YB-Sportchef Spycher: «Ich kann auch unangenehm werden»

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10.12.2018

Seit Christoph Spycher im September 2016 das Amt des Sportchefs bei den Young Boys übernommen hat, geht es mit den Bernern nur noch in eine Richtung: Aufwärts. Im Teleclub Fussball-Talk Heimspiel spricht Spycher über seine Arbeitsweise, mögliche Winter-Transfers und Spekulationen um das Manager-Amt in der Nati.

Mit seiner ruhigen und sachlichen Art wird Christoph Spycher von der ganzen Fussball-Schweiz geschätzt. Vor allem natürlich auch von seinen Spielern, aus denen er ein Team geformt hat, das YB im Frühling den langersehnten ersten Meistertitel nach 32 Jahren beschert hatte. «Er ist ein sehr positiver Typ mit super Einstellung. Er spürt die Spieler und weiss, mit welchen Worten er zu ihnen gehen muss. Er ist sehr direkt», meint Goalie David von Ballmoos.

«Offenheit und Ehrlichkeit» sind für Spycher enorm wichtig, wie er selbst sagt. Er ist als kollegialer Typ bekannt, der sich mit den Profis auf Augenhöhe befindet. «Ich bin harmoniebedürftig, ich habe es gerne gut (mit den Spielern),» so der Sportchef. «Aber ich will den Erfolg. Und da bin ich auch konsequent. Wenn ich den Erfolg gefährdet sehe, bin ich unangenehm. Dann bin ich auch sehr verständlich, damit alle wissen, was ich will.»

Spycher: «Möglich, dass es im Winter Abgänge geben wird»

Ungangenehm musste Spycher in seinen bisher knapp zweieinhalb Jahren als YB-Sportchef nur selten werden, zu stark präsentieren sich die Berner seit Beginn seiner Amtszeit. Nach dem erlösenden Meistertitel in der vergangenen Saison hat YB die Titelverteidigung schon nach 17 Spieltagen praktisch im Sack – 19 Punkte Vorsprung hat der Leader auf die Konkurrenz. Weil die Berner im Europacup schon vor dem letzten Gruppenspiel in der Champions League (am Mittwoch gegen Juve, live auf Teleclub und im Ticker) ausgeschieden sind, wird es eigentlich nur noch im Cup spannend.

Droht den Young Boys deshalb in der Winterpause der grosse Ausverkauf? Spycher macht kein Geheimnis daraus, dass «der Weg einiger Spieler früher oder später in eine Top-Liga führen wird». Es stelle sich aber die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt. «Wann kommt der richtige Verein mit dem richtigen Angebot? Es ist möglich, dass es im Winter die eine oder andere Veränderung geben wird.» Der Sportchef betont allerdings auch, dass YB «immer noch alle Karten in der Hand» habe und «wir den Umbruch nach unseren Wünschen modellieren können».

Falls ein Kevin Mbabu oder ein Roger Assalé im Winter gehen sollte, muss sich Spycher natürlich auf die Suche nach Ersatz machen. In den letzten Jahren fischten die Young Boys auffällig oft im Thunersee. Der Sportchef dementiert jedoch, dass es YB kategorisch auf Profis des FC Thun abgesehen habe. «Wir ordnen die Spieler nicht nach dem Verein ein», so der frühere Nati-Spieler.

Und weiter: «Der primäre Markt sind unsere Nachwuchsspieler. Wenn ich einen Stürmer suche, der in der ersten Saison 20 Tore schiesst, wird das keiner aus unserem Nachwuchs sein. Aber ein Léo Seydoux, der am Samstag als Rechsverteidiger ein super Debüt gegeben hat, kann eine Option sein.»

Desweiteren sei natürlich auch der Schweizer Markt interessant. «Wir haben auch Jean-Pierre Nsame von Servette oder Jordan Lotomba von Lausanne geholt», erinnert Spycher. Und auch auf den ausländischen Markt hat «Wuschu» immer ein Auge: «Letztlich definieren wir das Profil des gesuchten Spielers und dann schauen wir, wo wir diesen finden.»

Spycher im Fokus um Manager-Job in der Nati

Die richtigen Spieler finden, das soll künftig auch ein neuer Manager in der Schweizer Nati machen – oder zumindest Coach Vladimir Petkovic dabei unterstützen. Der SFV sucht einen neuen sportlichen Leiter. Und wer kommt da besser in Frage als der aktuell erfolgreichste Sportchef der Super League?

Christoph Spycher will zu den Spekulationen aber nicht gross Stellung nehmen. «Wenn es um einen Spieler oder einen Funktionär geht, kommentieren wir das nicht», blockt er ab. «Mein Fokus liegt auf den letzten beiden Spielen (vor der Winterpause) und auf der Transferperiode. Ich habe nur ein Ziel: Die Titelverteidigung – am liebsten noch mit einem zweiten Pokal dazu.»

Heimspiel – Der Fussball-Talk in voller Länge:

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