Africa-Cup in Ägypten:
Ein politisiertes Turnier droht

sda

20.6.2019

Mo Salah soll das Heimteam zum Sieg führen.
Bild: Keystone

Erstmals findet der Afrika-Cup im Sommer statt. 24 Teams spielen ab dem nächsten Freitag in Ägypten um den Titel. Es droht im Land des autoritär regierenden Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi ein politisiertes Turnier.

Eigentlich hätte der Afrika-Cup 2019 in Kamerun stattfinden sollen. Doch vor rund einem halben Jahr wurde den Westafrikanern wegen Verzögerungen bei den Stadion- und anderen Infrastrukturbauten die Austragung entzogen. Ägypten bekam den Zuschlag, womit der Afrika-Cup erstmals seit 13 Jahre wieder in Nordafrika stattfindet. Südafrika mit seinen vor zehn Jahren gebauten WM-Arenen hatte das Nachsehen.

Die Infrastruktur in Ägypten ist aus Sicht des afrikanischen Kontinentalverbandes in Ordnung. Dafür droht nun die Gefahr eines politisierten Turniers. Kritiker befürchten, dass das Regime um den autokratischen Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi den Afrika-Cup missbraucht, um sich dank dem Fussball ein paar positive internationale Schlagzeilen zu sichern. Themen wie Folter an politischen Gefangenen oder die Verletzung von Presse- und Meinungsfreiheit, die grassierende Armut oder unrechtmässige Verhaftungen könnten in den Hintergrund treten, wenn al-Sisi an der Seite von Superstar und Champions-League-Sieger Mohamed Salah in die Kamera lächelt.

Der Afrika-Cup in Ägypten wird auch aus sportlicher Warte kritisch beäugt. Das Teilnehmerfeld wurde von 16 auf 24 vergrössert. Das ermöglichte Fussball-Entwicklungsländern wie Madagaskar, Mauretanien oder Burundi die erstmalige Teilnahme an einem grossen Turnier – und das in den letzten Jahren ohnehin schon tiefe Niveau droht damit noch mehr zu verwässern. Wo der afrikanische Fussball im internationalen Vergleich derzeit steht, zeigte sich an der WM im letzten Sommer. Erstmals seit 1982 überstand keines der fünf Teams die Vorrunde. Drei von ihnen waren schon nach zwei Spielen ausgeschieden.

Afrika-Cup in Ägypten (21. Juni bis 19. Juli)
Gruppe A: Ägypten, DR Kongo, Uganda, Simbabwe
Gruppe B: Nigeria, Guinea, Madagaskar, Burundi
Gruppe C: Senegal, Algerien, Kenia, Tansania
Gruppe D: Marokko, Elfenbeinküste, Südafrika, Namibia
Gruppe E: Tunesien, Mali, Mauretanien, Angola
Gruppe F: Kamerun, Ghana, Benin, Guinea-Bissau.

Fünf Spieler aus der Schweizer Liga

Topfavorit ist Gastgeber Ägypten, der mit Salah den besten und populärsten Fussballer des Kontinents in seinen Reihen hat. Der Stürmer des FC Liverpool hat sein Heimatland vor rund zwei Jahren erstmals seit 28 Jahren wieder an eine WM geführt, nun soll er den ersten Titel beim Afrika-Cup seit 2010 ins Land holen.

Zu den Mitfavoriten gehört neben Senegal mit Salahs Liverpooler Sturmpartner Sadio Mané und Nigeria mit dem früheren YB-Trainer Gernot Rohr an der Seitenlinie auch die Elfenbeinküste mit den Super-League-Professionals Roger Assalé (Young Boys) und Geoffroy Serey Die (Neuchâtel Xamax(FC Basel). Hinzu kommen drei Spieler aus der Challenge League: Torhüter Anthony Mossi (Chiasso) von der Demokratischen Republik Kongo, Sally Sarr (Servette) von Debütant Mauretanien und Jodel Dossou (Vaduz) von Benin.

Roger Assalé (l.) und  Geoffroy Serey Die vertreten die Schweizer Fraktion.
Bild: Keystone

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