Der wahre Grund für den mysteriösen Tausch zwischen Arthur und Pjanic

Jan Arnet

30.6.2020 - 09:34

Miralem Pjanic und Arthur tauschen die Klubs.
Bilder: Getty

Arthur wechselt für 72 Millionen Euro von Barcelona zu Juve, im Gegenzug holen die Katalanen Miralem Pjanic für 60 Millionen aus Turin. Warum wurde nicht einfach ein Tauschdeal mit einer zusätzlichen Ablöse vereinbart? Nun, das hat einen nicht ganz unkomplizierten Grund.

Die Gerüchte machten schon seit einigen Tagen die Runde, am Montagabend vermelden Barça und Juventus dann fix, dass die beiden Mittelfeldspieler die Vereine nach der Saison tauschen werden – hohe Millionenbeträge werden dennoch gezahlt.

Für viele Fans der Katalanen ist das nicht nachvollziehbar, obschon Pjanic natürlich auch zur Crème de la Crème des Weltfussballs gehört. Aber warum lässt man den 23-jährigen, aufstrebenden brasilianischen Nationalspieler ziehen, um für fast die gleiche Summe einen 30-Jährigen zu holen? Und warum geben die Klubs die Transfers schon zwei Monate vor den effektiven Wechseln bekannt? Die Gründe dafür sind nicht (nur) sportlicher Natur. 



Normalerweise endet eine Fussballsaison am heutigen Tag, am 30. Juni. In Zeiten von Corona ist aber auch im Fussball nicht mehr viel normal. Einige Ligen wurden bereits zu Ende gespielt, andere haben noch einige Wochen auf dem Programm. Und nochmals andere haben die Saison abgebrochen. Für die UEFA bleibt eines aber gleich wie in allen anderen Jahren: Der europäische Fussballverband fordert von den Europacup-Teilnehmern eine Bilanz. 

Der Trick mit der Amortisation

Barcelonas Vizepräsident Jordi Cardoner hatte im Mai gegenüber ESPN verraten, dass die Katalanen während der Corona-Krise Einnahmeverluste von rund 140 Millionen Euro verzeichnet hatten. Um nicht gegen die Financial-Fairplay-Regeln zu verstossen, musste Barcelona noch vor dem 30. Juni rund 70 Millionen einnehmen. Durch den Verkauf von Arthur ist dieser offene Betrag auf einen Schlag abgedeckt. 

Doch hat Barça durch den Kauf von Pjanic nicht wieder ein Minus, das auszugleichen gilt? Nein. Oder zumindest noch nicht. Denn: Beim Kauf eines Spielers wird die gezahlte Ablösesumme über einige Jahre verteilt, Gewinne aus Spielerverkäufen hingegen werden sofort auf die Konten gebucht. Fussballer werden hier als Vermögenswerte angesehen, die Transfergebühren werden im Jahr des Kaufs nicht vollständig in die Bücher eingetragen, sondern gleichmässig auf die Vertragsdauer aufgeteilt – Stichwort Amortisation.

Satte Gewinne in der Buchhaltung

Barcelona hat Arthur vor zwei Jahren vom brasilianischen Klub Gremio für 30 Millionen Euro gekauft und ihn mit einem Sechsjahresvertrag ausgestattet. Die Transfersumme wird also über sechs Jahre amortisiert und entsprechend durch sechs geteilt – die jährliche Abschreibung des Transfers beträgt somit 5 Millionen. Heisst: Arthurs Bilanzwert verringert sich jedes Jahr um 5 Millionen, er beträgt also in den Büchern aktuell noch 20 Millionen. Durch den Verkauf (72 Millionen) machen die Katalanen aus buchhalterischer Sicht einen satten Gewinn von 52 Millionen. Dieser wird in den Büchern sofort einkalkuliert.

Es handelt sich also um einen Bilanz-Trick, von dem auch Juventus mit dem Pjanic-Verkauf Gebrauch macht. Auch beim Bosnier fand seit seinem Wechsel von der AS Roma im Jahr 2016 eine Amortisation der Ablösesumme statt, sodass die Alte Dame nun durch den Verkauf (60 Millionen) buchhalterisch Einnahmen von ebenfalls fast 50 Millionen verzeichnen kann.

Barcelona und Juventus haben in den letzten drei Jahren mehr Geld für neue Spieler ausgegeben als alle anderen Klubs. Die beiden Topvereine sind nun dazu gezwungen, Geld einzunehmen. Ansonsten drohen Geldstrafen und eine Transfersperre oder gar der Ausschluss von den europäischen Wettbewerben. So ist am Ende festzuhalten: Der mysteriöse Tausch zwischen Arthur und Pjanic ist vor allem mit den finanziellen Sorgen der beiden Klubs zu erklären.

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