So kam es zum Bruch zwischen Boateng, Salihamidzic und Kovac

12.6.2019 - 10:49, lbe

Niko Kovac (ganz rechts) verhinderte im letzten Sommer den Wechsel von Boateng (links) zu PSG.
Bilder: Keystone

Im vergangenen Sommer will Jérôme Boateng den FC Bayern «unbedingt» verlassen, der Wechsel zu Paris Saint-Germain platzt aber in letzter Sekunde. Nun erklärt Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge, weshalb der Transfer scheiterte.

«Mit dem Kopf war ich schon weg», sagt Jérôme Boateng kürzlich in einem Interview mit dem «Kicker» über den im vergangenen Sommer geplatzten Wechsel zu PSG. Dieser galt als reine Formsache. «Wenn du eine so sichere Zusage bekommst und eine adäquate Summe bezahlt wird, es aber plötzlich 'Nein' heisst, bricht etwas in dir zusammen.» Obwohl er den FC Bayern damals «unbedingt» verlassen will, lässt man den Innenverteidiger nicht ziehen.

Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge klärt nun auf, wieso der Transfer in letzter Sekunde scheiterte. «Am 28. August 2018 gab es ein Angebot von PSG, das wir akzeptieren wollten. Der Trainer hat aber sein Veto eingelegt.» Der Trainer heisst Niko Kovac und dieser wollte demnach unbedingt drei Innenverteidiger und deshalb neben Niklas Süle und Mats Hummels auch Boateng in München behalten. «Das hat Jérôme nicht gefallen, das habe ich damals gespürt. Aber wir hatten Verständnis für Nikos Sicht.», sagt Rummenigge gegenüber der «Sport-Bild».

Rummenigges Verständnis für Boateng

Verständnis habe er aber auch für Boateng, der mit seiner Lage insbesondere in der abgelaufenen Saison unzufrieden ist. «Wir hatten Jérôme, beziehungsweise seinem Berater Christian Nerlinger, vor der WM 2018 einen Betrag genannt, für den wir bereit sind, ihn abzugeben, wenn er das wünscht. Dann kam die unsägliche WM dazwischen, die den Preis leider nach unten bewegt hat.»

Zum endgültigen Bruch kommt es dann nach dem Champions-League-Gruppenspiel bei AEK Athen. Boateng sitzt einmal mehr nur auf der Bank und zeigt beim Aufwärmen seine Lustlosigkeit demonstrativ. Eingewechselt wird er nicht. Nach dem Schlusspfiff zitiert ihn Kovac in die Trainerkabine und kritisiert ihn für dessen Einstellung, auch Sportchef Hasan Salihamidzic ist anwesend. Diesem soll Boateng dann gesagt haben: «Du hast mir gar nichts zu sagen, du wolltest mich im Sommer loswerden.»

Boateng schnürt die Schuhe zu langsam

Danach ist und bleibt das Verhältnis des Trio belastet. Beim Auswärtsspiel in Berlin zieht Boateng seine Schuhe zu langsam an – jedenfalls in Kovacs Augen. Die geplante Einwechslung fällt deshalb ins Wasser. Spätestens seit Uli Hoeness dem 30-Jährigen bei der Pokalfeier einen Wechsel ans Herz legt, ist eine weitere Zusammenarbeit kaum vorstellbar.

Ab einer Ablöse von 15 Millionen Euro wird man in München über einen Verkauf nachdenken. Rummenigge hat jedenfalls nicht die Absicht, Boateng in diesem Sommer wieder Steine in den Weg zu legen. «Ich glaube, wir müssen eine für beide Seiten seriöse und faire Lösung finden. Das halte ich grundsätzlich für möglich.»

Noch wichtiger für Boateng und seinen Wechselwunsch: Mit Weltmeister Benjamin Pavard wurde ein dritter valabler Innenverteidiger bereits verpflichtet – ein erneuter Einspruch von Trainer Niko Kovac ist deshalb nicht zu erwarten.

Zurück zur StartseiteZurück zum Sport

Weitere Artikel