Hamiltons Ärger nach dem Reifenpoker von Istanbul

Luca Betschart

11.10.2021

Liegt im Rennen um den WM-Titel wieder zurück: Lewis Hamilton.
Liegt im Rennen um den WM-Titel wieder zurück: Lewis Hamilton.
Bild: Keystone

Lewis Hamilton verliert beim GP der Türkei in der Schlussphase einen Podestplatz, die WM-Führung und auch etwas die Nerven. Der Titelkampf verspricht sechs Rennen vor Saisonende Hochspannung.

Luca Betschart

11.10.2021

Vor Jahresfrist tütet Lewis Hamilton in Istanbul vorzeitig seinen siebten WM-Titel der Karriere ein. In diesem Jahr verläuft das Rennen in der türkischen Hauptstadt weit weniger nach dem Gusto des Briten, sodass Hamilton am Ende des Tages gar die WM-Führung an Konkurrent Max Verstappen verliert.

Nach einer Strafversetzung wegen eines Motorenwechsels nur von Platz 11 aus gestartet, schnuppert Hamilton nach einer Aufholjagd dennoch an einem Podestplatz und fährt zwischenzeitlich gar auf dem dritten Rang. Doch dann verpokern sich Mercedes und sein Aushängeschild gewaltig.



«Ich habe es euch gesagt»

Weil der Nieselregen verhindert, dass die Strecke trocknen kann, ist ein Reifenwechsel in der Schlussphase des Rennens eigentlich unumgänglich. Doch Hamilton will nichts von einem Boxenstopp wissen. «Es fühlt sich an, als könnte ich draussen bleiben», gibt er seinem Team per Funk durch. Erst acht Runden vor Schluss folgt beim Briten und seinem Rennstall die Einsicht, Hamilton kommt doch noch an die Box. Doch da ist es für den Reifenwechsel zu spät.

Als Hamilton als Fünfter zurück auf die Strecke fährt, wettert er: «Verdammt. Wir hätten den Platz nicht aufgeben dürfen. Ich habe es euch gesagt.» Den Hinweis, dass sich mit Pierre Gasly bereits der nächste Konkurrent nähert, kommentiert Hamilton mit den Worten: «Lass mich in Ruhe, Mann!»

Der Titelkampf verspricht Hochspannung

Obwohl Hamilton den fünften Platz anschliessend nach Hause fahren kann, ist ihm der Ärger in der Boxengasse anzusehen. «Letzten Endes ist es sehr frustrierend», macht der 36-Jährige keinen Hehl aus seiner Enttäuschung. Eine positivere Herangehensweise beweist Mercedes-Teamchef Toto Wolff, der von Schadensbegrenzung spricht.

Härter geht die «daily mail» mit dem Rennstall ins Gericht. «Lewis Hamilton hat die WM-Führung verloren, nachdem sein Mercedes-Team sich wie Angsthasen benommen und ihn zu einem sinnlosen Boxenstopp gerufen hat», schreibt das englische Blatt.

Sechs Rennen vor Saisonende liegt Hamilton im Titelkampf mit Verstappen nun sechs Punkte im Hintertreffen. Kein Wunder, fallen die Reaktionen im Lager von Red Bull komplett anders aus. «Wir sind glücklich mit dem zweiten Platz. Unter diesen Bedingungen ist es einfach, Fehler zu machen», macht Verstappen klar. Nach einem für ihn einsamen Rennen, in dem er stets alleine unterwegs ist, zeigt sich der Niederländer zu Scherzen aufgelegt. Auf die Frage, was für ihn im Grand Prix am schwersten gewesen sei, sagt er: «Wach zu bleiben.»