Bundesliga Kovac, Konstanz, Müller, Defensive: Die Problemfelder des FC Bayern

dpa/bam

3.11.2019

Niko Kovac hat in Frankfurt für einmal auf Thomas Müller gesetzt.
Niko Kovac hat in Frankfurt für einmal auf Thomas Müller gesetzt.
Bild: Keystone

Anfang Oktober ein 7:2 bei Tottenham, Anfang November ein 1:5 bei Eintracht Frankfurt. Für den FC Bayern hat sich das Bild innerhalb eines Monats komplett gewandelt. Trainer Kovac winken die härtesten Tage seiner Amtszeit – sofern er überhaupt weitermachen darf.

Als Niko Kovac noch im Kreuzverhör zu seiner Zukunft und dem blamablen 1:5 bei Eintracht Frankfurt stand, hatten die Bayern-Bosse die Arena schon kommentarlos durch den Hintereingang verlassen. Uli Hoeness, Karl-Heinz Rummenigge und Hasan Salihamidzic zogen es vor, nach dem sportlichen Debakel zu schweigen. Entsprechend angezählt wirkt Trainer Kovac, der einen Monat nach der sportlichen Sternstunde beim 7:2 bei Tottenham mehr denn je um seine Zukunft bangen muss. 

Die sportlichen Sorgen des FC Bayern wirken wenige Tage vor dem Bundesliga-Gipfel gegen Borussia Dortmund grösser denn je seit dem Amtsantritt des Kroaten. Die erste Massnahme: Das öffentliche Training am Sonntag wurde gestrichen. «Wir bitten alle Fans um Verständnis», hiess es in einer Vereinsmitteilung.

Angezählter Trainer

Jürgen Klinsmann blieben nach einem 1:5 beim VfL Wolfsburg 2009 noch gut drei Wochen, bevor er rausflog. Ob Kovac in München überhaupt noch so lange Zeit bekommt, ist offen. Sowohl eine sofortige Trennung als auch ein Aus nach der bevorstehenden Englischen Woche mit Spielen gegen Piräus und den BVB erscheinen möglich. «Ich bin nicht blauäugig. Ich habe im letzten Jahr nicht aufgegeben und werde auch jetzt nicht aufgeben», sagte Kovac an seiner alten Wirkungsstätte.

Sein Interview mit dem «ZDF» verrät, wie stark Kovac um seinen Job bangen muss. Denn der Bayern-Coach antwortet sehr barsch auf die Fragen des Reporters. «Was wollen Sie von mir wissen? Ich muss nicht alles mit Ihnen teilen», antwortet Kovac auf die Frage, was die Spieler nicht umgesetzt hätten. Er wird auch zu seiner persönlichen Zukunft befragt. Kovacs schnippische Antwort: «Das werden Sie besser wissen. Wie soll ich das nach dem Spiel wissen.»

Auch im Vorjahr stand der Coach schwer in der Kritik, schaffte dann aber die Wende und wurde schlussendlich Double-Sieger. Ob sich diese Geschichte wiederholt, scheint fraglich, denn selbst nach den zwei nationalen Titeln verstummte die Kritik an ihm nie so richtig. Schon vor der Klatsche wurden Kovac fehlender spielerischer Glanz und mangelnde Souveränität in den vergangenen Spielen angelastet. Auch, dass er nach misslungenen Auftritten häufiger die Schuld bei den Profis suchte, kam alles andere als gut an.

Fehlende Konstanz

Zwischen einer 7:2-Gala bei einem Finalisten der Champions League und einem 1:5 in der Liga liegen bei den Bayern gerade einmal gute vier Wochen. Den Münchnern geht in dieser Saison ihre gewohnte Konstanz abhanden. Auf das Tottenham-Spiel folgten eine Niederlage gegen Hoffenheim, ein Remis in Augsburg sowie glanzlose Erfolge über Piräus, Union Berlin und den VfL Bochum. Nach dem Zitter-2:1 beim Zweitligisten gab Kapitän Manuel Neuer den Journalisten einen schnippischen Tipp: «Schreib Bayern drüber. Dann ein leeres Blatt, das beschreibt unsere Leistung.»

Müller-Debatten

«Müller spielt immer.» Dieser von Louis van Gaal geprägte Satz hat im zweiten Kovac-Jahr längst keine Gültigkeit mehr. Nach der Verpflichtung von Barcelona-Star Philippe Coutinho sass der 30 Jahre alte Ur-Bayer zuletzt häufig auf der Bank, für seine Aussage «Wenn Not am Mann sein sollte, wird er mit Sicherheit auch seine Minuten bekommen» musste sich Kovac entschuldigen. Doch auch Präsident Hoeness sagte angesichts des namhaften Neuzugangs: «Es war doch klar, dass wenn der (Coutinho) kommt, dass es für den Thomas schwieriger wird.»

Schwache Defensive

Die extrem von 14-Tore-Mann Robert Lewandowski abhängige Offensive zählt wieder einmal zur Bundesliga-Spitze. Das kann man über die Defensive derzeit überhaupt nicht sagen. Zuletzt trafen Paderborn, Hoffenheim und Augsburg doppelt gegen die Münchner. 16 Gegentore sind nicht nur der schlechteste Wert aller Topteams, sondern auch mehr Gegentreffer als Aufsteiger Union Berlin und nach zehn Saisonspielen so viele wie seit der Amtszeit von Klinsmann im Herbst 2008 nicht mehr.

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