«Der Wind macht, was er will»

Hintermann vor Olympia-Abfahrt besorgt – Odermatt ratlos

tbz

4.2.2022

Hintermann machte der Wind so sehr zu schaffen, dass er im Ziel vor Kälte sein Gesicht «nicht mehr spüren» konnte.
Bild: Keystone

Der Wind ist vor der Olympia-Abfahrt Gesprächsthema Nummer eins unter den Speed-Spezialisten. Entscheiden am Sonntag die Startnummern über die Medaillenvergabe?

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4.2.2022

«Als ich mit der Nummer 19 unterwegs war, dachte ich mir: ‹So wild wie bei mir kann es doch bei keinem anderen gewesen sein›», verrät ein verblüffter Beat Feuz nach seiner Trainingsfahrt am Freitag. «Aber wenn man dann die Zeiten im Ziel sieht, dann war es definitiv bei einigen noch schlimmer.»

Der Kitzbühel-Sieger fährt im zweiten Abfahrtstraining in Peking auf den 10. Rang und bringt auf den Punkt, was die meisten denken: «Der Wind wird das Problem sein, das haben heute wohl alle Athleten gemerkt.» Verkommt die Olympia-Abfahrt tatsächlich zur Wind-Lotterie?

Auch der schnellste Schweizer am Freitag, Niels Hintermann, gibt sich gegenüber «SRF» besorgt. «Der Wind macht, was er will», resigniert der sechstplatzierte Zürcher. «Auf nicht einmal einhundert Meter hat man extrem viel unterschiedlichen Wind. In diesem Canyon am Schluss, da kam mir das eine Tor extrem entgegen und das Tor auf dem Zielsprung ist fast nach vorne gelegen.»

Durch die Unterschiede bleiben auch nach der zweiten Trainingsfahrt viele Unsicherheiten offen. «Es ist schwierig einzuschätzen. Wer hatte Pech, wer hatte einfach Glück? Bei gewissen Passagen hatte ich relativ viel Gegenwind. Was ist, wenn ich dort keinen Wind oder Rückenwind habe? Dann bin ich zehn Stundenkilometer schneller und es verändert sich komplett. Deshalb kann ich das nicht wirklich einordnen oder eine Lehre daraus ziehen.»

Ratloser Odermatt nimmt's mit Humor

Der Gesamtweltcupführende Marco Odermatt kommt in Peking bisher gar nicht in Fahrt. Auf den 32. Platz im ersten Training am Donnerstag folgte für den Nidwaldner am Freitag ein Zeitrückstand von 2,2 Sekunden auf Trainingssieger Aleksander Aamodt Kilde.

«Ich habe nach dem ersten Training das Set-Up umgestellt und hatte eigentlich das Gefühl, dass die Fahrt in Ordnung war», gibt sich Odermatt nachdenklich (via «Blick»).

Stimmt tatsächlich etwas nicht oder hatte der 24-Jährige schlicht Pech mit dem Wind? Spielt wohl gar keine Rolle. «Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir am Sonntag bei genau solchen Bedingungen ein Rennen fahren werden», so der Nachwuchs-Crack, dem der Humor trotz des Rückstands nicht abhandengekommen ist: «Deshalb würde ich mir für diese Abfahrt die Startnummer 13 wünschen, weil die 13 meine Glückszahl ist.»

Odermatt gehört nach seinen Leistungen in Wengen und Kitzbühel in Peking auch zu den Medaillenanwärtern in der Abfahrt.
Bild: Keystone

Das Rennen findet am Sonntagmorgen um 04:00 Uhr Schweizer Zeit statt. Inwiefern der Wind die Medaillenvergabe dann tatsächlich beeinflussen wird, bleibt abzuwarten. Fürs Erste hinterlässt er einen faden Beigeschmack.