Weshalb Ballbesitz im Fussball so unglaublich wichtig ist

tbz

17.1.2019

Pep Guardiola gibt den Ball nicht gerne her. Seine Mannschaften erzielen häufig Ballbesitz-Quoten um die 70%.
Bild: Getty

Forscher des CIES-Fussball-Observatorium in Neuenburg haben untersucht wie wichtig Ballbesitz im modernen Fussball wirklich ist. Dafür wurden Daten von über 19’000 Spielen analysiert.

Beim Stand von 0:0 in der 85. Minute stellt sich dem Zuschauer häufig die Frage: «Wie wichtig ist Ballbesitz tatsächlich?» Darauf gibt es nun endlich eine Antwort. Die Forscher des Fussball-Observatorium des Internationalen Zentrums für Sportstudien (CIES) in Neunburg haben sich mit der «Guardiola-Frage» befasst und geben Auskunft.

Ab 57% wird’s gefährlich

Das CIES hat über 19’000 Partien aus 35 Ligen Europas analysiert und dabei das Verhältnis zwischen Ballbesitz und Tordifferenz unter die Lupe genommen. Das Ergebnis ist ganz einfach: Je mehr Ballbesitz, desto mehr Punkte – Ballbesitz ist also extrem wichtig!

Ab 57% Ballbesitz nimmt die Punkteausbeute deutlich zu. Sobald der Prozentsatz über 75% steigt, ist der Sieg fast schon beschlossene Sache, im Durchschnitt hat die Mannschaft mit mehr Ballbesitz dann auch ein Tor mehr geschossen.

Für die Mannschaften mit wenig Ballbesitz ist oft Gegenteiliges der Fall. Rutscht ein Team unter die 40%-Marke, wird es heikel. Bei weniger als 30% Ballbesitz ist die Niederlage fast nicht mehr abzuwenden.

Wichtig: Das sind Durchschnittswerte von über 19’000 Partien, im Einzelfall kann eine Mannschaft mit sehr wenig Ballbesitz natürlich gut und gerne einmal gewinnen.

Je höher das Niveau, desto wichtiger der Ballbesitz

Die Untersuchung zeigt, dass Ballbesitz erst dann wirklich entscheidend ist, wenn beide Mannschaften auf hohem Level Fussball spielen. Neben den Top-Ligen wurden in einigen Ländern auch die zweithöchsten Spielklassen analysiert.

Der Unterschied ist gewaltig: Von den 35 berücksichtigten Ligen spielt der Ballbesitz in den zweiten Ligen Spaniens, Deutschlands, Frankreichs und Italiens mit Abstand die kleinste Rolle. In den zweiten Ligen Italiens, Deutschlands und Spaniens ist Ballbesitz sogar ein Nachteil! Das Team mit mehr als 60% Ballbesitz ist dort nämlich durchschnittlich schlechter.

Passgenauigkeit ist wichtiger als Ballbesitz

Die Zahlen zeigen, dass ein Team mit viel Ballbesitz nur dann erfolgreich ist, wenn auch die Passgenauigkeit stimmt. Damit sind übrigens nicht die einfachen Pässe in der eigenen Hälfte gemeint, sondern die gefährlichen im Angriffsdrittel.

Bringt eine Mannschaft im Angriffsdrittel über 90% der Pässe an den Mann, hat der Gegner schlicht keine Chance. Die durchschnittliche Tordifferenz beträgt dann mehr als +2.

Fazit

Ballbesitz ist einer der wichtigsten Faktoren im Fussball. Allerdings muss auch die Passgenauigkeit und das Liga-Niveau stimmen. Für eine Mannschaft in einer tieferen Liga dürfte es also durchaus effektivere Taktiken geben. Zudem: Ein einzelnes Spiel wird nicht unbedingt durch den Faktor Ballbesitz entschieden. Über eine gesamte Saison hinweg ist das Ziel aber klar: Ball halten.

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