FIFA will positives Fan-Feedback für WM alle zwei Jahre erhalten haben

sda

16.9.2021 - 14:48

Gemäss einer Umfrage der FIFA (im Bild Präsident Gianni Infantino) stehen viele Fans einer Fussball-WM alle zwei Jahre grundsätzlich positiv gegenüber
Bild: Getty

Im Zuge der Idee einer WM-Endrunde alle zwei Jahre hat die FIFA durch zwei unabhängige Unternehmen Umfragen dazu auf der ganzen Welt durchführen lassen. Dicke Überraschung: Die Fans sollen positiv darauf reagieren.

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16.9.2021 - 14:48

Die Reaktionen auf eine schnellere Abfolge der Turniere seien grundsätzlich positiv, heisst es von Seiten der FIFA. Demnach hätte sich in einer ersten Online-Umfrage im Juli, an welcher 23'000 Menschen aus 23 Ländern und aus allen Erdteilen teilgenommen haben, eine Mehrheit dafür ausgesprochen, dass die WM der Männer häufiger als alle vier Jahre durchgeführt werde. Eine Mehrheit ist für den von der FIFA letzte Woche angeregten Zwei-Jahres-Rhythmus.

Die FIFA gab allerdings an, dass es «zwischen den so genannten traditionellen und den aufstrebenden Fussballmärkten beträchtliche Unterschiede» gebe. Auch gingen die Meinungen zwischen den Generationen auseinander; die jüngeren Fans stünden einer schnelleren Abfolge der WM-Turniere offener gegenüber als die ältere Generation, so die FIFA.

Umfrage
WM alle zwei Jahre – was hältst du davon?

Derzeit lässt die FIFA weltweit eine weitere Umfrage mit mehr als 100'000 Teilnehmern in mehr als 100 Ländern durchführen.

Die WM im Zweijahresrhythmus – kann das gutgehen?

FIFA-Direktor Arsène Wenger und etliche Ex-Stars preisen die Idee und betonen die Vorteile. Die Mehrheit äussert dagegen deutliche Kritik – es wächst die Sorge vor dem Fussball-Überdruss.



So reagieren Trainer und Klub-Verantwortliche mit Kritik und Galgenhumor. «Willst du gelten, mach dich selten», sagte Bayern-Chefcoach Julian Nagelsmann. Er verwies auf die ohnehin schon extreme Belastung der Nationalspieler und sprach zudem von «einer Abwertung der WM», wenn sie häufiger als alle vier Jahre stattfinden würde.

Wenger hatte sich kürzlich alle Mühe gegeben, das Belastungsargument zu entkräften. Nach der Vorstellung der Technischen Beratungsgruppe sollen für den zwei- statt vierjährigen WM-Rhythmus mindestens drei der bislang fünf Länderspielperioden im Jahr abgeschafft werden. Nach den Turnieren – in ungeraden Jahren würde unter anderem die EM gespielt – sollen zudem feste Ruhephasen von 25 Tagen eingepreist werden.

Liverpool-Trainer Jürgen Klopp reicht das nicht. «An einem Punkt muss jemand verstehen, dass wir ohne die Spieler, der wichtigsten Zutat dieses wunderbaren Spiels, nicht spielen können», meinte der frühere Bundesliga-Coach. «Wer auch immer denkt, er sei wichtiger als die Spieler – niemand ist wichtiger als die Spieler.» Für die Profis der Top-Nationen bedeute die Reform «jedes Jahr ein grosses Turnier». Am Ende gehe es «nur um Geld», sagte der 54-Jährige. Mit den Spielern werde einfach gehandelt. Gladbachs Trainer Adi Hütter zweifelt an der Umsetzbarkeit: «Das ist fast nicht mehr machbar. Es geht auch um die Belastung der Spieler, die oft mit Verletzungen von den Länderspielen zurückkommen.»

FIFA-Council entscheidet

Beschliessen kann die Änderung des Spielkalenders nach jetzigem Stand das FIFA-Council, jenes 37-köpfige und von FIFA-Präsident Gianni Infantino angeführte Ratsgremium. Vertreten sind auch neun Mitglieder der massiv opponierenden Europäischen Fussball-Union UEFA. UEFA-Präsident Aleksander Ceferin hat in einem «Times»-Interview schon mit Boykott gedroht.

UEFA president Aleksander Ceferin, center, informs to the media during a press conference, at the European headquarters of the United Nations in Geneva, Switzerland, Tuesday, February 13, 2018. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)
UEFA-Präsident Aleksander Ceferin Ceferin droht sogar mit einem Boykott der WM bei einer Änderung des Rhythmus.
Bild: Keystone

Auch die südamerikanische Konföderation CONMEBOL lehnt die Reformpläne ab. «Eine WM alle zwei Jahre könnte den wichtigsten Wettbewerb auf der Welt verderben, seine Qualität senken und den exklusiven Charakter und den aktuellen Standard untergraben», teilte CONMEBOL nach Beratungen mit. «Eine WM alle zwei Jahre würde eine Überlastung bedeuten, die praktisch unmöglich mit dem internationalen Wettbewerbskalender zusammenpasst.»

Der aktuelle Terminkalender im internationalen Fussball gilt noch bis 2024, in Deutschland wird in jenem Jahr die EM gespielt. Nach der WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko mit erstmals 48 statt 32 Teilnehmern sollen dem Plan zufolge bereits 2027 die nächsten Kontinentalturniere folgen, ehe 2028 wieder eine WM ansteht. Der Gastgeber wird vom FIFA-Kongress bestimmt, der auch die Durchführung der Machbarkeitsstudie für die Männer- und Frauen-Turniere durchgewinkt hatte.

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