Didier Drogba tritt ab: Mehr als nur ein Fussballer

9.11.2018 - 11:28, jar

Didier Drogba schoss für die Elfenbeinküste in 105 Spielen 65 Tore.
Bild: Getty

Didier Drogba sagt dem Profifussball «Au revoir». Der Ivorer gilt nicht nur als einer der besten Stürmer seiner Generation, sondern auch als einflussreichster Fussballer Afrikas. Eine Hommage.

Er ist eine Chelsea-Legende, er ist Rekordtorschütze der Elfenbeinküste und einer der respektiertesten Fussballer seit der Jahrtausendwende. Doch Ruhm und Geld bedeuteten Didier Drogba nie die Welt. Er will seit jeher Frieden und Gerechtigkeit und setzt sich seit Beginn seiner Karriere aktiv dafür ein.



Oktober 2005, die Elfenbeinküste befindet sich mitten im Bürgerkrieg, als sich die Nationalmannschaft erstmals für eine WM qualifiziert. Nach dem 3:1 im Sudan ist die Freude in Drogbas Heimatland trotz all der Gewalt und all der Toten riesig. Der damalige Starstürmer von Chelsea nutzt die Euphorie, um sich noch in der Kabine mit einer emotionalen Rede an seine Landsleute zu richten und die verfeindeten Volksgruppen zur Versöhnung aufzurufen.

«Ivorerinnen und Ivorer. Ob aus dem Norden, dem Süden, dem Zentrum oder dem Westen. Wir haben heute bewiesen, dass alle Bewohner der Elfenbeinküste zusammenleben und dass wir gemeinsam für ein Ziel spielen können, die WM-Qualifikation», sagt Drogba, umringt von seinem Teamkollegen und geht auf die Knie. «Vergibt! Vergibt! Ich flehe euch auf meinen Knien an: Lasst nicht zu, dass unser Land durch einen Krieg verwüstet wird. Ich bitte euch: Legt die Waffen nieder. Organisiert Wahlen und alles wird besser werden.»

Nach Drogbas Rede kommt es im westafrikanischen Land vorübergehend zum Waffenstillstand, zwei Jahre später ist der Krieg vorbei. Im Januar 2007 wird er von der UNO zum Goodwill-Botschafter ernannt. Drei Jahre später wird Drogba vom Time-Magazin in die renommierte Liste der 100 einflussreichsten Menschen der Welt aufgenommen.

Drogbas Einfluss ist vor allem in Afrika gross. Weil er jahrelang zu den weltbesten Fussballern gehört und es geschafft hat, eine Grösse in Europa zu werden. Ob bei Marseille, Chelsea oder Galatasaray – überall ist er der Star. Mit den Londondern feiert Drogba seine grössten Erfolge: Viermal gewinnt er mit Chelsea die Premier League, 2012 zudem die Champions League. Zweimal wird er Afrikas Fussballer des Jahres.

Schlagzeilen schreibt der heute 40-Jährige aber immer wieder auch neben dem Fussballplatz, weil er sich vor allem in finanzieller Hinsicht sozial engagiert. 2009 spendet er seine gesamten Einnahmen eines Werbedeals mit Pepsi für den Bau eines Krankenhauses – drei Millionen Euro. Nach einem Grubenunglück im türkischen Soma spendet Drogba den Hinterbliebenen der Opfer eine Million Dollar.

Obwohl er sein Heimatland bereits als 5-Jähriger Richtung Frankreich verliess, hat Drogba nie vergessen, wo er herkommt. Die Elfenbeinküste führt er zweimal in den Afrika-Cup-Final, der grosse Coup mit seiner Nationalmannschaft bleibt ihm aber verwehrt. Beide Male scheitert er im Elfmeterschiessen. Auch sein letztes Spiel als Profifussballer ist ein Finalspiel. Mit dem US-amerikanischen Zweitligisten Phoenix Rising verliert er in der Nacht auf Freitag den Playoff-Final gegen Louisville.

Diese Niederlagen werden in der Karriere und im Leben des Didier Drogba aber immer Randnotizen bleiben. Zu gut und wichtig war sein jahrelanger Einsatz – auf und neben dem Platz. Au revoir, Didier!

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