Sepp Blatter, kommen Sie zurück: Die Fussballwelt vermisst Sie

#Von Syl Battistuzzi

8.4.2020

Sepp Blatter darf nicht mehr mitspielen.
Bild: Getty

Manchmal weiss man erst, was man hatte, wenn man es verloren hat. So geht es uns in der Sportredaktion mit dem ehemaligen FIFA-Präsidenten Sepp Blatter, dessen Nachfolger Gianni Infantino nur ein schwacher Abklatsch ist.

Selten hat man einen so gut gelaunten Rentner gesehen wie den Ehrenpräsidenten des Grasshopper Club Zürich. Der ehemalige Oberst, der sich vor seiner Pensionierung am liebsten in Limousinen herumkutschieren liess, fährt Velo. In seiner eigenen Villa. Und rät in freundlichem, aber bestimmten Ton, brav zu Hause zu bleiben. Wer würde sich da schon getrauen, dem Wunsch-Befehl von Sepp Blatter nicht nachzukommen? 

Entsprechend piekfein hat sich der Sonnenkönig für den neusten Viral-Hit herausgeputzt, sogar ein Gilet liegt über dem gebügelten weissen Hemd. So stellt sich gleich bei jedem Betrachter ein wohlig-wärmendes Gefühl ein. Ein solch adrettes Erscheinen ist eine Wohltat in Zeiten, wo jeder Halb-Profi sich im Balenciaga-Shirt und in CR7-Unterhosen abbilden lässt. 

Diese Klasse hat auch zeitlebens die Damenwelt begeistert. Kein Wunder, schliesslich hat er sich immer für Anliegen der Frauen stark gemacht. So wollte er die Sportkleidung der Fussballspielerinnen «femininer» gestalten, um Geldgeber aus der Kosmetik- und Modeindustrie anzulocken. Ein Visonär, dessen Ideen leider öfters von der tumben Bevölkerung nicht verstanden wurden. Unzählige Eroberungen hat der Walliser Womanizer auf dem Gewissen. Aber ein richtiger Gentleman schweigt lieber und tritt beim Hometrainer weiter kräftig in die Pedale.

Wo bleibt der Dank?

Prahlen kann er dafür damit, dass er «den Füessball» gross gemacht hat. Vierzig Jahre (!) hat der Visper für die FIFA gearbeitet und dabei den Weltfussballverband zu einem Too-Big-to-Fail-Unternehmen gemacht. Zwar ist Blatter nur knapp 1,70 Meter gross, gefehlt und «gefailt» hat er trotzdem nie im Berufsalltag. Zuerst als Generalsekretär, dann ab 1998 als Präsident. Obwohl er das gemäss Eigenaussage gar nie wollte, aber «Sepp National» hat sich geopfert – für uns Fussballfans. 

Irgendwann war seine Zeit trotzdem abgelaufen. Sepp Blatter selbst hat es leider nicht kommen sehen, obwohl er stolzer Besitzer von achtzig Luxusuhren ist. Plötzlich kamen alle Kritiker wie Ratten aus allen Löchern gekrochen und schwafelten von Kompetenzüberschreitungen und gekauften Weltmeisterschaften. Die Ethikkommission meuchelte dann seinen eigenen Schöpfer gnadenlos und sperrte ihn für sechs Jahre. Dieses neidische Gesindel sollte man am liebsten in einen katarischen Teppich wickeln und den Zürichberg hinunterrollen.

Denn wie sehr Blatter die Fussballwelt «bereicherte», sieht man an seinem trockenen und spröden Nachfolger Gianni Infantino. Der 50-Jährige mag zwar massgeschneiderte Anzüge tragen und aalglatt auf der Bühne seinen Sermon in Marketing-Sprache runterbrabbeln, aber Charisma geht dem eiskalten Technokraten ab. Ganz im Gegensatz zu Blatter, der uns auch noch mit 84 Jahren verzaubert. Wie ein Opa halt, der einem verstohlen eine Zwanzigernote in die Hand drückt und augenzwinkernd zuflüstert, man dürfe sich damit Schokolade kaufen gehen. Bei Infantino hingegen gibt es nur trockene Kekse. Die nächsten Jahre werden trostlos.

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