Wahl abgesagt Polen schäumen vor Wut: «Der grösste Schwachsinn des 21. Jahrhunderts»

SB10, pat

22.7.2020

Robert Lewandowski (Mitte) galt als Topfavorit für den Gewinn des Ballon d'Or.
Robert Lewandowski (Mitte) galt als Topfavorit für den Gewinn des Ballon d'Or.
Bild: Getty

Der Ballon d'Or, die prestigeträchtigste Wahl im Weltfussball, wird für das Jahr 2020 nicht ausgetragen. In Polen macht sich Frust breit, denn mit Robert Lewandowski hätte man ein heisses Eisen im Feuer gehabt.

Die Bedingungen für eine Wahl seien nicht mehr gegeben. Man könne ein so beispielloses Jahr nicht wie ein normales Jahr behandeln, so Pascal Ferré, Chefredaktor der renommierten Fachzeitung «France Football», die den Ballon d'Or vergibt.



Seit 2008 hiess der Weltfussballer mit einer Ausnahme immer Cristiano Ronaldo (5-mal) oder Lionel Messi (6-mal). 2018 ging der Titel an Luca Modric, der mit Real Madrid die Champions League gewann und mit Kroatien an der WM sensationell in den Final vorstiess. In diesem Jahr galt der Pole Robert Lewandowski (Bayern München) für viele Experten, Trainer und Spieler als aussichtsreichster Kandidat auf den Gewinn des Goldenen Balls.

In Polen schlägt die Absage der Weltfussballer-Wahl deshalb hohe Wellen. Maciej Kaliszuk von der grössten Sportzeitung «Przeglad Sportowy» schreibt: «Es ist eine Riesenenttäuschung. Jeder hat erwartet, dass Lewandowski gewinnt. Er hatte ein so überragendes Jahr mit so vielen Toren, während Messi und Ronaldo nicht so überragt haben wie sonst.»

Im Falle von Ronaldo stimmt das so nicht ganz. Der Portugiese ist mit Juve auf Titelkurs, hat bereits wieder einen Rekord geknackt, ist auf gutem Weg, Torschützenkönig der Serie A zu werden, und in der Champions League ist Juve noch immer vertreten.



Dennoch meint Kaliszuk: «Wir glauben einfach, er (Lewandowski; Anm. d. Red.) hätte es verdient. Und wir verstehen die Gründe für die Absage nicht – ausser Frankreich haben doch alle gespielt. Und Neymar und Mbappé von PSG haben immer noch die Chance, die Champions League zu gewinnen. Es ist einfach nicht fair. Und vielleicht war es dieses Jahr die letzte Chance für Lewandowski. Ich glaube aber, dass er jetzt noch motivierter sein wird, mit Bayern die Champions League zu gewinnen und es allen zu zeigen!»

Der ehemalige polnische Torhüter Jan Tomaszweski geht noch einen Schritt weiter: «Für mich ist die Entscheidung der grösste Schwachsinn des 21. Jahrhunderts. Wir streichen ja auch nicht die Oscars oder den Nobelpreis. Es ist einfach unglaublich!»

Wer wäre für Sie der Weltfussballer 2020 gewesen?

Die Wahl ist abgesagt, doch uns interessiert die Meinung unserer Leser ohnehin mehr. Deshalb, geschätzte «Bluewin»-Leser, mögen Sie doch bitte an der inoffiziellen Weltfussballer-Wahl teilnehmen.


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