«Nicht von der Hand zu weisen» – Adi Hütters Abgang als Auslöser für Frankfurts Krise?

lbe

16.5.2021

Droht mit Frankfurt die Champions League doch noch zu verpassen: Adi Hütter.
Droht mit Frankfurt die Champions League doch noch zu verpassen: Adi Hütter.
Bild: Keystone

Seit seinem verkündeten Abschied zum Saisonende bringt Adi Hütters Eintracht Frankfurt kein Bein mehr vor das andere. Nach der Pleite bei Absteiger Schalke setzt es für den Ex-YB-Coach heftige Kritik ab – auch aus den eigenen Reihen.

lbe

16.5.2021

Die erfolgreichste Saison von Eintracht Frankfurt seit mehr als 20 Jahren droht mit einer bitteren Enttäuschung zu enden. Noch Anfang April befinden sich die «Adler» dank einer fulminanten Saison auf Champions-League-Kurs – mit souveränen sieben Punkten Vorsprung auf das fünftplatzierte Dortmund. Doch das Blatt hat sich inzwischen dramatisch gewendet.

Und zwar seit Hütter am 13. April bekannt gibt, auf nächste Saison hin zu Ligakonkurrent Borussia Mönchengladbach zu wechseln – obwohl der Österreicher nur Wochen zuvor vom Verbleib in Frankfurt spricht. Seither ergattert die Eintracht aus sechs Spielen nur noch vier Punkte, die Formkrise gipfelt am Samstag mit der 3:4-Pleite bei Absteiger Schalke 04.



«Der Stachel sitzt tief»

Einen Spieltag vor Schluss liegen die Hessen plötzlich einen Punkt hinter Konkurrent Dortmund – und die Champions-League-Plätze in weiter Ferne. Kommt hinzu, dass der BVB am Sonntag in Mainz noch die Gelegenheit hat, vorentscheidend wegzuziehen. Die Ernüchterung in Frankfurt ist riesieg. «Die Enttäuschung ist natürlich gross, der Stachel sitzt tief. Da brauchen wir nicht zu diskutieren», sagt Hütter nach dem Schlusspfiff.

Glaubt man Mittelfeldspieler Sebastian Rode, hat das jüngste Tief aber auch mit dem Abgang des Trainers zu tun. «Wir haben versucht, uns einzureden, dass es nichts ändert. Aber es ist nicht von der Hand zu weisen. Jetzt haben wir es mit der dritten Niederlage schwarz auf weiss», wählt der 31-Jährige nach dem Schlusspfiff am Samstag gegenüber «Sky» deutliche Worte.

Und weiter: «Wenn eine Mannschaft, die schon abgestiegen ist, den Sieg mehr will als eine, die in die Champions League will, ist das sehr ernüchternd. Wir haben als Mannschaft komplett versagt.»

Rückendeckung von Bobic

Als Hütter kurz später auf Rodes Aussagen angesprochen wird, zeigt er Verständnis: «Das ist passend zu den Emotionen. Dass wir das alle zusammen vergeigt haben, ist keine Frage. Das sieht man einfach, dass die Enttäuschung bei uns allen sehr, sehr gross ist – das darf auch sein.»

Das gilt auch für die grosse Anhängerschaft, die ihrem Frust in den sozialen Netzwerken freien Lauf lässt. Dabei kriegt auch Hütter sein Fett weg, der seit der Verkündung seines Wechsels enorm an Popularität verloren hat. «Hütter wenigstens für das letzte unerhebliche Spiel freizustellen, wäre auch ein Zeiches des Respekts des SGE-Vorstands an die Fans der Eintracht», wünscht sich ein User beispielsweise die vorzeitige Entlassung. 

Rückendeckung erhält Hütter dagegen von Sportchef Fredi Bobic, der den Verein im Sommer ebenfalls verlässt. «Ich habe nie einen Bruch zwischen Trainer und Mannschaft gesehen», sagt der 49-Jährige und macht klar: «Ich weiss, dass das Negative und Oberflächliche gesucht wird. Meine Person geht weiter, der Trainer geht woanders hin. Das wird in Zusammenhang gebracht. Das ist aus meiner Sicht sehr billig.»