Überbelastung

«Das ist ein kompletter Killer» – Sorgenfalten bei Klopp und Co.

lbe

10.11.2020

Kritisiert die Spielansetzungen der Premier League erneut: Jürgen Klopp.
Bild: Keystone

Am Wochenende verliert Liverpool mit Trent Alexander-Arnold den nächsten Leistungsträger, worauf Trainer Jürgen Klopp seine Kritik an der Premier League erneuert. Prominente Trainerkollegen pflichten ihm bei.

Nach und nach hinterlässt der dicht gedrängte Terminkalender bei einigen Premier Ligisten Spuren. Insbesondere für die Mannschaften der grossen Klubs, die unter der Woche zusätzlich noch internationale Spiele zu bestreiten haben, sind die Belastungen enorm. Die möglichen Konsequenzen lassen sich am Beispiel des FC Liverpool beobachten.

Am Sonntag verlieren die «Reds» nach Virgil van Dijk den nächsten Leistungsträger in der Defensive. Trent Alexander-Arnold muss gegen Manchester City mit einer Muskelverletzung frühzeitig vom Platz und soll Trainer Jürgen Klopp rund vier Wochen fehlen. Für den Deutschen kommt das allerdings nicht komplett überraschend.

Denn normalerweise seien November und Dezember die Monate, in denen es Schlag auf Schlag gehe. «Dieses Jahr ist der Oktober wie ein Dezember, der November wie ein Dezember und der Dezember immer noch wie ein Dezember», erklärt Klopp.

«Jemand muss anfangen, den Kopf einzuschalten»

Zudem spricht er die aus seiner Sicht teils unverständlichen Spielansetzungen an – und pflichtet auch ManUtd-Coach Ole Gunnar Solskjaer bei. Der Norweger beschwerte sich am Samstag darüber, dass sein Team nach dem Champions-League-Spiel am Mittwoch in Istanbul bereits am Samstagmittag wieder in der Liga gegen Everton ranmusste. Darauf angesprochen appelliert der Deutsche zum wiederholten Male: «Die Premier League muss das ändern. Jemand muss anfangen, den Kopf einzuschalten.»

Klopp macht klar, dass sich die Spieler ohnehin an ihren Grenzen bewegen. «Kein Team, das am Mittwochabend gespielt hat, sollte den 12.30-Uhr-Anstoss am Samstag bekommen.» So müsse man mitten in der Regenerationsphase wieder Fussball spielen. «Das ist ein kompletter Killer, ja, ein Verbrechen», bemängelt der 53-Jährige gemäss dem «Kicker».

Das Problem: Die Premiere League gewährt den TV-Partnern vertraglich die Möglichkeit, Partien auf bevorzugte Anspielzeiten zu verlegen. Dass der Fokus dabei eher auf der Quote und nicht unbedingt auf dem Fitnessstand der einzelnen Spieler liegt, ist selbsterklärend.

Guardiola spricht von einem Desaster

«Sky, BT, ihr - alle müssen miteinander sprechen«, fordert Klopp in der «BBC» deshalb vehement von der Liga. «Ihr wollt guten Fussball? Dann gebt den Jungs ein paar Stunden mehr Pause. Wir verlangen nicht den nächsten Tag oder den Montagabend. Das ist unmöglich, weil dann schon das nächste Spiel wartet», ist sich der Erfolgstrainer bewusst.

Rückendeckung gibt es auch von Pep Guardiola. Angesprochen auf den Ausfall von Alexander-Arnold, kritisiert der Trainer von Manchester City: «Heute ist er betroffen, morgen ein anderer. Es ist zu viel. Wir schützen die Spieler nicht, es ist ein Desaster.» Da passt auch ins Bild, dass die Premier League seit Saisonbeginn als einzige europäische Topliga statt fünf nur noch drei Wechsel pro Spiel erlaubt.



Diesbezüglich sind die Meinungen der Teamverantwortlichen allerdings gespalten. So meint Dean Smith, Trainer von Aston Villa, erst am Sonntag: «Wir haben nicht den grössten Kader der Welt. Es war richtig, die Drei-Wechsel-Regel beizubehalten. Und jetzt sollten wir auch dabei bleiben.»

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