Die Wahrheit hinter Pedris 1-Milliarde-Klausel

Von Jan Arnet und Florian Künzi

14.10.2021

Miloš Malenovic über milliardenschwere Ausstiegsklauseln: «Das gehört zum Mustervertrag der La Liga»

Miloš Malenovic über milliardenschwere Ausstiegsklauseln: «Das gehört zum Mustervertrag der La Liga»

Florian Künzi und Spielerberater Miloš Malenović diskutieren über milliardenschwere Ausstiegsklauseln in der La Liga.

14.10.2021

Mittelfeld-Juwel Pedri verlängert bei Barça bis 2026. In seinem neuen Vertrag ist eine Ausstiegsklausel in Höhe von einer Milliarde Euro verankert. Was hat es damit auf sich?

Von Jan Arnet und Florian Künzi

14.10.2021

Für unglaubliche 222 Millionen Euro wechselte Neymar im Sommer 2017 von Barcelona zu Paris St. Germain. Nicht weil sich die beiden Vereine einig waren über diese Ablösesumme, sondern weil der Brasilianer eine Ausstiegsklausel im Vertrag hatte – in Höhe von eben 222 Millionen Euro. Höchst fraglich, ob Barça seinen Superstar sonst für ein Angebot in dieser Höhe verkauft hätte.

Um sich künftig gegen solche unerwünschten Deal abzusichern, begann Barça danach, utopische Ausstiegsklauseln in die Verträge der Stars zu pflanzen. In diversen Zeitungen ist auch von einer «Anti-Scheich-Klausel» die Rede, welche selbst die schwerreichen Klubbesitzer von PSG, Manchester City und neu auch Newcastle United abschrecken sollen. 

So besitzen etwa Marc-André ter Stegen, Sergio Busquets oder auch Gerard Pique Verträge mit einer astronomischen Ausstiegsklausel in Höhe von je 500 Millionen Euro. Bei Lionel Messi lag diese Klausel sogar bei 700 Mio. Letztlich verliess der sechsfache Weltfussballer die Katalanen dann doch ablösefrei, nachdem sein Arbeitspapier im vergangenen Sommer ausgelaufen war.

Pedri verlängert bis 2026 – die Ausstiegsklausel liegt bei 1 Milliarde Euro

Am Donnerstagnachmittag gibt der FC Barcelona bekannt, dass Pedri seinen 2022 auslaufenden Vertrag vorzeitig bis 2026 verlängern wird. Und: Auch der 18-jährige Mittelfeldspieler wird eine Ausstiegsklausel im Kontrakt haben – in Höhe von einer Milliarde Euro. Eine so hohe Klausel hatte zuvor noch kein Spieler bei Barça.

Die Katalanen sind aber nicht die einzigen, die auf hohe Klauseln setzen. Auch Erzrivale Real Madrid verankert in den Verträgen seiner Stars immer wieder utopische Ausstiegsklauseln. Die höchste, jene von Karim Benzema, liegt ebenfalls bei einer Milliarde Euro.

Spielerberater Malenovic: «Man kann solche Klauseln auch vor Gericht anfechten»

«In Spanien hat jeder Spieler eine Ausstiegsklausel im Vertrag, das ist von der LaLiga und vom Verband so vorgegeben», sagt Spielerberater Milos Malenovic, zu dessen Klienten unter anderem auch Steven Zuber und Mario Gavranovic gehören, im Gespräch mit blue Sport. Und weiter: «Die Summe von einer Milliarde soll einerseits interessierte Vereine abschrecken und ist andererseits auch ein Zeichen von Respekt für den Spieler.»

Vor dem Arbeitsgericht in Spanien würde eine Ausstiegsklausel in dieser Höhe aber gar nicht standhalten, meint Malenovic: «Würde es zum Streit kommen, würde das Gericht am Ende die Summe wohl marktgerecht definieren.»

Gilt als eines der grössten Talente Europas: Pedro González López. Oder kurz: Pedri.
Bild: Getty

Dass die Klausel fast immer übertrieben hoch ist, sei klar, meint der Spieleragent: «In 95 Prozent aller Fälle ist die Summe viel höher als der eigentliche Wert des Spielers, damit der Verein gewissermassen geschützt ist. Aber man könnte das auch anfechten und das weiss auch jeder, der im Geschäft ist.»

Der Gang vors Gericht sei aber nur in seltenen Fällen notwendig. «Man findet normalerweise auch ohne Streit eine Lösung. Wenn ein Verein 200 oder 300 Millionen für Pedri zahlen will, würde Barcelona in der jetzigen Situation sicher nicht ablehnen», so Malenovic.

Griezmann: Von 800 auf 50 Millionen in zwei Jahren

So könnte das Ganze letztlich auch als PR-Gag angesehen werden. Beim richtigen Angebot würde Barça auch bei Pedri, dessen Marktwert laut «Transfermarkt» bei 80 Millionen Euro liegt, kaum Nein sagen. Zumal sich der Klub in finanzieller Schieflage befindet und dringend auf Einnahmen angewiesen ist.

Dass die utopischen Ausstiegsklauseln nicht allzu ernst genommen werden können, zeigt auch das Beispiel von Antoine Griezmann. Der Franzose unterschrieb 2019 bei Barça einen Vertrag mit eingebauter Ausstiegsklausel in Höhe von 800 Millionen Euro. Zwei Jahre später kehrte er leihweise für gerade mal 10 Millionen zu Atlético Madrid zurück – und die Kaufoption für die Madrilenen nur 40 Millionen Euro.