Presseschau

«Im wichtigsten Spiel seiner Karriere hat Yakin hoch gepokert – und verloren»

Jan Arnet

7.12.2022

Streller über das Nati-Debakel: «Ein kollektives Versagen»

Streller über das Nati-Debakel: «Ein kollektives Versagen»

Die Schweiz verliert seinen WM-Achtelfinal gegen Portugal sang- und klanglos mit 1:6. blue Sport Experte Marco Streller analysiert die herbe Nati-Pleite.

07.12.2022

Während die Schweizer Zeitungen viel Kritik an Nati-Trainer Murat Yakin üben, legen die internationalen Medien das Hauptaugenmerk auf die Degradierung von Cristiano Ronaldo. Die Presseschau zum 1:6-Debakel der Nati gegen Portugal.

Jan Arnet

7.12.2022

Schweiz

«Tagesanzeiger»

«Geschichte wollten sie schreiben, die Schweizer an dieser WM in der Wüste. Aber dann ist es, als hätte jemand einmal bitte den ‹Schweizer Achtelfinal spezial› bestellt. Wie 2018 gegen Schweden, wie 2006 gegen die Ukraine spielt die Schweiz ein K.o.-Spiel, als sei sie erst rund fünf Minuten vor dem Spielbeginn aus dem Bett gerissen worden – und mache sich erst mal auf die Suche nach einem dreifachen Espresso.»

«Blick»

«Murat Yakin hat sich verzockt. Der Versuch mit der Dreierkette ging komplett schief. Die Nati blieb gegen einen Gegner, mit dem sie sich auf Augenhöhe sieht, absolut chancenlos. (...) Im wichtigsten Spiel seiner Karriere hat Yakin hoch gepokert – und verloren. Sein Instinkt liess ihn für einmal im Stich. Zur Systemumstellung kamen Personalentscheide, die Fragen aufwerfen. Dass er nur zwei gelernte Aussenverteidiger nach Katar mitgenommen hat, erwies sich als Fehler.»

«NZZ»

«Die Schweizer wollen ihre WM-Geschichte weiterschreiben, sagte der Trainer Murat Yakin vor dem Achtelfinal gegen Portugal. Die Geschichte, die herausgekommen ist, ist die Geschichte eines Totalversagens. Die Geschichte handelt von einem Trainer, der sich mit der Taktik verzockt. Sie handelt von einer Mannschaft, die sich ermattet, saft- und kraftlos dem Gegner ergibt, allen voran der Captain Granit Xhaka.»

«Aargauer Zeitung»

«Die Nati wollte Geschichte schreiben, aber sie hängt immer noch im alten Kapitel. 2006 – mutlos raus gegen die Ukraine. 2014 – glücklos raus gegen Argentinien. 2018 – emotionslos raus gegen Schweden. Und 2022? Mutlos, glücklos und emotionslos raus gegen Portugal. Es ist schlimmer als alles, was wir bisher in Achtelfinals erlebt haben.»

Portugal

«Público»

«Nein, wir befinden uns nicht im Reich der filmischen Fantasie von Tarantino. Es ist real, was am Dienstag in Lusail passiert ist, und es gab nicht, wie in anderen Spielen, das Recht auf eine hollywoodreife Wendung der Handlung. Portugal überlebte auch ohne Ronaldo – und wirkte zeitweise sogar lebendiger als je zuvor.»

«A Bola»

«Fernando Santos liess Ronaldo draussen und setzte Otávio und Gonçalo Ramos in die Elf, und die funktionierten bestens. Die portugiesische Nationalmannschaft zeigte eine brillante Leistung. Die Schweizer kamen mit einem neuen taktischen System aus der Pause zurück, aber es nützte nichts, denn Portugal war sehr inspiriert, vor allem Gonçalo Ramos, der erneut traf. Und das alles an dem Tag, an dem Cristiano Ronaldo nur auf der Bank sass.»

Weitere

«Sport 1» (Deutschland)

«Dass Ronaldo in der Startelf fehlte, überraschte wohl auch die Schweizer. Sie ergriffen zunächst die Initiative, aber Ramos hatten sie irgendwie nicht auf dem Schirm. Mit einem Gewaltschuss traf er zur Führung, danach legten er und seine Mitspieler so richtig los. Die schockierten Schweizer kamen bis zu Akanjis Treffer kaum mal gefährlich vors Tor.»

«Krone» (Österreich)

«Portugal dreht Schweiz durch den Fleischwolf. (...) Das Team von Murat Yakin hatte in keiner Phase des Spiels wirklich Zugriff, zeigte in der Defensive ungewohnte Schwächen und verpasste den ersten Viertelfinal-Einzug seit der Heim-WM 1954.»

«Gazzetta dello Sport» (Italien)

«Es gibt einen neuen Sheriff in der Stadt, mit rauchenden Pistolen, und so vermisst Cristiano Ronaldo auch in Portugal keiner mehr. Fernando Santos' bestes Spiel der Nationalmannschaft bei dieser Weltmeisterschaft, sowohl was die Tore als auch was die Spielanteile angeht, war dasjenige, in dem Ronaldo 73 Minuten auf der Bank sass. Und das kann kein Zufall sein. In der Zwischenzeit kann sich das ganze Land – und nicht nur Lissabon, wie sonst üblich – über die Tore von Gonçalo Ramos freuen, der CR7 im Sturm ersetzt und seine Nationalmannschaft in den Viertelfinal geführt hat.»

«Daily Mail» (Grossbritannien)

«Kein Ronaldo, kein Problem! Gonçalo Ramos erzielt einen Hattrick und rechtfertigt damit die Entscheidung, den Star aus der Startelf zu streichen. Die Debatte darüber, ob diese Portugiesen ohne Ronaldo besser oder schlechter sind, ist nun beendet. Nachdem er wegen seines jüngsten Ausrasters aus der Startaufstellung gestrichen wurde, gibt es für ihn keinen Weg mehr zurück.»

Nati-Trainer Murat Yakin gerät nach dem WM-Aus der Schweiz in die Kritik.
Nati-Trainer Murat Yakin gerät nach dem WM-Aus der Schweiz in die Kritik.
Keystone