«Es ist undenkbar, dass Trainer nichts mitbekommen haben»

28.2.2019 - 10:18, pat

Anti-Doping-Experte Wilhelm Lilge im «ORF»-Studio (rechts). Links: ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel.
Bild: Screenshot «ORF»

Am Mittwoch werden die Nordischen Ski-Weltmeisterschaften von einem Doping-Skandal überschattet, insgesamt neun Personen werden verhaftet. Ein österreichischer Anti-Doping-Experte spricht Klartext.

Peter Schröcksnadel, der Präsident des österreichischen Skiverbandes ÖSV, geht mit den beiden verhafteten Langläufern aus dem eigenen Lager, Dominik Baldauf und Max Hauke, hart ins Gericht. In der «Krone» sagt er: «So viel Dummheit wie diese zwei Burschen darfst du gar nicht haben, das gehört verboten. Zwei solche Trottln, die so etwas machen. Ich habe keine Worte.»



Auch für Markus Gandler, den sportlichen Leiter der österreichischen Langläufer und Biathleten, hat der Dopingskandal im ÖSV Folgen. Gandler treffe zwar keine Schuld, so Schröcksnadel im «ORF», dennoch werde man sich nach der WM von ihm trennen. «Das ist keine Schuldzuweisung, er ist sicher nicht Täter.» Eine Behauptung, die mit Vorsicht zu geniessen ist, wenn man hört, was ein Anti-Doping-Experte nach der Razzia sagt.

Anti-Doping-Experte: «Die Leute werden für blöd verkauft»

Im «ORF» steht der österreichische Anti-Doping-Experte Wilhelm Lilge nach dem Skandal Red und Antwort. Dass das enge Betreuungsumfeld nichts mitbekommen haben soll, hält er für unglaubwürdig. «Das ist lächerlich, die Leute werden für blöd verkauft. Es ist undenkbar, dass Trainer, die immer dabei waren, nichts mitbekommen haben. Das betreuende Umfeld muss hier etwas mitbekommen haben.» Die abrupte Leistungssteigerung von Eigenblutdoping sei signifikant. «Man hat innerhalb von Stunden einen Leistungssprung, der weit über dem liegt, was man mit Training in kurzer Zeit erreichen kann. Das muss auffallen», ist Lilge überzeugt.

Die letzten paar Prozent würden in der Weltspitze einen Riesenunterschied bedeuten. Und dieser Unterschied könne letztlich zwischen Mitläufertum und Medaillengewinnern entscheiden. Bei Eigenblutdoping sei es «absolut auszuschliessen», dass das Betreuerumfeld nichts mitbekomme.

Doch ist die Spitze des Eisbergs erreicht? Zumindest Schröcksnadel zweifelt daran: «Es werden sicher auch grössere Länder mit dabei sein. Wenn es ein Drogenring ist, kann man nicht den ÖSV schuldig sprechen.» 

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