Vor dem Marakana wartet ein Panzer auf die Young Boys – die UEFA nimmt's gelassen

SB10

27.8.2019 - 10:20

Ein Panzer vor einem Fussballstadion.
Bild: Facebook/Crvenazvezdafk

Die Young Boys erwartet vor dem Rückspiel der Champions-League-Playoffs bei Roter Stern Belgrad ein echter Panzer. Mit diesem Symbol soll das Heimteam Selbstvertrauen tanken.



Seit neuestem steht ein Panzer am Eingang der Nordseite des Stadions Rajko Mitić, der Heimstätte von Roter Stern Belgrad. Am Dienstagabend wird in der serbischen Hauptstadt im Playoff-Rückspiel gegen den Schweizer Meister Young Boys um die Millionen der Champions League gekämpft. 



Die «Delije», zu Deutsch Helden, wie die heissblütigen Supporter von Roter Stern Belgrad genannt werden, benutzen in ihren Choreographien oft einen Panzer als (Macht-)Symbol. Einige Stimmen meinen auch, der Panzer sei im Krieg gegen Kroatien erbeutet worden und soll deshalb eine Provokation sein. 

Auf Anfrage von Teleclub kommentiert der Fussballverband UEFA vor Ort die eigenwillige Aktion der Gastgeber wie folgt: «Der Panzer vor dem Stadion ist kein Problem, solange nicht damit geschossen wird.» Die Young Boys wollen sich deswegen auch nicht aus dem Konzept bringen lassen. Mediensprecher Albert Staudenmann sagt: «Wir können das nicht beeinflussen. Aber ich möchte festhalten, dass wir bisher eine problemlose Reise und einen reibungslosen Aufenthalt in Belgrad hatten.»

Sicher ist derweil: Die Sehnsucht beim Heimteam nach der Königsklasse ist gross: Der Meistercup-Sieger von 1991 musste viele Krisen überstehen, ehe man letztes Jahr nach über zwanzig Jahren erstmals wieder in der Champions League spielte. Dort sorgte man in der Hammergruppe mit Liverpool, PSG und Napoli für Furore und schied erst im letzten Gruppenspiel aus. Ein grosses Plus war, beziehungsweise ist, für Roter Stern der Heimvorteil: So unterlag hier in der letzten Saison auch etwa Champions-League-Sieger Liverpool (0:2).

YB muss durch «die Hölle von Belgrad»

Wahrscheinlich stellte sich auch bei sonst so abgebrühten Profis wie Mo Salah, Virgil van Dijk & Co. ein mulmiges Gefühl ein, als sie durch den Spielertunnel mussten.

Wie in einem «Amphitheater im Blutrausch» verglich die englische Tageszeitung «Independent» die Stimmung im Marakana-Stadion (so der Übername aufgrund der ähnlichen Architektur und Atmosphäre zum brasilianischen Kultstadtion). Andere Medien betitelten ein Auswärtsspiel bei Roter Stern schon als «Hölle von Belgrad».

Vor den heimischen Fans erwarte er ein anderes Spiel als noch in Bern, sagt Vladan Milojevic, der Trainer von Roter Stern. Der 49-Jährige, seine Spieler und der Staff der Serben kokettieren mit ihrem Anhang, obschon dieser seit Jahren zwischen grosser Unterstützung und militanter Gewaltbereitschaft schwankt. Eine «super Stimmung», aber auch «eine ganz andere Atmosphäre» nennt Belgrads Spielmacher Marko Marin gegenüber «Blick» das, was YB im Rückspiel offenbar erwartet.

In Bern war die Atmosphäre aufgeladen, aber doch grösstenteils positiv unterstützend. In Belgrad wird es heisser werden – und feindlicher: «Alle sind gegen uns», sagt Frederik Sörensen. Der neue Innenverteidiger der Young Boys war vor zwei Jahren mit dem 1. FC Köln in Belgrad in der Europa League zu Gast und unterlag 0:1. Angst vor dem neuerlichen Auftritt im Marakana hat der 27-Jährige aber nicht. Er und seine Teamkollegen müssten die Feindseligkeiten im Stadion einfach zu ihren Gunsten nutzen. «Dann wird es eine gute Erinnerung für uns.»

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