Swiss Cycling zieht eine sehr positive Olympia-Bilanz

sda

6.8.2021 - 20:00

Im Mountainbike räumte die Schweiz an den Sommerspielen in Tokio mit vier Medaillen so richtig ab. Ganz zuoberst, Thomas Peter, der Teamchef von Swiss Cycling.
Bild: Keystone

Mit sechs Medaillen ist Swiss Cycling an den Olympischen Spielen in Tokio einmal mehr der erfolgreichste Schweizer Verband. Mit dem Dreifachsieg schaffen die Mountainbikerinnen sogar Historisches.

sda

6.8.2021 - 20:00

Die Schweiz als kleine Nation hat in den letzten Tagen einmal mehr eindrücklich bewiesen, dass sie auf zwei Rädern mit den Grossen mithalten kann. Im internationalen Vergleich haben in Tokio lediglich Grossbritannien und die Niederlande besser abgeschnitten – Nationen, die verglichen mit Swiss Cycling ein Vielfaches in den Radsport investieren.

«Dass wir in drei von vier Sportarten (Mountainbike, Strasse, BMX – Red.) Medaillen holen konnten, dazu auf der Bahn noch zwei Diplome, ist schon aussergewöhnlich», fasst Thomas Peter, der Teamchef von Swiss Cycling in Tokio, zusammen. Positiv stimmt ihn, dass diese Erfolge primär nicht auf Glück fussten – im Gegenteil. «Wir hatten auch Pech, wenn man bedenkt, dass Stefan Küng im Zeitfahren nur vier Zehntel aufs Podest gefehlt haben und auch Nino Schurter als Vierter im Mountainbike knapp an einer Medaille vorbeigeschrammt ist. Trotzdem: Besser hätte es fast nicht laufen können.»

Minutiöse Vorbereitung und Konstanz

Als Grund für die Erfolge sieht Peter zum einen die minutiöse Vorbereitung in den vergangenen fünf Jahren, in der man beispielsweise den speziellen Umständen mit der enormen Hitze oder der Corona-Situation Rechnung getragen habe, aber auch die Konstanz im Team. «Das geht von den Trainern über die Mechaniker bis hin zu den Physiotherapeutinnen. Die Liebe und Leidenschaft für den Radsport, gepaart mit der nötigen Kompetenz und Professionalität, haben sicher dazu beigetragen.»

Nur positiv fiel das Fazit aber nicht aus. Insbesondere im BMX Racing, wo die Schweiz gleich mit drei Medaillentrümpfen angetreten ist, schlug man sich unter Wert. «Im BMX Racing sind wir deutlich unter den Erwartungen geblieben, obwohl die Voraussetzungen so gut waren wie noch nie. Das ist eine der Sportarten, in der wir seit vielen Jahren dafür kämpfen, dass wir es endlich schaffen», bilanziert Peter.

Dass der Verband nicht im Geld schwimmt, ist nicht neu. Deshalb muss man mit den Finanzen haushälterisch umgehen. Das gilt auch für das Bahnvierer-Projekt. «Mit Blick auf die Material-Schlacht im Bahnradsport müssen wir uns schon sehr genau überlegen, wie viel wir in Zukunft investieren können.» so Peter, der das Projekt an sich aber nicht in Frage stellt, weil «diesem vieler unserer guten Zeitfahrer entstammen».

Frauen-Power

Besonders erfolgreich schnitten in Japan die Frauen ab. Wie Jolanda Neff, Sina Frei und Linda Indergand im Cross-Country-Rennen der Mountainbikerinnen schafften auch Marlen Reusser (als Zweite) im Zeitfahren und Nikita Ducarroz (als Dritte) im BMX Freestyle den Sprung aufs Podest. Bei den Männern reüssierte Mathias Flückiger mit Silber im Mountainbike.

Ist die weibliche Dominanz ein Zufall? Jein, findet Thomas Peter. «Das Pendel kann schnell wieder umschlagen.» Die vier gewonnenen Diplome würden alle auf das Konto der Männer gehen. Aus dem Nichts kommt der Aufschwung bei den Frauen aber nicht. «Wir haben in den letzten Jahren sehr viel investiert, insbesondere für die Mountainbikerinnen oder auch auf der Strasse keine Aufwände gescheut. Mit Marlen Reusser waren wir beispielsweise mehrmals im Windkanal, um am Material und der Sitzposition zu feilen», erklärt Peter.

Trotzdem sieht der Teamchef im Hinblick auf die Sommerspiele 2024 in Paris noch Luft nach oben. Das vor zwei Jahren ins Leben gerufene Frauenförderprojekt «Fast & Female» steckt noch in den Kinderschuhen, könnte aber durchaus dafür sorgen, dass die Schweiz bereits in drei Jahren beispielsweise auch auf der Bahn ein Frauen-Team stellen kann. «Primär geht es darum, dass wir in Zukunft breiter aufgestellt sind», so Peter.

Mehr Leute fürs Velofahren begeistern

Inwiefern kann der Schweizer Radsport nun von diesen Erfolgen profitieren? In finanzieller Hinsicht wirken sich diese für Swiss Cycling in Form von mehr Fördergeldern von Swiss Olympic oder aus der Politik nicht aus. Längerfristig erhofft man sich beim Verband jedoch, im Sponsoring-Bereich davon Profit schlagen zu können. Dafür wolle man die Medaillengewinnerinnen gezielt als Botschafterinnen einsetzen, so Peter. «Wenn wir dadurch mehr Leute fürs Velofahren begeistern können, ist das die schönste Medaille, die wir gewinnen können.»

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