Hamiltons dramatische Schlussrunde: «Jesus, das ist eines der grausamsten Gefühle»

lbe

2.8.2020 - 20:33

Hamilton: «Ich konnte hören, wie er aufholte»

Hamilton: «Ich konnte hören, wie er aufholte»

Lewis Hamilton musste beim GP von Grossbritannien kurz vor der Ziellinie eine Schrecksekunde überstehen, bevor sein siebter Sieg in Silverstone Tatsache war.

02.08.2020

Lange fahren Lewis Hamilton und Valtteri Bottas beim GP von Grossbritannien einem ungefährdeten Doppelsieg entgegen, bevor es für Mercedes in den letzten Runden zu dramatischen Szenen kommt.

In den letzten Runden nimmt das Rennen in Silverstone eine nicht mehr für möglich gehaltene Wende. Erst erwischte es den zweitplatzierten Valtteri Bottas: Mit einem Reifenschaden in der 50. von 52 Runden muss er sich in die Box retten – und auf dem Weg dahin Konkurrent um Konkurrent vorbeiziehen lassen. Doch damit nicht genug.

In der allerletzten Runde gibt dann auch der linke Vorderreifen von Lewis Hamilton den Geist auf. Der geplatzte Reifen droht gar ganz von der Felge zu rutschen, die Funken schlagen schon gefährlich in die Luft - und trotzdem steuert der Dominator der Szene seinen schwer ramponierten Mercedes noch auf drei Rädern als Sieger über die Ziellinie. Dem ersten Verfolger, Max Verstappen, fehlen am Ende knapp 6 Sekunden.

«Das war am Ende alles sehr dramatisch»

«Ich habe so etwas in der letzten Runde definitiv noch nie erlebt, mein Herz blieb fast stehen», gesteht Hamilton nach seinem Zitter-Sieg. «Ich habe nur gebetet, ins Ziel zu kommen und nicht zu langsam zu sein. Ich bin fast nicht um die letzten beiden Ecken gekommen.» Nur mit extrem viel Feingefühl gelingt es dem 35-Jährigen, den Wagen auch auf den letzten Metern zu kontrollieren.

«Ich habe gemerkt, dass es echt hart wird», sagt Hamilton. Er habe sogar gehört, wie Verstappen immer näher kommt. «30 Sekunden, 20 Sekunden, 19, 15, 10, 7 – und ich denke, Jesus, dies ist eines der grausamsten Gefühle, wenn jemand dich in dieser Runde erwischt und kurz vor der Ziellinie überholt», schildert Hamilton den Endspurt, in welchem er sich selbst überrascht: «Ich kann gar nicht sagen, wie ich es geschafft habe, so cool zu bleiben». Teamchef Toto Wolff ergänzte: «Das war am Ende alles sehr dramatisch.»

In der Gesamtwertung baute Weltmeister Hamilton (88 Punkte) seinen Vorsprung nach drei Erfolgen in den ersten vier WM-Läufen auf Teamkollege Valtteri Bottas (58) weiter aus. Mit nun 87 Grand-Prix-Siegen ist Michael Schumachers Bestmarke von 91 greifbar. Der englische Dauersieger lässt keinen Zweifel daran, dass er am Saisonende mit Rekord-Champion Schumacher nach Titelgewinnen gleichziehen will.

Zurück zur StartseiteZurück zum Sport