Kommentar

Nübel-Transfer löst Chaos aus: Absurde Goalie-Situation beim FC Bayern München

Von Patrick Lämmle

22.4.2020

Goalie-Theater bei Bayern München: Sven Ulreich, Alexander Nübel, Manuel Neuer und Christian Früchtl (v.l.n.r.).
Goalie-Theater bei Bayern München: Sven Ulreich, Alexander Nübel, Manuel Neuer und Christian Früchtl (v.l.n.r.).
Bild: Getty

Bayern München verpflichtet mit Alexander Nübel einen Goalie, der einst Manuel Neuer ersetzen soll. Das stösst dem Weltmeistergoalie sauer auf, denn er denkt noch lange nicht daran, kürzer zu treten. Und dann wären da ja auch noch Sven Ulreich und Christian Früchtl, die Ansprüche anmelden.

Manuel Neuer ist seit seinem Wechsel von Schalke zu Bayern im Sommer 2011 die unumstrittene Nummer eins in München. Der 34-Jährige zahlt das ihm entgegengebrachte Vertrauen seither mit Weltklasseleistungen zurück. 2017/18 verpasste er allerdings fast die komplette Saison verletzungsbedingt, wettbewerbsübergreifend stand er nur vier Mal zwischen den Pfosten. Und dann kam die WM. Neuer kämpfte sich rechtzeitig zurück und erhielt den Vorzug vor Marc-André ter Stegen, was ordentlich Wellen schlug. Es lag dann aber nicht an Neuer, dass Deutschland bereits in der Gruppenphase krachend scheiterte.



Wann immer Neuer bei den Bayern fehlte – auch 2018/19 verpasste er einige Spiele – stellte sich Sven Ulreich zwischen die Pfosten. Er machte seinen Job so gut, dass nie von einem Goalieproblem die Rede sein konnte. Dass Ulreich nach der Neuer-Rückkehr keinerlei Ansprüche stellte und sich stillschweigend wieder hinten anstellte, mag den einen oder anderen gar überrascht haben. Der inzwischen 31-Jährige muckte wirklich nie auf und setzte sich brav auf die Bank. Von einer solchen Nummer zwei kannst du eigentlich nur träumen.

Bayern machte die Rechnung ohne Ulreich und Früchtl

Doch der Nübel-Transfer bringt Ulreichs Status ins Wanken. Und genau das stösst dem geborenen Ersatzkeeper sauer auf. Sein Agent Jürgen Schwab sagte im «Kicker»: «Der FC Bayern ist eine Leistungsgesellschaft, in der sportlich entschieden wird. Schauen wir mal, wer am Ende hinter Manuel Neuer auf der Bank sitzt.» Hinter Neuer auf der Bank sitzen? Da muss der Kapitän erst mal noch seinen Vertrag verlängern, die Verhandlungen sind arg ins Stottern geraten. Der Kapitän vermisst die Wertschätzung seitens des FC Bayern und tut seinen Unmut öffentlich kund. Dass Internas nach aussen dringen konnten, das hat Neuer im Stolz verletzt.



Und als ob das alles nicht genug wäre, meldet sich nun auch noch einer zu Wort, dessen Name nur Fussballkennern ein Begriff sein dürfte: Christian Früchtl. Respektive verbreitet Früchtls Berater die angeblichen Worte seines Klienten. «Mir ist das vollkommen egal, ob ein Alexander Nübel kommt. Oder wer auch immer. Ich will mich beim FC Bayern München durchsetzen», soll Früchtl gesagt haben.

Der Berater des 20-Jährigen konnte sich auch einen Seitenhieb gegen den Noch-Schalker Nübel nicht verkneifen: «Aufgrund seiner Fähigkeiten hat es Christian nicht nötig zu flüchten. Ganz im Gegenteil. Wir machen aber sicherlich nicht den Fehler, den ein Nübel oder sein Berater machen, jetzt nach München zu gehen und sich dort auf die Bank zu setzen.» Der Plan sei, dass Früchtl in der kommenden Spielzeit auf Leihbasis höherklassig spielen werde, «um dann zu Bayern München zurückzugehen und zu sagen: ‹Ich habe die Spielpraxis, die andere nicht haben.›»

Ganz schön verrückt, was ein einziger Transfer auf der Goalieposition alles auslösen kann. Dabei sind sich doch alle einig: Neuer ist die Nummer eins!

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