«Ein Bügeleisen» – Petra Vlhova vom eigenen Trainer angegangen

lbe

27.3.2021

Petra Vlhova of Slovakia poses after winning the women's Overall crystal globe at the FIS Alpine Skiing World Cup finals, in Parpan-Lenzerheide, Switzerland, Sunday, March 21, 2021. (KEYSTONE/Jean-Christophe Bott)
Petra Vlhova erreichte mit dem Gewinn des Gesamtweltcups den nächsten Meilenstein ihrer Karriere.
Bild: Keystone

Petra Vlhova kürt sich mit dem Gewinn der grossen Kristallkugel zur komplettesten Weltcup-Skifahrerin der Saison. In der Stunde des bisher wohl grössten Triumphs wird sie aber ausgerechnet vom eigenen Trainer enttäuscht.

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27.3.2021

Zugegeben: Am Ende spielt ihr das schlechte Wetter beim Weltcup-Finale in Lenzerheide etwas in die Karten. Verdient ist Petra Vlhovas Gewinn der grossen Kristallkugel aber allemal. Die Auszeichnung für die meisten gesammelten Weltcup-Punkte in einem Winter ist gleichbedeutend mit Vlhovas nächste Karriere-Meilenstein, den ihr vor einigen Jahren wohl niemand zugetraut hätte.



Als erste slowakische Gesamtweltcup-Siegerin überhaupt wird sie in diesen Tagen im ganzen Land gebührend gefeiert – nicht aber vom eigenen Trainer Livio Magoni. Während der Italiener in einem Interview mit dem «Corriere della Sera» von seinen Landsfrauen Marta Bassino, Sofia Goggia und Federica Brignona schwärmt und sie als «Ski-Diamanten» bezeichnet, hat Magoni für die eigene Athletin weit weniger Komplimente übrig. «Im Vergleich zu ihnen ist Petra ein Bügeleisen.»

Der 57-Jährige dürfte auf den vergleichsweise kraftvollen und etwas weniger eleganten Fahrstil von Vlhova anspielen. Vlhova sei zwar «sehr stark. Aber sie hat ein Problem: Wenn etwas in ihrem Kopf nicht passt, muss man eingreifen. Sonst wirft sie alles weg», bemängelt Magoni und wirft dem Vater und Bruder von Vlhova, die Teil des Privatteams sind, Ignoranz vor.

Vlhova reagiert: «Jedes Team hat eigene Probleme»

Vlhova reagiert auf Instagram auf die merkwürdigen Aussagen ihres Trainers. «Die negativen Äusserungen meines Trainers Livio Magoni in italienischen Medien, mit denen mich Journalisten konfrontiert haben, haben uns in einer Zeit absoluter Freude getroffen. Ich möchte sie nicht kommentieren, bevor wir miteinander gesprochen und unsere Positionen klargestellt haben», schreibt die 25-Jährige.

Sie fügt vielsagend an: «Jedes Team hat wie eine Familie seine eigenen internen Probleme. (…) Wenn wir es nicht besser gemacht hätten als unsere Rivalen, hätten wir niemals den Gesamtweltcup gewonnen.» Nichtsdestotrotz steht die gemeinsame Zukunft des erfolgreichen Teams wohl in den Sternen – auch weil Magoni diese bereits öffentlich in Frage stellt: «Es wäre vielleicht an der Zeit, sich nach diesem Meilenstein zu verabschieden.» Durchaus möglich, dass Vlhova mittlerweile ähnlicher Ansicht ist.