Die grössten Lehren aus dem Grossen Preis der Toskana

bam/dpa

14.9.2020 - 10:47

Lewis Hamilton trotzt dem Chaos und holt sich seinen 90. GP-Sieg.
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Viel Chaos, viele Unfälle und Unterbrechungen – aber derselbe Sieger wie fast immer. Lewis Hamilton rast unaufhaltsam dem nächsten Titel entgegen. Für Sebastian Vettel scheint nach der nächsten Enttäuschung keine Besserung im Ferrari in Sicht.

Was soll Sebastian Vettel für dieses Jahr noch Hoffnung machen? Nicht mal auf der eigenen Ferrari-Strecke in Mugello kann der Dienstwagen des 33-Jährigen auch nur annähernd mithalten. Derweil läuft in der Formel 1 alles wie immer – und Mercedes schafft am Sonntag in Italien den 100. Grand-Prix-Sieg der teameigenen Neuzeit.



Trotz turbulentem Rennen gibt es fünf Lehren, die aus dem grossen Preis der Toskana gezogen werden können.

1
Hamilton kurz vor nächstem Rekord

Sein verpatzter Start verhindert nicht, dass Lewis Hamilton auf der Ferrari-Hausstrecke seinen 90. Grand-Prix-Sieg einfährt. Kontrolliert und dosiert gewinnt der 35-jährige Brite am Ende das sechste von neun Rennen in diesem Jahr. Gelingt ihm das auch in zwei Wochen im russischen Sotschi, zieht er mit Rekordhalter Michael Schumacher (91) gleich. Niemand zweifelt mehr daran, dass Hamilton am Endes des Jahres auch WM-Titel Nummer sieben holt. Das schaffte bislang ebenfalls nur Schumacher.

Doppelsieg für Mercedes bei Spektakel-Rennen in Mugello

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Nach dem verrückten Rennen in Monza bot auch der Folge-GP im «Autodromo Internazionale del Mugello» Spektakel. Hamilton gewinnt am Ende vor Team-Kollege Bottas. Acht Fahrer scheiden aus.

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2
Bei Ferrari jagt ein Debakel das nächste

Der Frust bei der stolzen Scuderia ist gross. Wenn nur zwölf Autos ins Ziel kommen und Sebastian Vettel (10.) und Charles Leclerc (8.) es gerade so in die Top Ten schaffen wie am Sonntag in der Toskana, kann vieles nicht stimmen. Die beiden Piloten sind völlig chancenlos – ihrem SF1000 mangelt es an Leistung und der Perspektive auf Besserung. «Es ist das gesamte Projekt, das wir überdenken müssen», sagt Teamchef Mattia Binotto nach dem 1000. Rennen des Teams in der Motorsport-Königsklasse. In Russland soll es ein paar Verbesserungen geben, für einen grossen Aufschwung dürften diese aber nicht sorgen.

3
Erlösung für Albon

Viel Kritik musste Alexander Albon in den vergangenen Monaten einstecken. Längst wird darüber diskutiert, ob er auch in der kommenden Saison das Cockpit bei Red Bull behalten darf. In Mugello schafft der 24-Jährige endlich den ersten Podiumsplatz seiner insgesamt noch recht kurzen Laufbahn. Er wird Dritter, während Red-Bull-Topfahrer Max Verstappen nach einem nicht von ihm verschuldeten Crash schon in der ersten Runde ausgeschieden ist. «Es wurde auch Mal Zeit», sagt der britisch-thailändische Rennfahrer Albon nach seinem für ihn erlösenden Auftritt.

Alexander Albon (rechts) steht zum ersten Mal auf dem Podest.
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Räikkönen kämpft um seine Karriere

Auch für Kimi Räikkönen war es ein äusserst turbulentes Rennen. Der Finne kämpft nicht nur gegen das chaotische Fahrerfeld, er bekundet auch Probleme in der Boxengasse. Technische Probleme und Missverständnisse führen dazu, dass sein Alfa Romeo 12,9 Sekunden an den Boxen stehen bleibt. Bei einem weiteren Boxenstopp kassiert er eine Fünf-Sekunden-Strafe, weil er falsch in die Boxengasse eingebogen ist. Doch Räikkönen gibt nicht auf, mit Vollgas erreicht er den 9. Platz. Er sichert sich für Alfa Romeo Racing (Sauber Motorsport) zwei wichtige Punkte. Der 41-Jährige hat gezeigt, dass er seine Karriere Ende Saison noch nicht beenden möchte.

5
Es wird keine Regelanpassung geben

Als die Fahrer nach dem ersten Crash das Rennen wieder aufnehmen wollen, liegt Valtteri Bottas in Front. Das Safety-Car-Protokoll schreibt vor, dass alle Piloten hinter dem Führenden eine konstante Geschwindigkeit und gleichmässige Abstände einhalten müssen. Trotz Überholverbot können es einige Fahrer im Mittelfeld nicht abwarten, wieder loszufahren. Sie geben Gas, obwohl Bottas noch nicht sein Tempo erhöht hat. So kommt es zu einem Auffahrcrash in den hinteren Reihen. 

Während Bottas eine Schuld seinerseits zurückweist, greift sein Teamkollege Hamilton die Rennleitung an. «Die Lichter am Safety-Car werden immer später ausgemacht. Dadurch hat man keine Chance, eine Lücke aufreissen zu lassen und schon vor der letzten Kurve das Tempo anzuziehen», wird Hamilton von «Auto, Motor, Sport» zitiert. «Die Verantwortlichen versuchen, es aufregender zu machen und die Show zu verbessern. Aber heute wurden Piloten dadurch in Gefahr gebracht. Das war wohl ein bisschen über dem Limit.»

Rennleiter Michael Masi widerspricht dem Sieger jedoch vehement: «Die Sicherheit steht bei der FIA immer an oberster Stelle. Punkt. Die Lichter sind, wenn man es ins Verhältnis zur Control-Linie setzt, nicht später ausgegangen als sonst. Eher noch früher.» Masi appelliert an der Verantwortung der Piloten. «Am Ende sind hier die 20 besten Fahrer der Welt unterwegs. In der Formel 3 hatten wir am Vormittag einen sehr ähnlichen Safety-Car-Restart, und der lief bei den Juniorpiloten gesittet und ohne Zwischenfälle ab. Ich glaube auch nicht, dass man die Regeln überdenken muss. Natürlich hat die lange Gerade zum Crash beigetragen. Aber am Ende beginnt das Rennen erst ab der Linie. Vorher darf nicht überholt werden. Die Regeln sind ja nicht neu.»

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