Aus der Isolation aufs Podest?

Nicolas Hubers Olympia-Umweg der speziellen Art

sda

5.2.2022 - 18:00

Snowboarder Nicolas Huber startet am Sonntag im Slopestyle.
blue Sport

Nach der Ankunft in Peking stand hinter der Olympia-Teilnahme von Nicolas Huber wegen eines positiven Tests ein Fragezeichen. Jetzt ist der WM-Zweite von 2017 startklar für den Slopestyle-Wettbewerb.

sda

5.2.2022 - 18:00

Die Qualifikation findet mit Nicolas Huber statt. Natürlich, wäre man geneigt zu sagen, gäbe es die jüngste Vorgeschichte nicht. Der 26-jährige Zürcher wurde am Dienstag nach dem Transfer von Flughafen ins Freestyle-Village in Zhangjiakou in Isolation geschickt.

Gefangen im Hotelzimmer – es war keine neue Erfahrung für Huber, den vor Energie strotzenden Gute-Laune-Menschen. Schon zum dritten Mal in diesem Winter musste sich der Freestyler von der Umwelt abschneiden. «Zehn Tage in Isolation und ich drehe durch», vermeldete er dennoch aus seiner temporären Bleibe. «China war noch einmal etwas Anderes», schilderte er hinterher.

Zwei Tage war Huber schliesslich in einem Hotelzimmer eingesperrt. Nur zwei Tage. Dass es nicht mehr sein würden, war zunächst ungewiss. Befreit wird man erst, wenn zwei PCR-Tests an zwei aufeinanderfolgenden Tagen negative Ergebnisse liefern.

Nur das Essen war zu kalt

Auch wenn er um seine Olympia-Teilnahme bangte, gelang es Huber, optimistisch zu bleiben. Telefonate mit Freunden, Bekannten und Journalisten sowie gute Gespräche mit Dr. Jörg Wetzel, dem Sportpsychologen von Swiss Olympic, halfen ihm, die Gedanken in die richtige Richtung zu lenken. Und still sitzen musste er auch im Zimmer nicht. Viel Fitness habe er gemacht, so Huber.

Auf seinem Umweg erlebte er auch Amüsantes. Mit den chinesischen «Mondmenschen», den ausnahmslos in Ganzkörper-Schutzanzüge gehüllten und mit FFP2- und Plastik-Maske doppelt und dreifach geschützten Olympia-Helfern, verstand er sich trotz Kommunikationsschwierigkeiten bestens. Die Betreuer seien sehr nett und auch offen gewesen, sie hätten oft zusammen gelacht.

Warmes Essen gab es für Huber in den zwei Tagen indes nicht. Nicht weil man es ihm nicht gewähren wollte, sondern weil die Menüs einen 40-minütigen Transportweg hatten. Für die Athleten gibt es an den Spielen auch eine geschlossene Nahrungskette – damit sie bei den Dopingtests keine unerwünschten Überraschungen erleben wegen kontaminierter Lebensmittel.

Anarchisch wild und hoch professionell

Hubers zweiten Olympischen Spielen nach Pyeongchang 2018 steht somit nichts mehr im Weg. Am frühen Sonntagmorgen Schweizer Zeit wird er zur Qualifikation im Slopestyle antreten, tags darauf stehen in die Finals auf dem Programm.

Dass «Hubercop» dieses Niveau erreichen würde, glaubten vor sechs Jahren noch wenige. Sein Werdegang ist unkonventionell. Erst spät wandelte sich der snowboardverrückte «Shaper» vom Corvatsch in einen ambitionierten Leistungssportler. Vergleichsweise spät fand er Unterschlupf in den Kadern von Swiss-Ski. Mit 21 Jahren trat er zum ersten Mal im Europacup an, ein Jahr später gewann er WM-Silber.

Gelungen ist ihm die steile Entwicklung mit ungemein viel Fleiss und Disziplin – Attributen, die sich so gar nicht mit dem Bild decken, das er mit seinen anarchisch wilden Auftritten in den sozialen Medien vermittelt. «Arbeitest du nicht hochprofessionell, hast du keine Chance», weiss Huber.

Nicolas Huber berichtete aus der Isolation

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