«Soccerdonna»

Nun sollen auch bei den Frauen die Marktwerte für Diskussionsstoff sorgen

SB10

16.1.2021

Für Pernille Harder (2.v.r.) blätterte Chelsea die Rekordsumme von 350'000 Euro an Wolfsburg hin.
Bild: Keystone

Wer sich im Fussball-Business für Ablösesummen und Marktwerte interessiert, kommt an «Transfermarkt» nicht vorbei. Nun kann man für den Frauen-Fussball solche Zahlen auch nachschauen.

Um die Jahrtausendwende gründete Fussball-Fan Matthias Seidel, der selbst beruflich eine Internetberatung betrieb, «Transfermarkt». Dort findet man eine umfassende Datenbank, welche detaillierte Daten für Spieler, Trainer und Wettbewerbe aufführt, vor. Inzwischen gehört sie zu den grössten Sportseiten Europas und wird nicht nur von Fans, sondern auch von Sportchefs aufgerufen, um sich eine Vorstellung über den Marktwert zu machen. Mit an Bord ist auch der Springer-Verlag, der sich mit einem Millionenbetrag eingekauft hat. Mehr als 800'000 Spielerprofile spuckt die Seite aus, die es mittlerweile in 14 Sprachen gibt.

Das Erfolgsgeheimnis des Portals liegt in seiner grossen Community, welche über die Markwerte in den zahlreichen Foren diskutiert. Am Ende entscheidet aber einer der Regional-Manager, wie viel der Markwert eines Spielers beträgt. Also kein Algorithmus, sondern menschliche Entscheidungsfindung.

Kein Wunder, wird vielerorts die fehlende Aussagekraft bemängelt. In der Realität weichen dann etwa die Ablösesummen des Öfteren von den realen Transferzahlungen ab. Nichtsdestotrotz gilt «Transfermarkt» – auch mangels Konkurrenz – als Referenz in breiten Fussball-Kreisen, auch wenn die Zahlen wie erwähnt mit Vorsicht zu geniessen sind.

Ablösezahlungen nehmen laut «Soccerdonna» zu

Nun will das ihr weibliches Pendant «Soccerdonna», welches auch seit gut zehn Jahren zum Unternehmen gehört, ihrem grossen Bruder inhaltlich annähern (auch wenn das Design noch an die Anfangszeiten des Internets erinnert). Seit neustem sind aber dort ebenfalls Markwerte zu finden. Kay-Ole Schönemann, Projektleiter von «Soccerdonna», erläutert den Grund für die Erweiterung: «Über die vergangenen Jahre ist eine Veränderung festzustellen. Es passiert häufiger, dass Spielerinnen von finanzstärkeren Vereinen aus ihren Verträgen herausgekauft werden und dann langfristig unterschreiben.»

Als Beispiel nennt Schönemann Pernille Harder. Die 28-jährige Dänin war diesen September für die Rekordsumme von 350'000 Euro von den Wolfsburg zu Chelsea gewechselt. «Was im Herrenfussball normal ist, scheint sich langsam im Frauenfussball zu etablieren. Die Höhe der gezahlten Ablösen liegt oft noch im niedrigen fünfstelligen Bereich. Jedoch gibt es eine immer stärkere Tendenz zu sechsstelligen Summen.»

Grosse Unterschiede auf (noch) bescheidenem Niveau

Eine gewagte Prognose, wenn man sich auf die Zahlen der aktuellen Transfers in der Bundesliga gemäss der Website abstützt. Von den zwölf Teams hat nur eines (Wolfsburg) Geld erhalten oder bezahlt. Die Marktwerte scheinen sich dafür einigermassen im Rahmen zu halten. Am wertvollsten ist die 19-jährige Deutsche Lena Oberdorf. Die Wolfsburg-Spielerin weist über mit einem Marktwert in Höhe von 250'000 Euro auf.



Von den zehn in der höchsten deutschen Liga tätigen Schweizerinnen ist die 21-jährige Géraldine Reuteler von Frankfurt mit 45'000 Euro an der Spitze. Noch mit 30'000 Euro wird Lara Dickenmann taxiert. Die 35-Jährige ist Schweizer Rekordnationalspielerin und Rekordtorschützin. Am anderen Ende der Skala findet sich Cinzia Zehnder von Bayern München wieder. Der Marktwert der 23-Jährigen, vorher beim FCZ aktiv, wird mit 10'000 Euro angegeben.

Auch bei den Fussballerinnen finden sich immer mehr Daten.
Bild: ScreenshotSoccerdonna

Neben der Bundesliga will das «Soccerdonna»-Team bald Marktwerte weiterer Ligen aufschalten. In Kürze soll die FA Women’s Super League aus England folgen. Danach sind Frankreich, Spanien, Schweden, Italien und die USA geplant. Und vielleicht eines Tages die Schweiz.

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