Elf Fussballer und ihr Gang in die Vergessenheit

Wo spielt eigentlich ... ?

Die vergessene Elf der Schweizer Nati

8.1.2019 - 15:25, Jan Arnet

Na, erkennen Sie diesen Blondschopf?
Bild: Keystone

Sie waren einst junge Talente und galten als künftige Hoffnungsträger der Schweizer Nationalmannschaft. Heute spielen sie in kleinen Ligen, im Amateurfussball oder sind vereinslos. Elf aktive Schweizer Fussballprofis und ihr Gang in die Vergessenheit.


Nr.  1

Goalie

Johnny Leoni

Leoni wurde dreimal mit dem FC Zürich Schweizer Meister (2006, 2007, 2009) und holte 2005 den Cup. 2011 machte er unter Ottmar Hitzfeld sein erstes und einziges Länderspiel, zu jener Zeit gab es an Diego Benaglio kein Vorbeikommen. Leoni verliess den FCZ 2012 in Richtung Zypern, spielte danach auch noch in Aserbaidschan und Portugal, bevor er 2014 zu Le Mont in die Schweiz zurückkehrte. 2016 wagte sich der Goalie noch einmal ins Ausland, genauer gesagt nach Japan. Da spielte der 34-Jährige zuletzt beim Zweitligisten Tochigi SC, seit dem 1. Januar ist Leoni vereinslos.


Nr.  2

Verteidigung

Michel Morganella

Für Palermo und Novara absolvierte der Walliser Rechtsverteidiger mehr als 100 Serie-A-Spiele, für den FC Basel spielte er auch einmal in der Champions League. 2012 war Morganella drauf und dran, Nationalspieler zu werden, feierte am 31. Mai auch ein fünfminütiges Debüt gegen Rumänien. Dann der Eklat: Morganella stand im Sommer 2012 im Olympia-Kader der Schweizer Nati und sorgte mit einer bösen Beleidigung für grosse Aufregung. «Ich mache alle Südkoreaner fertig. Geht euch alle abfackeln, ihr seit eine Bande von geistig Behinderten», schrieb er auf Twitter und wurde daraufhin nach Hause geschickt. Für die Nati wurde er anschliessend nur noch einmal aufgeboten, sein 60-minütiger Einsatz gegen Griechenland im Februar 2013 war sein letzter für die Schweiz. Heute kickt der 29-Jährige in der Challenge League bei Rapperswil-Jona.


Nr.  3

Verteidigung

Jonathan Rossini

Gleich noch ein ehemaliger Serie-A-Spieler: Jonathan Rossini brachte es für Sampdoria und Sassuolo auf immerhin 31 Einsätze in Italiens höchster Liga. Der 29-jährige Tessiner, der 2010 sein einziges Nati-Spiel machte, kickt seit 2005 in Italien, kam seither aber schon für elf (!) Vereine zum Einsatz. Rossinis aktueller Klub heisst Albissola und spielt in der dritthöchsten Spielklasse.


Nr.  4

Verteidigung

François Affolter

Als 19-Jähriger gab das damalige YB-Talent sein Debüt in der Schweizer Nati. Man erhoffte sich viel vom jungen Verteidiger, doch Affolter kam nur noch vier weitere Male für die Schweiz zum Einsatz. Nach mehreren Jahren in der Super League und einem zwischenzeitlichen Leih-Jahr bei Werder Bremen kickt der 27-Jährige nun bei MLS-Klub San Jose Earthquakes in den USA. In der Schweizer Nati spielt Affolter keine Rolle mehr, seit sein direkter Gegenspieler im Februar 2012 drei Tore schoss. Kleiner Trost für Affolter: Der besagte Spieler heisst Lionel Messi. 

François Affolter in seinem (bislang) letzten Länderspiel im Zweikampf mit Lionel Messi.
Keystone
Nr.  5

Verteidigung

Beg Ferati

In fünf Jahren von der Bundesliga in den Regionalfussball – das ist der Abstieg von Beg Ferati. Das Traurige: Der 32-jährige Innenverteidiger kann nicht mal viel dafür. Ferati erkrankte 2014 (damals bei Sion) an Pfeifferschem Drüsenfieber, Monate zuvor stand er noch bei Bundesliga-Klub Freiburg unter Vertrag. Danach fand er nie mehr zur Bestform zurück, es reichte am Ende nicht einmal mehr für Sions zweite Mannschaft. Das Abenteuer Fussballprofi ist für den Abwehrmann, der 2011 für die Schweizer Nati debütierte und mit dem FC Basel dreimal Schweizer Meister wurde, wohl zu Ende. Sein Spielerpass befindet sich seit Sommer beim FC Pratteln (2. Liga regional).


Nr.  6

Verteidigung

Vincent Rüfli

Wer erinnert sich nicht ans frühere Super-League-Raubein Vincent Rüfli? Ein harter und unerbittlicher Rechtsverteidiger, immer für eine Blutgrätsche und Trashtalk gut. Landesweit Schlagzeilen machte Rüfli nicht nur mit seinem ersten und einzigen Nati-Aufgebot im November 2011, sondern auch ein paar Monate zuvor, als er sich nach einem Spiel mit Lausanne-Stürmer Matt Moussilou prügelte. Rüfli spielte für Servette und Sion, bevor es ihn nach Frankreich zog. Mit Dijon spielte er 22 Mal in der Ligue 1, seit Sommer kickt er in der französischen Hauptstadt – nicht bei PSG, sondern beim Zweitligaklub FC Paris.


Nr.  7

Mittelfeld

Davide Chiumiento

Den 29. Februar 2004 wird Davide Chiumiento wohl nie mehr vergessen. Es war der Tag, an dem das damals 19-jährige Talent bei Juventus Turin sein Debüt gab. Beim 3:0-Sieg gegen Ancona kam der Dribbelkünstler für einen gewissen Alessandro Del Piero ins Spiel und stand 30 Minuten auf dem Platz. Zehn Tage später durfte er sogar in der Champions League ran, seine Mitspieler hiessen Buffon, Thuram, Nedved. Der grosse Durchbruch?

Nein. Es sollten Chiumientos erste und letzte Spiele im Juve-Trikot bleiben. Der Offensivmann wurde nach Siena verliehen, dann nach Le Mans und zu YB. Luzern kaufte Chiumiento schliesslich im Jahr 2007 und es schien, als könnte er seine Karriere endlich richtig lancieren. Doch nur wenige Monate nach seinem Nati-Debüt im März 2010 entschied sich der Mittelfeldspieler, nach Kanada zu wechseln. Zwar kehrte Chiumiento zwei Jahre später wieder in die Schweiz zurück, holte mit dem FCZ auch zweimal den Cup, für die Schweiz machte er aber nie wieder ein Länderspiel. Seit 2017 ist der 34-Jährige vereinslos, im vergangenen Dezember sagte er zu «Goal»: «Ich habe die Stollen an den Nagel gehängt, ich will mich nicht mehr wegen unerfüllter Versprechen ärgern.»

Davide Chiumiento machte sein einziges Nati-Spiel am 3. März 2010 gegen Uruguay.
Bild: Getty
Nr.  8

Mittelfeld

Almen Abdi

Premier League, Serie A, Ligue 1, Super League mit drei Meistertiteln und einem Cupsieg – die Karriere des Almen Abdi kann sich sehen lassen. Sechsmal durfte der frühere FCZ-Profi auch für die Schweizer Nati auflaufen. Sein letzter Einsatz liegt aber auch schon fast zehn Jahre zurück. Abdi hat schon viel erlebt und ist mit 32 Jahren auch noch nicht im Rentenalter eines Fussballers. Doch bei seinem aktuellen Klub Sheffield Wednesday in Englands zweithöchster Liga läuft es nicht rund. Seit März 2018 hat Abdi kein Spiel mehr bestritten. Folgt nun die Rückkehr in die Schweiz?


Nr.  9

Mittelfeld

Alberto Regazzoni

Dreimal durfte der Wirbelwind für die Schweizer Nati auflaufen, zuletzt im März 2007. Und ja, der frühere Super-League-Profi (u.a. YB, St. Gallen und Sion) kickt auch mit 35 Jahren noch – beim AC Sementina in der 3. Liga im Tessin.


Nr.  10

Angriff

Albert Bunjaku

Im Juni 2016 erzielte Albert Bunjaku ein historisches Tor: Sein 1:0 gegen die Färöer Inseln war der erste Treffer überhaupt für seine Nation in einem offiziellen Länderspiel. Natürlich erzielte er das Tor nicht für die Schweiz, sondern für den Kosovo – sein Nationenwechsel war möglich, weil der Kosovo erst seit wenigen Jahren ein offizielles FIFA- und UEFA-Mitglied ist. Der Stürmer ging nämlich auch schon für die Nati auf Torejagd, zwischen 2009 und 2010 insgesamt sechsmal. Heute spielt der 35-Jährige für Viktoria Köln in der vierthöchsten Spielklasse Deutschlands.


Nr.  11

Angriff

Innocent Emeghara

Viel versprochen hat man sich in der Schweiz auch von Innocent Emeghara. Der pfeilschnelle Stürmer debütierte im Jahr 2011 mit 22 Jahren für die Nati, war bei GC da schon Stammspieler. Emeghara träumte aber vom Ausland und verliess die Hoppers nur wenige Wochen nach seiner Nati-Premiere. Mit seinen vielen Wechseln (spielte u.a. in Frankreich, Italien, den USA und Zypern) verschwand er aber immer mehr von der Bildfläche, sodass er für die Schweizer Nati schnell keine Rolle mehr spielte. Seit letztem Sommer geht der 29-Jährige in Aserbaidschan für Qarabağ Ağdam auf Torejagd, hat in dieser Saison in neun Ligaspielen immerhin fünf Tore erzielt. Das Kapitel Nati hat Emeghara laut eigener Aussage noch nicht abgeschlossen.

Innocent Emeghara spielte mit Qarabag in der Europa League gegen Arsenal.
Bild: Getty
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