensiven Mittelfeldspieler und die Viererkette sind weg. Aber wenn ich sehe, wie die Truppe in den ersten Wochen schon zusammengewachsen ist, macht mich das nur glücklich», so der Sportchef.

Spychers Erfolgsrezept: Kein Druck, aber viel Vertrauen

Dass es nicht selbstverständlich ist, dass ein Meisterteam nach einem grossen Umbruch so gut funktioniert, weiss auch Spycher. Und deshalb war bei ihm die Erwartungshaltung eigentlich gar nicht so gross. «Jedem Normalsterblichen muss klar sein, dass ein Spieler, den man für eine Million holt, nicht so gut ist wie der Spieler, den man für zehn Millionen verkauft hat. Man muss das Potenzial sehen, und der Verein muss so funktionieren, dass sich der Spieler entwickeln kann.»

Spycher: «Wir haben kein Problem damit, wenn die Resultate mal nicht stimmen»
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Spycher: «Wir haben kein Problem damit, wenn die Resultate mal nicht stimmen»

Nach zwei Meister-Jahren befinden sich die Young Boys in einem grossen Umbruch. YB-Sportchef Christop Spycher erklärt im Teleclub Fussball-Talk, warum die Berner auch trotz der vielen Abgängen und Einkäufen weiter erfolgreich sind.

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Spycher meint, dass er nicht unzufrieden wäre, wenn YB in der Tabelle aktuell nicht zuoberst stehen würde. «Wir haben keine Probleme, wenn die Resultate mal nicht stimmen. Wir wollen einfach sehen, dass unsere Spieler immer bereit sind, alles zu geben und von Woche zu Woche besser werden wollen. Solange werden sie von uns jegliche Unterstützung bekommen», sagt er.

Dass der Druck nicht so hoch ist wie bei anderen Teams, die erfolgreich Fussball spielen wollen, sieht Rolf Fringer als Schlüssel zum Erfolg bei den Young Boys. «Das sind psychologische Nuancen, die wichtig sind, damit es mir als Spieler oder Staffmitglied wohl ist im Verein. Das ist ein entscheidendes Detail», so der Teleclub-Experte.

Andreas Böni, Fussball-Chef beim «Blick», hebt ebenfalls die Qualitäten von Spycher als Sportchef heraus. «Ich habe das Gefühl, Christoph spricht ganz gut mit den Spielern und ihren Beratern. Sie wissen genau, wann sie gehen dürfen, und niemand verlässt den Verein mit bösem Blut», so Böni. Dies sei eine unglaubliche Leistung, gerade bei all diesen Eitelkeiten, welche die Transferzeit jeweils mit sich bringt. «Bei Basel hat man gesehen: Ajeti will weg und darf gehen, bei YB gibt es klare Absprachen, wie der Verein den Plan mit dem Spieler sieht und so wird dann auch kommuniziert.»

«Da bei YB der Druck nicht allzu gross ist, fühlen sich die Spieler wohl»
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«Da bei YB der Druck nicht allzu gross ist, fühlen sich die Spieler wohl»

Nach zwei Meister-Jahren befinden sich die Young Boys in einem grossen Umbruch. YB-Sportchef Christop Spycher erklärt im Teleclub Fussball-Talk, warum die Berner auch trotz der vielen Abgängen und Einkäufen weiter erfolgreich sind.

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Dass es bei YB so gut läuft, ist mit Blick auf die Jahre vor Spychers Amtsübernahme nicht selbstverständlich. Die Berner wurden als Verliererverein angesehen, weil sie es trotz vieler Ausgaben nie geschafft hatten, Titel zu gewinnen. Spycher begründet die positive Entwicklung unter seiner Führung mit der Ruhe, die er in den Verein bringen konnte.

«Als ich 2010 zum Ende meiner Karriere als Spieler hierhin kam, war YB eigentlich schon auf einem guten Weg. Aber erst im vierten Jahr hat mal ein Trainer die Saison beenden können, und auch in der Führung gab es immer wieder Wechsel», erinnert sich der Sportchef. Dies habe er nicht immer gut gefunden und so dann auch gemerkt, dass es Ruhe und Vertrauen braucht, um erfolgreich arbeiten zu können. 

Spycher: «Wichtig ist, wie wir die Spieler entwickeln und die Mannschaft begleiten können. Wie können wir eine Einheit bilden, die von Woche zu Woche besser wird? Dass die eine Abteilung Druck auf die andere ausübt, wird es bei mir niemals geben.»


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