Wie der deutsche Fussball jetzt durch den Dreck gezogen wird, ist albern

15.3.2019 - 11:53, Patrick Lämmle

Hängende Köpfe bei den Nationalspielern in Diensten von Bayern München: Niklas Süle und Manuel Neuer nach dem Ausscheiden im Champions-League-Achtelfinale gegen Liverpool.
Bild: Keystone

Nur ein Team aus Deutschland ist international noch vertreten, Eintracht Frankfurt hat das Viertelfinale der Europa League erreicht. Im Land der Weltmeister von 2014 herrscht Totengräber-Stimmung.

Im letzten Sommer scheidet Deutschland an der WM bereits in der Gruppenphase aus, ein Land wird in Schockstarre versetzt. Und nun hat es auch die Bundesligisten erwischt. Dortmund, Schalke und die Bayern scheitern in den Champions-League-Achtelfinals, Hoffenheim bereits in der Gruppenphase. Und in der Europa League hat nur Frankfurt geliefert, die Mannschaft von Adi Hütter hat ungeschlagen die Viertelfinals erreicht. «Bild» nennt Gründe, weshalb der deutsche Fussball in der Krise steckt: Keine Top-Spieler, keine Talente, falsche Taktik, keine Titelgier beim DFB…

Top oder Flop? Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen

Doch diese Vorwürfe sind teils haltlos, man denke bloss an den Sommer 2017. Die U21 wird Europameister, Deutschland gewinnt mit einer jungen Mannschaft den Confed Cup, die WM-Generalprobe. «Der deutsche Fussball feiert in diesen Tagen Erfolg nach Erfolg», war damals im «Spiegel» zu lesen. Und Jogi Löw sagte nach dem 1:0-Finalsieg über Chile: «Arturo Vidal hat gestern gesagt, Chile wolle die beste Mannschaft der Welt werden. Aber die beste Mannschaft der Welt ist Deutschland.» Zu diesem Zeitpunkt war Deutschland amtierender Weltmeister. Und im Jahr 2016 holte die DFB-Elf an den Olympischen Spielen Silber.

Seither setzte es zweifelsohne viele Enttäuschungen ab. WM-Aus in der Gruppenphase, Abstieg in der Nations League und auch auf Vereinsebene haben die Bundesligisten insgesamt enttäuscht. Doch die Deutschen haben in den letzten anderthalb Jahren das Fussballspielen nicht verlernt. Talente gibt es immer noch zur Genüge, der Vorwurf des mangelnden Erfolgshungers lässt sich nur schwer nachvollziehen bei all den Erfolgen, die die Deutschen in den letzten Jahren gefeiert haben.

Nur die Spanier wurden noch nie für tot erklärt

Totengräber-Stimmung zu verbreiten, ist deshalb albern. Auch um den Klub-Fussball steht es besser, als es nun den Anschein macht. Bayern München begegnet den Top-Teams immer noch auf Augenhöhe, auch wenn der Auftritt gegen Liverpool dürftig war. Dortmund hat in der Gruppenphase Atlético Madrid im Hinspiel zuhause an die Wand gespielt, 4:0 gewonnen und die Gruppe im ersten Rang abgeschlossen.

Und vergessen wir nicht, auch der italienische und englische Fussball wurden in den vergangenen Jahren schon für tot erklärt. Ja, auch die Engländer, die jetzt in der Champions League die Hälfte der Viertelfinalisten stellen und in der Europa League ebenfalls noch zwei Teams haben. Doch der letzte Titelgewinn eines Premier-League-Vertreters liegt Jahre zurück – 2011/12 schlug Chelsea Bayern München im Penaltyschiessen.

Sieben der letzten zehn Titel in der Königsklasse gingen nach Spanien. Ja, einzig die Spanier haben in den letzten Jahren immer geliefert. Seit der Einführung der Europa League holten sie auch sechs der neun Titel in diesem Wettbewerb. Die Nationalmannschaft dagegen, bekleckerte sich seit 2014 auch nicht mit Ruhm. Und Frankreich, das Land der amtierenden Weltmeister, stellt in den Viertelfinals der Champions-, respektive Europa League kein einziges Team.

Was wir sagen wollen: Deutschland braucht sich aktuell noch keine Sorgen zu machen. Im Fussball ist vieles eine Momentaufnahme und nicht immer muss man deswegen alles in Frage stellen. Schon im kommenden Jahr kann sich alles um 180 Grad drehen.

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