Yakin warnt

Die Uhr tickt – Shaqiri bleiben noch 13 Tage

Von Tobias Benz

18.1.2022

Soll in Zukunft keine Rarität werden: Xherdan Shaqiri im Dress der Schweizer Nationalmannschaft.
Bild: Keystone

Xherdan Shaqiris Wechsel nach Frankreich ist gescheitert. Zu schlecht ist die Situation bei Olympique Lyon, als dass der Schweizer im WM-Jahr den Luxus der Geduld ausleben darf. Ein Kommentar.

Von Tobias Benz

18.1.2022

Passt wie die Faust aufs Auge, dachte man noch vergangenen Sommer, als Xherdan Shaqiri zum ersten Mal im Lyon-Trikot posierte. Mittlerweile erinnert die Saga eher an Novak Djokovic und die australischen Zollbehörden. Denn auch die Winterpause hat die Situation des Schweizers beim Tabellenelften in Frankreich nicht im Geringsten verbessert.

Zu Beginn der Rückrunde musste Shaqiri beim Topduell gegen Paris Saint-Germain während 90 Minuten das Sitzkissen wärmen. Und auch gegen Abstiegskandidat Troyes stand der 30-Jährige nicht in der Startformation. Immerhin schickte ihn Peter Bosz in der zweiten Halbzeit noch für 24 Minuten auf den Platz – der erste Teileinsatz seit den 66 Minuten gegen Bordeaux Anfang Dezember.

Schlicht der falsche Verein?

Viel anstellen konnte Shaqiri in der kurzen Zeit nicht. Und er wäre wohl am besten beraten, es im Lyon-Dress auch gar nicht mehr zu versuchen. Das hört sich erst einmal skurril an, wurde er doch erst im letzten Herbst als «wichtige Investition für die kommenden Jahre» ins «Stade de Lumières» geholt.

Was sich der berüchtigte Präsident Jean-Michel Aulas beim Sechs-Millionen-Deal genau gedacht hat, ist aber seither unklar. Trainer Peter Bosz liess ihn zwar zu Beginn der Saison regelmässig auf dem rechten Flügel auflaufen, stellte dieses Experiment aber nach sechs erfolglosen Spielen ein. Anstatt den Spielmacher auf seiner richtigen Position – als Zehner hinter den Spitzen – einzusetzen, steht der Nati-Star seither auf dem Abstellgleis.

Seit Anfang November kam Shaqiri in der Liga auf läppische 90 Einsatzminuten. Jene 24 gegen Troyes und jene 66 in Bordeaux. Und das war’s. Aus Sicht der Franzosen macht es auch schlicht nicht viel Sinn, dem Ex-Basler die nötige Zeit und den Rhythmus zu garantieren.

Zu gross ist beim Ausbildungsverein aus Südfrankreich der Stellenwert junger Talente. Wer wie Lyon in fünf Jahren 465 Millionen Euro durch Transfererlöse einnehmen will, muss den Nachwuchsspielern eine Plattform bieten. Ein 30-jähriger Schweizer passt da nicht ins Bild. Schon gar nicht, wenn er auf der gleichen Position wie Publikumsliebling Houssem Aouar spielt und ohne regelmässige Spielpraxis nicht abliefert.

Yakins warnende Worte

Noch hat Shaqiri 13 Tage Zeit, sich im Wintertransferfenster einen neuen Verein zu suchen. Ansonsten droht er auch in Murat Yakins Plänen eine Nebenrolle einzunehmen. «Das ist alles nicht so glücklich», sagte der Schweizer Nationaltrainer zuletzt. Bezüglich eines möglichen Transfers seines Schützlings meinte er lediglich: «Das liegt nicht an mir, dies zu beurteilen. Die Frage ist, ob er sich noch wohlfühlt. Aber das muss er mit dem Klub besprechen.» 

In Anbetracht der Loyalität, die Shaqiri seinem Ex-Klub Liverpool während Jahren des Bankdrückens kommentarlos gebührte, ist es gut vorstellbar, dass der «Zauberwürfel» auch Lyon die Treue hält.

Und sollte er seine Zelte am Zusammenfluss von Rhône und Saône tatsächlich stehen lassen, könnte es das mit der WM 2022 gewesen sein. Denn Yakin machte bereits mehrfach deutlich, dass nur diejenigen einen Platz im Nati-Kader erhalten, die auch regelmässig in ihren Klubfarben auf dem Platz stehen.

«Ich werde mit Shaq das Gespräch suchen, es ist wichtig, dass er spielt.» Die Warnung Yakins ist eindeutig, bleibt nur zu hoffen, dass bei Shaqiri zeitnahe die Glocken klingeln. Denn eine Nati ohne ihn ist schlichtweg eine schwächere Nati.

Xherdan Shaqiri passt bei Lyon nicht richtig ins Bild.
Bild: Keystone