Die grossen FCBs stehen dieser Tage für Selbstzerfleischung

Von Patrick Lämmle

19.4.2020

Barça-Star Lionel Messi trottet gesenkten Hauptes über den Platz.
Bild: Getty

FC Barcelona, FC Basel, FC Bayern München – die drei Vereine sorgen auch in der fussballfreien Zeit für jede Menge Schlagzeilen – vorwiegend negative.

Liest man all die Schlagzeilen rund um die Vereine Barcelona, Basel und Bayern, könnte man meinen, die Initialen F, C und B stünden für «falsch, chaotisch und birnenweich». Im folgenden werden die Probleme nur skizziert.

FC Barcelona

Dass Barça trotz einem bedrohlichen Schuldenberg öffentlich mit Neymar flirtet, das kann man ja noch mit der Redensart «Liebe macht blind» vom Tisch wischen. Für viel mehr Wirbel sorgt der Begriff «Barçagate», der seit Februar durch die Medien geistert. Offenbar hat Vereinspräsident Josep Maria Bartomeu einem Unternehmen gegen eine Million Euro bezahlt, um das Image seiner Person und des gesamten Vorstandes zu stärken.

In den sozialen Medien wurden in der Folge gezielt Bartomeu-Kritiker wie die Vereinslegenden Pep Guardiola, Xavi, Lionel Messi oder Gerard Piqué diffamiert. Ein Mitarbeiter des Klubs, der anonym bleiben wollte, sprach gegenüber «ESPN» jedenfalls schon vom «Game of Thrones» hinter den Kulissen. Sechs Vorstandsmitglieder sind inzwischen zurückgetreten. Nicht aber der Präsident, der vermeintliche Drahtzieher dieser hinterhältigen Aktion. Ob der Ball oder Bartomeus Kopf zuerst rollt, das fragen sich derzeit wohl viele Barça-Anhänger.

FC Basel

Beim FC Basel geht es nicht ganz so dramatisch zu und her wie beim grossen FC Barcelona. Für Schweizer Verhältnisse sorgte der Lohnstreit beim Tabellendritten der Super League in den letzten Tagen aber doch für einigen Wirbel.



Spieler und Klubführung liegen im Clinch. Ein Zustand, der allerdings schon länger anhält. Seit dem Ende der Ära Heusler und Heitz im Sommer 2017 gibt es immer wieder Probleme im FCB-Umfeld. Spontan erinnern wir uns da an den Machtkampf zwischen Ex-Sportchef Marco Streller und Coach Marcel Koller. Letzterer soll schon seinen Arbeitsplatz geräumt haben, doch am Ende lupfte es Streller. Mit dem Einstieg beim indischen Klub Chennai City und mit einer offensiven eSports-Strategie verärgerte man viele Fans.

Kurz: Bei den Baslern kämpfen sie in den letzten Jahren dauernd gegen hausgemachte Probleme an. Immerhin lief es bis zum Saisonunterbruch sportlich ganz ordentlich. In der Meisterschaft liegt man zwar nur auf Platz drei, doch der Traum vom Meistertitel lebt. Ausserdem steht der FCB im Cupviertelfinal und in der Europa League ist man nach dem sensationellen 3:0-Auswärtssieg in Frankfurt ebenfalls auf Viertelfinalkurs.

FC Bayern

«Birnenweich», eine niedliche Wortkreation des Schweizer Slalom-Spezialisten Ramon Zenhäusern, das passt derzeit vor allem zum deutschen Rekordmeister. Da sorgen die Stars mitten in der Coronakrise mit Auto-Geschichten für Ärger. Coman erscheint im «falschen» Wagen zum Training, Boateng verunfallt bei einem unerlaubten Ausflug.



Mächtig zu Reden gibt aber auch das ganze «Vertragsverlängerungstamtam» rund um Manuel Neuer. Der sieht sich nun sogar genötigt, öffentlich dazu Stellung zu nehmen. Denn es sind zu viele Halbwahrheiten an die Öffentlichkeit gelangt. Immerhin: Der FC Bayern München generiert auch positive Schlagzeilen. So konnten etwa die Verträge mit Hansi Flick oder Klub-Ikone Thomas Müller verlängert werden. Und sportlich läuft es in dieser Saison bislang ohnehin formidabel.

Es geht auch anders: FC Bolligen als Vorbild

Und doch bleibt die Frage: Was ist bloss mit den grossen FCBs los? Vielleicht sollten sie sich den 1983 im Sternen gegründeten FC Bolligen zum Vorbild nehmen. Dieser manövriert souverän durch die Coronakrise und generiert keinerlei Negativschlagzeilen. Wie wir aus dem Umfeld des Berner Vorstadtklubs erfahren haben, sind sämtliche Spieler bereit, auf hundert Prozent ihres Lohnes zu verzichten. Nur zu schade, existiert beim kleinen FCB keine Lohnliste. Die Jungs spielen tatsächlich nur zum Spass Fussball.

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