Transfer-Märchen Wie Frenkie de Jong seinen ersten Klub von Schulden befreit

Von Jan Arnet

25.6.2019

Frenkie de Jong ist ab dem 1. Juli offiziell ein Barcelona-Profi. Rechts ist er als Junior bei Willem II abgebildet. 
Frenkie de Jong ist ab dem 1. Juli offiziell ein Barcelona-Profi. Rechts ist er als Junior bei Willem II abgebildet. 
Bild: Twitter / Instagram

Ajax Amsterdam zahlte für Frenkie de Jong vor vier Jahren nur einen einzigen Euro – und verkauft ihn nun für 75 Millionen nach Barcelona. Doch Ajax ist nicht der einzige Klub, der vom Hammer-Transfer profitiert.

Was war das für eine Saison für Frenkie de Jong. Im September debütierte der 22-Jährige für Hollands Nationalmannschaft, mit Ajax sorgte er in der Champions League für Furore und scheiterte erst im Halbfinal. Nun folgt sein 75-Millionen-Wechsel nach Barcelona. Unglaublich, aber wahr: Vor vier Jahren bezahlte Ajax De Jongs Ausbildungsverein Willem II gerade einmal 1 – ausgeschrieben einen – Euro. 

Wie ist es möglich, dass ein Verein eines der begnadensten Talente der Welt einfach so verscherbelt? Der Klub, der De Jong bereits als Siebenjähriger auszubilden begann, setzte auf Quantität statt Qualität, verzichtete auf eine Ausbildungsentschädigung und verpflichtete stattdessen vier Ajax-Jugendspieler per Leihe – darunter auch Ex-GC-Profi Lucas Andersen. Addiert kommen die vier Spieler heute gemäss «Transfermarkt» auf einen Wert von knapp 3,5 Millionen Euro. Der Marktwert von Frenkie de Jong alleine beläuft sich auf 85 Millionen.

Dass Willem II mit dem De-Jong-Geschenk einen schlechten Deal gemacht hat, liegt auf der Hand. Immerhin sicherte sich der Klub aus Tilburg eine Weiterverkaufsbeteiligung in Höhe von zehn Prozent und wird von Barcelona noch mit einer Ausbildungsentschädiging vergütet. Ergibt in der Summe am Ende doch noch rund zehn Millionen Euro «Schmerzensgeld».

Waalwijk wird von Schulden befreit

Offenbar hat Willem II aber nicht bedacht, dass eigentlich 40 Prozent der fälligen Ausbildungsentschädigung an den RKC Waalwijk hätten gehen müssen, der De Jong nach dessen siebten Geburtstag ins nur 20 Kilometer entfernte Tilburg ziehen liess. Laut einem Bericht des «Brabants Dagblad», einer Regionalzeitung in Waalwijk, klagte der RKC im Dezember 2017 gegen Willem II und gewann. De Jongs erster Klub erhielt nicht nur eine Entschädigung in Höhe von 50'000 Euro, sondern auch eine Beteiligung bei De Jongs nächstem Transfer. 

Laut Bericht hätte sich Waalwijk bei einer Ablösesumme von 20 Millionen Euro auf eine Million Euro freuen können. Bekanntlich wird De Jong für 75 Millionen wechseln, was dem Verein fast vier Millionen einbringen dürfte. Der Klub, der letzte Saison den Aufstieg in die Eredivisie geschafft hat und zuletzt finanziell schwierige Zeiten durchlebte, würde dem Vernehmen nach dank des De-Jong-Transfers von allen Schulden befreit werden – und könnte sogar direkt in die eigene Verbesserung investieren.

Zurück zur StartseiteZurück zum Sport