Endlich wieder Tabellenführer: Jetzt bloss nicht überheblich werden

tbz

13.1.2021 - 13:20

Zurück auf dem Leaderthron: Zu diesem Zeitpunkt der Saison war Manchester United zum letzten Mal 2012 an der Tabellenspitze der Premier League.
Bild: Keystone

Manchester United gewinnt am Dienstagabend das Nachtragsspiel in Burnley mit 1:0 und ist endlich wieder Tabellenführer der Premier League. Vor dem Duell gegen Meister Liverpool muss Solskjaers Truppe aber auf dem Boden bleiben.

Ole Gunnar Solskjaer kann sich das breite Grinsen nicht verkneifen, als er nach dem Schlusspfiff im Turf Moor in Richtung Kabine schlendert. Der Norweger weiss, wie wichtig der 1:0-Sieg über Burnley für seine Mannschaft ist. Zum ersten Mal seit der Meistersaison 2012 unter Alex Ferguson grüsst Manchester United nach Neujahr von der Tabellenspitze der Premier League.

Die Zeiten, als in Manchester Solskjaers Kopf gefordert wurde, sind längst vergessen. Wie schnelllebig der Fussball doch sein kann: Das Champions-League-Aus gegen RB Leipzig ist erst 36 Tage alt. Bei den zum Bersten vollen Terminkalendern einer Corona-Saison aber reichlich Zeit, seine Kritiker umzustimmen. Wie das geht, zeigte United im vergangenen Monat eindrücklich. Das 0:0 bei Stadtrivale ManCity und das 2:2 gegen Überflieger Leicester waren die einzigen Rückschläge der «Red Devils» in dieser Zeit. Sechsmal ging United seit dem enttäuschenden 2:3 in der Red-Bull-Arena als Sieger vom Platz.

Vom Wackelkandidaten zum Matchwinner: Paul Pogba

Grossen Anteil an den jüngsten Erfolgen des Rekordmeisters hat auch Paul Pogba. Vor Kurzem noch ähnlich verschmäht wie Trainer Solskjaer, sorgte er in Burnley mit einem sehenswerten Volley für das entscheidende Tor des Abends. «Wir sind glücklich über den Sieg, aber jetzt müssen wir bis zum Ende der Saison fokussiert bleiben», so der 27-Jährige nach Erklimmen der Tabellenspitze.

Pogba zählt in der aktuellen Saison endlich wieder zu den Stammspielern bei United – und: Er liefert ab. Was als Eigenwerbung in der Hoffnung auf einen Transfer im Januar begann, wird immer mehr zum festen Bestandteil einer möglichen Meistermannschaft.

Bis zum Titel ist der Weg für den Rekordmeister aber noch weit. Passenderweise steht am kommenden Sonntag das Top-Spiel beim amtierenden Meister in Liverpool an. Mit einem Sieg setzen sich Shaqiri und Co. sogleich wieder zurück auf den Leaderthron.

Nach dem jüngsten Sieg ist das Vertrauen bei Pogba aber gross. «Wir wussten, dass wir mit einem Sieg als Tabellenführer gegen Liverpool antreten würden. Das wird ein wunderschönes Spiel», gibt sich der exzentrische Franzose selbstsicher. Unterstützung erhält er dabei von Mittelfeld-Partner Nemanja Matic: «Diese Art Sieg zeigt, dass wir bereit sind, um Titel zu spielen.»



Wenn das nur mal nicht in die Hose geht. Zu oft wurde Manchester United seit dem Abgang Alex Fergusons von der Konkurrenz für seine Überheblichkeit bestraft. So sehen denn auch die Statistiken für das Duell mit dem Erzrivalen nicht gerade gut aus. Trotz aktuellen Formhochs waren Uniteds Leistungen gegen die Top-Teams bislang alles andere als «wunderschön».

Von den bisherigen fünf Duellen gegen die klassische Top 6 in England konnten die «Red Devils» keines für sich entscheiden. Vor einer Woche gab es im Liga-Cup gegen Stadtrivale City eine 0:2-Pleite. Und die bittere 1:6-Abreibung zu Hause gegen Tottenham Hotspur dürfte den Fans auch im neuen Jahr noch auf den Knochen liegen.

Noch nicht vergessen: Totenham-Torschütze Son Heung-Min jubelt beim 6:1-Sieg der Spurs im Old Trafford im Oktober.
Bild: KEYSTONE

Solskjaers Warnung vor Top-Spiel in Liverpool

Ganz anders beim Meister. Mit Ausnahme des 1:1 bei ManCity fegte Jürgen Klopps Truppe in der Liga bisher alle grossen Namen vom Platz. Es sind die Abwehrbollwerke der kleineren Teams, an denen sich Liverpool heuer die Zähne ausbeisst. Das Direktduell konnte Manchester United in den letzten zehn Aufeinandertreffen nur einmal gewinnen (drei Niederlagen, sechs Unentschieden).

Ole Gunnar Solskjaer ist sich der Ambitionen seiner Mannschaft durchaus bewusst, warnt aber vor zu viel Optimismus. «Jetzt ist fast die Hälfte der Saison gespielt. Es ist ein Indikator, wo wir stehen, und das gefällt uns. Aber niemand wird sich an die Tabelle des 12. Januars erinnern», sagt der Norweger und ergänzt: «Wir haben es erst dreimal in die Top 4 geschafft, seit Alex Ferguson weg ist. Wir müssen aggressiv sein und jedes Spiel mit Demut und harter Arbeit in Angriff nehmen. Wir dürfen nicht eine Sekunde das Gefühl haben, dass es geschafft ist, auch wenn wir in der Nähe der Spitze sind.»

Wie auch immer das Duell am Sontag in Liverpool ausgeht (17:30 Uhr live auf «blue Sport»), Fan-Stimmen wie diese dürften fürs Erste verstummt sein:

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