YBs Motor stottert unter Wagner – wie ist seine bisherige Bilanz im Vergleich zu seinen Vorgängern?

Von Syl Battistuzzi

1.12.2021

David Wagner muss mit YB schleunigst wieder auf die Siegesstrasse zurückfinden.
Bild: Keystone

Die Young Boys sind schlecht aus den Startlöchern gekommen und stecken unter dem neuen Coach David Wagner in einer sportlichen Baisse. Ein historischer Fehlstart oder doch nichts Aussergewöhnliches in Bern? blue Sport nimmt die letzten 20 Jahre unter die Lupe.

Von Syl Battistuzzi

1.12.2021

Die Berner holten aus den letzten drei Auswärtsspielen in Serie nur gerade einen Punkt. Darunter war auch die bittere Pleite im Spitzenkampf gegen den FC Zürich. So liegt der zuletzt so erfolgsverwöhnte Klub aktuell gerade mal auf Rang 4. Immerhin hat man noch weniger Partien ausgetragen als die Konkurrenz, doch die Bilanz ist mit 22 Punkten nach 13 Spielen wahrlich nicht berauschend. 

David Wagner hat den Schweizer Meister zu Beginn dieser Saison von Gerardo Seoane übernommen. Im Vergleich zum heutigen Leverkusen-Coach hat der Deutsche fast schon einen veritablen Fehlstart hingelegt. So hat Seoane in seinen drei Saisons mit YB das erste Saisondrittel dominiert und lag so jeweils früh auf Kurs. Bei seinem Einstand 2018 gab es zum Beispiel für Seoane gleich elf Siege bei nur einem Remis und einer Niederlage zu feiern, was einen sensationellen Punkteschnitt von 2,62 ergab. 

Doch Wagner muss sich nicht grämen, mit seiner Quote von 1,69 Punkten kein Traum-Debüt gegeben zu haben. Selbst unter Seoanes Vorgänger Adi Hütter wackelte das Team in der Anfangsphase der Meisterschaft ein wenig, ehe die Truppe seine Ideen verstand und umsetzte. In seine letzte Spielzeit 2017 startete Hütter aber sehr gut (2,23), was am Ende dann auch endlich den langersehnten Meistertitel einbrachte. 

Wagners Punkteschnitt reicht(e) nicht

Sprich muss YB heuer wieder aufdrehen: Dem Österreicher reichte ein Jahr zuvor nämlich der exakt gleiche Punkteschnitt wie Wagner aktuell (1,69) nicht, um sich gegen den FC Basel in der Endabrechnung dann durchzusetzen. Auch in seinem Debütjahr 2015, als er Interimstrainer Harry Gämperle ablöste – der zuvor den nach dem 3. Spieltag gefeuerten Uli Forte vertrat –, lag YB nach 13 Partien mit einem Punkteschnitt von 1,69 da, was ebenfalls nicht reichte.

Uli Forte hatte jeweils bei Beginn auch Schwierigkeiten. So wies der Zürcher 2013 und 2014 mit jeweils 1,62 keinen beeindruckenden Schnitt aus. 2011 startete Christian Gross genau gleich (1,69), gegen Saisonende musste der renommierte Coach dann gehen. 2009 startete Vladimir Petkovic mit zehn Siegen, einem Remis und zwei Niederlagen (2,38) furios mit seinem Team, doch selbst dies war nicht genug: Im Meisterrennen ging dem späteren Nati-Trainer in Bern am Schluss die Puste raus. In der nächsten Saison hatte man dann grosse Mühe (1,31), in die Gänge zu kommen. Genau gleich schlecht startete nur Martin Rueda 2012 in die Meisterschaft.

Auch Martin Andermatt hatte 2007 die gleiche Bilanz (1,69), was nichts Zählbares einbrachte. Hanspeter «Bidu» Zaugg hatte 2003 mit einem Schnitt von 1,92 Punkten einen respektablen Einstand – blieb aber gleichwohl titellos. Marco Schällibaum hatte seinem YB-Debüt vor 20 Jahren auch die gleiche Bilanz (1,69), auch in der Folgesaison 2002 stand seine Truppe genau gleich da nach 13 Spielen. Am Ende der Saison musste auch er Bern verlassen.

Fazit

Mit dem Erreichen der Champions League hat David Wagner sicher viel Kredit in der Chefetage gesammelt. Doch das Abenteuer auf der europäischen Bühne – je nach Ausgang im letzten Champions-Lague-Gruppenspiel – könnte bald vorbei sein. Dann sind die internationalen Flitterwochen definitiv vorbei und im Meisterschaftsalltag muss schnell der Anschluss gefunden werden (am besten heute mit einem Heimsieg gegen Lugano – live um 20.30 Uhr auf blue TV). Mit dem jetzigen Punkteschnitt von 1,69 erinnert David Wagner gefährlich an viele Vorgänger in Bern, die am Ende allesamt scheiterten. Zusätzlich flog der 50-Jährige mit seinem Team bereits im Cup raus. Höchste Zeit also, die Trendwende einzuleiten.