Der mysteriöse Spieleragent: «Piranha» bringt die Bayern-Bosse zur Verzweiflung 

SB10/dpa

16.9.2020 - 15:17

Keiner ist länger im Business mit dabei als Pini Zahavi.
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Keiner ist in der Spielervermittlerbranche vernetzter und einflussreicher als Pini Zahavi. Der Israeli steht zwar vielleicht weniger im Rampenlicht als andere, hinter den Kulissen läuft aber bei den grossen Transfers selten was ohne ihn. Auch die Bayern-Bosse können ein Lied davon singen. 

 «Ich wünsche mir, dass meine vertragliche Situation nicht in der Öffentlichkeit geklärt wird», kritisierte David Alaba am Dienstag in der «Bild». Zuvor hatten sich Klub-Patron Uli Hoeness mit Alabas Vater George und Berater Pini Zahavi gezofft.

Am Sonntag hatte Hoeness gegen Manager Zahavi gefeuert («geldgieriger Piranha»). Hoeness versuchte die Schuld an den stockenden Verhandlungen auf Zahavi zu schieben, der für eine Unterschrift Alabas für sich selbst ein Honorar «im zweistelligen Millionenbereich» anstrebe. Dem widersprach der Manager aus Israel. George Alaba, der den Sohn ebenfalls berät, schoss Tags darauf zurück. Er sprach von «schmutzigen Lügen über Gehalts- und Provisionsforderungen» und schimpfte über «dreckige Anschuldigungen».



Der Defensiv-Allrounder spielt in München seit er 16 Jahre alt ist. Der derzeitige Kontrakt des 28-Jährigen läuft 2021 aus. Eine gute Ausgangslage, die wie geschaffen ist für Zahavi. Dessen ungewöhnlicher Werdegang macht einen Teil seines Mythos aus. 

Pinhas «Pini» Zahavi, kam 1943 als Sohn eines Ladenbesitzers in einer kleinen Stadt südlich von Tel Aviv auf die Welt. Danach war er als Sportjournalist bei verschiedenen israelischen Zeitungen tätig. Bei der WM 1974 knüpfte er viele Kontakte, vor allem nach England.

Per Zufall traf Zahavi eines Tages am Flughafen einen hohen Liverpool-Funktionär, bald darauf transferierte er seinen ersten Spieler namens Avi Cohen von Maccabi Tel Aviv zu den Reds. «Der Cohen-Wechsel hat mir gezeigt, wie viel Geld im Fussball steckt», so Zahavi.

Früchte als Signature Move

Bald hatte er ein grosses Kontaktnetzwerk auf der Insel und war gut befreundet mit damaligen Star-Trainern wie Alex Ferguson oder Kenny Dalglish. Doch mit israelischen Spielern alleine war noch nicht der ganz grosse Reibach zu machen für den ehrgeizigen Geschäftsmann. 

Dann lernte Zahavi bei einer Trainingseinheit von West Ham einen jungen Verteidiger namens Rio Ferdinand kennen. Der talentierte Engländer spekulierte gemäss «Spox», ein ausländischer Ansprechpartner würde ihm zu grösserem sportlichen Erfolg sowie zu höherem finanziellen Wohlstand verhelfen als ein Einheimischer.

Zahavi transferierte ihn für eine stattliche Summe zuerst zu Leeds, dann zu Manchester United. Ferdinand war nun der teuerste Abwehrspieler der Welt. Eines seiner frühen (süssen) Erfolgsgeheimnisse sind Orangen – die verteilte und verschickte er an Klubs und Fussballbosse, mit denen er zusammenarbeitete. 

Rio Ferdinand und Alex Ferguson haben von Zahavi profitiert.
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Später machte er als Vermittler mit argentinischen Kickern wie Juan Sebastian Veron, Carlos Tevez oder Javier Mascherano gutes Geld. Sogar bei einem Deal mit einem gewissem Gonzalo Higuain – den der Israeli aus steuerlichen Gründen etwa auf dem Papier zu Locarno transferierte, bevor er bei Real landete – mischelte er laut «watson» mit. Natürlich spielte Higuain keine Sekunde für den Tessiner Klub.

Als dann zur Jahrtausendwende mit Roman Abramowitsch & Co. steinreiche Investoren in die Premier League einstiegen, war Zahavi natürlich an vorderster Front mit dabei. Bei den Blues sahnte er danach bei vielen grossen Transfers ab. Beim Transfer von Ronaldinho zu Barça soll er ebenfalls seine Finger im Spiel gehabt haben.

Beim Zahltag vorne dabei, ansonsten im Hintergrund

Auch heute noch wird der gewiefte 77-Jährige gerufen, wenn Stars einen neuen Klub suchen oder einfach ihren Zahltag aufbessern wollen. Zahavi boxt meistens die Forderungen seiner Klienten durch, die harte Verhandlungstaktik verärgert aber häufig die Klubs, was zwangsläufig Berufsrisiko ist. Im Gegensatz zu den Agenten Jorge Mendes und Mino Raiola hält sich Zahavi lieber als Strippenzieher im Hintergrund, wahrscheinlich ist er aber der grosse Dealmaker des Weltfussballs.

Kein Wunder, ging auch der Rekordtransfer über seinen Tisch – 2017 wechselte Neymar für 222 Millionen Euro von Barça zu PSG, Zahavi soll eine stattliche zweistellige Millionensumme als Provision eingestrichen haben.

Auch Alabas Teamkollege Robert Lewandowski engagierte ihn 2018, um die Bayern unter Druck zu setzen. Der Pole blieb zwar den Münchnern treu, gratis dürfte dies aber nicht geschehen sein. «Es geht wirklich nur um Geld und sonst gar nichts», hielt Hoeness fest. Der erfahrene Spielervermittler Zahavi dürfte die Anschuldigungen mit einem Schulterzucken zur Kenntnis nehmen. 

Für ihn sind die harten Verhandlungen nichts Neues. Klar ist: Die Verhandlungen des deutschen Rekordmeisters um eine Verlängerung von Alabas Kontrakt werden durch solche Aktionen nicht einfacher. Einen Korb voller Orangen bekommt er so jedenfalls sicher nicht.

David Alaba und Robert Lewandowski vertrauen beide auf die Skills von Zahavi.
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