Corinna Schumacher: «Wir tun alles Menschenmögliche, um Michael zu helfen»

3.1.2019 - 09:56, dpa/lbe

Rote Kappe, roter Overall, Schampus auf dem Siegertreppchen: Wie oft hat man dieses Bild gesehen. Michael Schumacher dominierte die Formel 1 über Jahre und gilt heute als grösster Rennfahrer aller Zeiten. Anlässlich seines 50. Geburtstags am 3. Januar durchlaufen wir in der Galerie noch einmal die wichtigsten Stationen seiner Karriere.
Bild: Mark Thompson / Getty Images
Junger Fahrer, grosses Talent: Nachdem er zuvor unter anderem als Kart-, Formel-3- und DTM-Fahrer auf sich aufmerksam gemacht hatte, stieg Michael Schumacher 1991 in die Formel 1 ein. Nach nur einem Rennen für Jordan wechselte er innerhalb der Saison zu Benetton (Bild) – Schumis erste grosse Liebe in der Rennsport-Königsklasse.
Bild: Pascal Rondeau / Allsport / Getty Images
Zweites Jahr, erster Sieg: Am 30. August 1992 stand Michael Schumacher zum ersten Mal ganz oben auf dem Siegertreppchen. Auf dem belgischen Traditionskurs Spa Francorchamps gewann der damals 23-jährige Kerpener vor Formel-1-Ikone Nigel Mansell. Am Ende der Saison wurde der Newcomer Schumacher vor Stars wie Ayrton Senna und Gerhard Berger WM-Dritter.
Bild: Pascal Rondeau / Allsport / Getty Images
Dass Michael Schumacher als Rennfahrer ein echtes Ausnahmetalent ist, hatte sich bis 1993 längst überall herumgesprochen, die ganz grossen Erfolge liessen aber noch auf sich warten. In seiner dritten F1-Saison erzielte Schumacher, hier in seinem Camel Benetton Ford, einen Sieg und wurde am Ende Vierter in der Weltmeisterschaft.
Bild: Allsport UK / Allsport / Getty Images
Der blau-grüne Benetton: Beim Anblick dieses Boliden bekommen Formel-1-Nostalgiker und insbesondere Schumi-Fans immer noch feuchte Augen. In diesem Dienstwagen wurde Michael Schumacher (hier beim grossen Preis von Spanien in Jerez) 1994 erstmals Weltmeister. In dieser Saison gewann er acht von 14 Rennen.
Bild: Mike Hewitt / Allsport / Getty Images
1994 traf Michael Schumacher auch auf seinen ersten grossen Kontrahenten: Er und Damon Hill (links) lieferten sich in dieser Saison ein erbittertes WM-Duell, das im Eklat endete: Beim letzten Rennen in Adelaide (Australien) kollidierten Schumacher und Hill, worauf beide ausschieden – Schumi gewann die WM mit nur einem Punkt Vorsprung.
Bild: Mike Hewitt / Allsport / Getty Images
Nach einer knappen WM 1994 trat Schumi 1995 dann erstmals als grosser Rennsport-Dominator auf: In seinem zweiten Titeljahr gewann Michael Schumacher die Weltmeisterschaft mit neun Siegen und 102 Punkten deutlich vor den Williams-Piloten Damon Hill (69 Punkte) und David Coulthard (49 Punkte). Danach verliess Schumacher das Team Benetton, und damit war es zunächst auch mit dem Siegen vorbei ...
Bild: Pascal Rondeau / Allsport / Getty Images
Wer Formel 1 fährt, der will irgendwann auch für Ferrari fahren, heisst es oft. Michael Schumacher wagte 1996 den Schritt zu dem Traditions-Team. Es war der Beginn einer Ära, die jedoch holprig begann: Schumi blieb nach seinem Wechsel vier Jahre ohne WM-Erfolg.
Bild: Michael Cooper / Allsport / Getty Images
Was in den Rückblicken gerne vergessen wird: 1999 galt Michael Schumachers Ferrari-Mission schon fast als gescheitert. Nach einem schweren Unfall in Grossbritannien musste Schumacher für sechs Rennen pausieren, am Ende wurde er hinter Mika Häkkinen, Eddie Irvine, Heinz-Harald Frentzen und David Coulthard nur WM-Fünfter.
Bild: Michael Cooper / Allsport / Getty Images
Nach vier Jahren voller Rückschläge starteten Michael Schumacher und Ferrari dann in der Saison 2000 eine Siegesserie, die bis heute Formel-1-Massstäbe setzt: Das Gespann gewann fünf Jahre in Folge sowohl die Fahrer- als auch die Konstrukteurswertung, wozu als zweiter Scuderia-Pilot auch Rubens Barrichello seinen Teil beitrug.
Bild: Clive Mason / Allsport / Getty Images
Michael Schumacher erzielte nicht nur selbst nie dagewesene Erfolge in der Formel 1, er ebnete auch den Weg für viele andere deutsche Talente, weshalb man in den frühen 2000er-Jahren auch gerne mal von der «Formel Deutsch» sprach. Im Bild (von links): Ralf Schumacher, Michael Schumacher, Nick Heidfeld und Heinz-Harald Frentzen.
Bild: Bryan Lennon / Getty Images
Michael Schumacher gewann fünf WM-Titel mit Ferrari, insgesamt holte er sieben Weltmeistertitel – damit ist er der erfolgreichste Fahrer in der Formel-1-Geschichte. Seinen letzten Titel errang er 2004. Rechts daneben: ein junger Fernando Alonso, der Schumi dann 2005 als Weltmeister ablöste.
Bild: Mark Thompson / Getty Images
Es schien an der Zeit zu sein, Abschied zu nehmen: Nach seiner einzigartigen Siegesserie mit Ferrari wurde Michael Schumacher in den Jahren 2005 und 2006 nur WM-Dritter beziehungsweise –Zweiter. Mit jungen Stars wie Fernando Alonso zog die nachrückende Generation an Schumi vorbei. Der Kerpener beendete seine Formel-1-Karriere 2006 im Alter von 37 Jahren. Vorläufig.
Bild: Clive Rose / Getty Images
2006 verabschiedete sich Michael Schumacher von der aktiven Formel-1-Karriere, aber nicht vom Rennsport: Der Kerpener versuchte sich unter anderem als Hobby-Motorradrennfahrer in der Superbike-Klasse – und er liess es sich weiterhin nicht nehmen, Deutschland beim klassenübergreifenden Race of Champions zu vertreten. 2008 fuhr er an der Seite von Sebastian Vettel, damals noch ein Rennsport-Frischling.
Bild: Mark Thompson / Getty Images
Auch in der Formel 1 blieb Michael Schumacher immer ganz nah dran am Geschehen. Er unterstützte Ferrari zunächst als Berater, dann sollte es 2009 sogar ein Comeback geben, weil sich Ferrari-Stammfahrer Felipe Massa (links) schwer verletzt hatte. Da Schumacher selbst noch unter den Folgen eines Motorradunfalls litt, wurde aber doch nichts aus der Rückkehr bei dem italienischen Kult-Rennstall.
Bild: Paul Gilham / Getty Images
Die kurz aufflammenden Comeback-Hoffnungen 2009 hatten es gezeigt: Die Fans wollten Michael Schumacher unbedingt wieder auf der Strecke sehen. 2010 war es dann soweit: Schumi setzte sich nach drei Jahren Pause wieder in einen F1-Flitzer – allerdings nicht bei Ferrari, sondern bei dem neu gegründeten Team Mercedes GP.
Bild: Clive Mason / Getty Images
In Silber hatte Mercedes einst grosse Formel-1-Erfolge gefeiert, in Silber wollte man endlich weder ganz nach oben. Und das noch mit Michael Schumacher im Cockpit? Es wäre zu schön gewesen. Im Silberpfeil konnte Schumacher nicht an die alten Erfolge anknüpfen: In seinen letzten drei Formel-1-Jahren erreichte er in der Gesamtwertung nur noch einen neunten, einen achten und einen 13. Platz.
Bild: Paul Gilham / Getty Images
Einen Rennsieg konnte Michael Schumacher mit Mercedes GP nicht mehr feiern, der dritte Platz 2012 in Valencia fühlte sich aber fast wie einer an: Bei dem Grossen Preis von Europa landete Schumi in seiner letzten F1-Saison ein letztes Mal auf dem Podest. Nach der Saison war dann endgültig Schluss für die lebende Formel-1-Legende.
Bild: Mark Thompson / Getty Images
2012 verabschiedete sich Michael Schumacher aus der Formel 1. Seine Bilanz: 307 Rennstarts, 155 Podestplätze, 68 Poles, 91 Siege und sieben Weltmeistertitel als Fahrer. Wenn einer Schumis Rekorde brechen kann, dann Lewis Hamilton (fünf WM-Titel). Der aktuelle Champion erklärte aber kürzlich selbst in einem Interview mit «Bild»: Schumacher wird immer «der Grösste aller Zeiten» bleiben.
Bild: Clive Mason / Getty Images

An seinem 50. Geburtstag verneigt sich die Formel-1-Welt vor Michael Schumacher. Die Familie bittet auch vier Jahre nach dem schweren Ski-Unfall weiter um Verständnis, dass das Thema Gesundheit privat bleibt.

Zum 50. Geburtstag des Rekordweltmeisters und rund vier Jahren nach dem folgenschweren Unfall wirbt die Familie weiter um Verständnis für die Wahrung seiner Privatsphäre. «Ihr könnt euch sicher sein, dass er in besten Händen ist und wir alles Menschenmögliche tun, um ihm zu helfen», schrieb Schumachers Familie der riesigen Fangemeinde des Kerpeners. «Bitte habt Verständnis, wenn wir uns nach Michaels Wünschen richten und ein so sensibles Thema wie Gesundheit, so wie früher auch immer, in der Privatsphäre belassen.»

Seit September 2014 erholt sich Schumacher in der Vertrautheit seiner Schweizer Wahlheimat Gland am Genfer See von einem Unfall, der sein Leben verändert hat. Am 29. Dezember 2013 erleidet er nach einem Sturz im Skigebiet nahe des französischen Méribel ein schweres Schädel-Hirn-Trauma. Wie es Schumacher, der heute 50 Jahre alt wird, mittlerweile geht? Das wissen nur Vertraute. Informationen werden nicht publik gemacht, was viele Schumi-Fans allerdings bedauern. In einer Umfrage auf Blick.ch äusserten über zwei Drittel der Befragten den Wunsch, mehr über Schumachers Gesundheitszustand zu erfahren. Umso bemerkenswerter ist, wie wenig Informationen seit dem Unfall ans Licht der Öffentlichkeit gelangten.

Trotzdem macht die Familie Schumacher im selben Statement klar, wie sehr die breite Anteilnahme geschätzt wird und bedankt sich bei den Anhängern für die vielen Glückwünsche. «Wir freuen uns darüber und möchten uns von Herzen bedanken dafür, dass ihr morgen Michaels 50. Geburtstag gemeinsam mit ihm und mit uns feiert.»

An seinem 50. Geburtstag bittet die Familie von Michael Schumacher erneut um Privatsphäre.
Bild: Getty

Ein Mann für die Rekorde

Ungehinderten Zugang hat die Öffentlichkeit hingegen zu den Rekorden, die Schumacher gesammelt hat. Siebenmal Formel-1-Weltmeister – kein anderer hat mehr Titel. 91 Grand-Prix-Siege – kein anderer hat mehr Rennen gewonnen. Hinter solchen Zahlen verbergen sich unermüdliche Schinderei, unbändiger Wille und im Fall Schumachers auch das Wissen um die Vergänglichkeit von Bestmarken.

«Michael hat immer gesagt, dass Rekorde dazu da sind, um gebrochen zu werden», überbrachte Schumachers Wegbegleiter Ross Brawn im Sommer 2017 Glückwünsche der Familie an Lewis Hamilton. Ausgerechnet in Belgien, wo Schumacher seinen ersten Grand Prix bestritten und seinen ersten Grand Prix gewonnen hatte, egalisierte der Mercedes-Nachfolger den Pole-Rekord des Deutschen. Mittlerweile hat Hamilton, selbst fünfmaliger Weltmeister, die Marke von 68 auf 83 geschraubt. «Michael war aussergewöhnlich», würdigte er einmal Schumacher.

Der Kfz-Mechaniker aus einfachen Verhältnissen – Vater Rolf arbeitete unter anderem als Platzwart einer Kartbahn, Mutter Elisabeth betrieb den dortigen Kiosk – raste in eine exklusive Sportriege von Superstars empor, in der in Deutschland nur Grössen wie Max Schmeling, Franz Beckenbauer, Boris Becker oder Steffi Graf vertreten sind.

Einst Vettels Ratgeber

Dem viermaligen Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel, für den Schumacher ein Idol ist, fehlt er auch als Ratgeber. Der Heppenheimer berichtete einmal von einem Telefonat 2009, als er Schumacher, längst im ersten Formel-1-Ruhestand, um Tipps zur Strecke in Suzuka bat. «Mitten in der Nacht wollte ich wissen, wie er dort so oft gewonnen hat und wollte wissen, wie man am Besten durch den ersten Sektor kommt», erzählte Vettel einmal. Schumacher habe geantwortet: «Keine Ahnung, ich habe einfach immer probiert, so schnell wie möglich zu fahren, von Kurve eins bis Kurve sieben. Ich habe mir nie viele Gedanken gemacht, fahr einfach so schnell du kannst.»

Damals habe Vettel dieser Rat nicht wirklich weitergeholfen – in seiner Zukunft hingegen schon. «Je mehr man über die Kurven nachdenkt, desto schlechter fährt man sie», sagte Vettel, der endlich in seinem fünften Ferrari-Jahr – wie einst auch Instinktfahrer Schumacher – erstmals mit der Scuderia Weltmeister werden will.

Für Sebastian Vettel (links) ist Schumacher ein Idol.
Bild: Getty

Der kühle Rivale

Als Kontrahent war Schumacher für manch einen seiner Rivalen aber einfach auch unausstehlich. Der frühere Williams-Pilot Damon Hill, bei den ersten beiden WM-Titeln des Deutschen 1994 und 1995 jeweils unterlegen, bezeichnete den an den Grand-Prix-Wochenenden kühl und unnahbar erscheinenden Schumacher einmal als «Mann wie aus der Retorte», als «Produkt seiner Sponsoren».

Design-Guru Adrian Newey, damals bei Williams ein erbitterter Gegner Schumachers, räumte ein: «Um ehrlich zu sein, fühlte er sich immer wie der Feind an.» Solche angeblichen Feindschaften verblassen aber in vielen Fällen schnell wieder. Denn im Nachhinein, sagte Newey, hätte er gerne einmal mit Schumacher zusammengearbeitet. Ein grösseres Zeichen der Wertschätzung kann es unter Rivalen kaum geben.

Zurück zur StartseiteZurück zum Sport

Weitere Artikel