Der FC Barcelona wird 120 – und droht seinen Zauber zu verlieren

Syl Battistuzzi

29.11.2019 - 17:37

Der FC Barcelona ist in Feierlaune.
Bild: Twitter

Mit dem FC Barcelona feiert einer der grössten Fussballklubs der Welt sein 120-jähriges Jubiläum. Die Philosophie des für so viele Menschen einzigartigen Vereins wurde in den letzten Jahren deutlich schwammiger. 

Vor 120 Jahren hatte der im Exil in Barcelona lebende Hans Gamper die glorreiche Idee, einen eigenen Fussballklub zu gründen. So suchte der Winterthurer über eine Zeitungsanzeige nach Interessierten. Am 29. November 1899 wurde unter seiner Ägide schliesslich der FC Barcelona gegründet. Gamper soll sich bei den Vereinsfarben Blau und Rot der Legende nach bei den Farben des FC Basel inspiriert haben.

Eine kleine Zeitungsannonce mit grosser Wirkung.
Bild: Reddit

Insbesondere unter der Franco-Diktatur entwickelte sich der Klub zu einem Symbol der kulturellen Identität Kataloniens. Diese Philosophie führt der FC Barcelona bis in die Gegenwart fort und will getreu seinem Vereinsmotto «mehr als ein Verein» (Més que un club) sein. Der sportliche Erfolg des als «gemeinnützig» organisierten Klubs ist gigantisch: So stehen 5 Champions-League-Trophäen, 26 Meisterschaften und 30 Pokalsiege im Vitrinenschrank. Viele der weltbesten Fussballspieler streiften sich stolz das Trikot über und sahen sich auch abseits des Platzes als Botschafter ihres so einzigartigen Arbeitgebers.

Der kulturelle Niedergang

Doch der hausgemachte Anstrich sozialen Gewissens bröckelte stark in den letzten Jahren. Am besten sichtbar ist diese Entwicklung auf den Leibchen der Blaugrana.

Samuel Eto'o konnte noch stolz sein auf seinen Trikotsponsor.
Bild: Getty

Traditionell verzichtete man auf Trikotsponsoring und damit auf Einnahmen in Millionenhöhe. Im Einklang mit der internen Haltung weichte man 2006 die strikte Politik auf, als man das UN-Kinderhilfswerk UNICEF gratis Werbung machen liess. Seit 2011 läuft jedoch auch der FC Barcelona mit hundskommunem Trikotsponsoring auf und wurde für seinen Tabubruch mit 30 Millionen Euro jährlich aus Katar fürstlich entlöhnt.

Auf der Brust der Spieler prangte der Schriftzug «Qatar Foundation», während «UNICEF» (noch) auf der Rückseite des Trikots blieb. Die Stiftung des Scheichs fusst zwar auf noblen Pfeilern, ist aber wegen seiner Alimentierung umstritten. Seit vier Jahren läuft Barça vorne mit «Rakuten» auf, einem japanischen Internethändler, und beendete endgültig das so bedeutsame Kapitel. So verlor auch der letzte Verein die Unschuld im vom geldgetriebenen Business namens Fussball.

Knete statt Jugend

Auch die von Johan Cruyff inspirierte und verfeinerte Spielidee des schönen Fussballs, die der Jugend in der eigenen Akademie «La Masia» eingeimpft wurde, schrieb sich der Klub gerne auf die Fahne. Als man 2009 in der Champions League triumphierte, standen acht selbst ausgebildete Spieler auf dem Platz.

Inzwischen bedient man sich lieber für viel Geld bei anderen Vereinen, anstatt die Stars selber zu züchten. So wurden in den letzten Jahren einige Spieler gekauft, ohne danach wirklich einen Verwendungszweck für sie zu haben (Malcom). Oder man verlor schnell die Geduld und das Vertrauen in einen Spieler (Coutinho). Auch dem neusten Stareinkauf Antoine Griezmann droht ein ähnliches Schicksal. Ein durchdachtes Konzept sieht anders aus.

Auch wenn die spielerische Ästethik im Nou Camp an guten Tagen immer noch sichtbar ist, droht Barça mit all den Vorkommnissen ein «gewöhnlicher» Klub zu werden. Es wäre schön, wenn die Klubverantwortlichen sich an diesem Freudentag an ihre Grundwerte zurückerinnern würden.

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