Vize-Weltmeister Feller: «Schlussendlich sind wir nur Spielfiguren»

lbe

7.6.2019

Manuel Feller kritisiert die FIS für ihre Pläne für die nächste Saison scharf.
Bild: manuel-feller.at

Die FIS erweitert für die kommende Saison den ohnehin schon dichten Rennkalender um mindestens vier Rennen. Dass die Athleten für diesen Entscheid kein Verständnis haben, scheint dabei keine Rolle zu spielen.

Im Rahmen einer Konferenz im kroatischen Dubrovnik beschliesst der internationale Skiverband FIS, denn dichten Weltcup-Kalender für die nächste Saison weiter auszubauen. Unter anderem wegen der geplanten Aufwertung der alpinen Kombination sollen bei den Herren statt 42 neu 46 Rennen gefahren werden.

Im Detail stehen zusätzlich zwei Slaloms für die Techniker, eine Abfahrt und eine Kombination auf dem Programm. Möglicherweise wird ausserdem ein zusätzliches Parallel-Rennen für den Neujahrstag angesetzt. Es müsste aber kurzfristig noch ein Austragungsort gefunden werden. Der ursprünglich geplante Ort Oslo hat sich als Veranstalter zurückgezogen.

Feller: «Irgendwann ist es zu viel«

Für ihre Pläne kassiert die FIS nun aber harsche Kritik. Der Slalomspezialist Manuel Feller zeigt sich an einem ÖSV-Medientermin verständnislos: «Es ist mit keiner Sportart zu vergleichen: Ein Boxer hat maximal zwei Kämpfe pro Saison. Fussballer spielen drei Partien pro Woche, im besten Fall sogar im gleichen Stadion. Nur wir fliegen innerhalb von einer Woche in vier verschiedene Länder, haben Gepäck dabei wie kaum ein anderer und quetschen immer mehr rein.»

Der Österreicher ist sich zwar bewusst, dass der Ski-Zirkus wirtschaftlich denken und agieren muss. Allerdings sieht er nun eine rote Linie überschritten: «Ich weiss, wir verdienen unser Geld mit den Rennen und leben davon. Skifahren ist eine saisonale Sportart, da muss im Winter alles untergebracht werden. Aber irgendwann ist es zu viel.»

Kein Gehör für die Athleten

Der Tiroler sorgt sich bei dem Mammutprogramm um die Gesundheit der Fahrerinnen und Fahrer und hinterfragt die verantwortlichen Funktionäre. «Es ist gefährlich. Meiner Meinung nach entscheiden das Leute, die vom heutigen Spitzensport keine Ahnung haben. Die sind zu weit weg.» Der Slalom-Vizeweltmeister von 2017 erinnert in diesem Zusammenhang an Teamkollege Marco Schwarz, dem die zu hohe Belastung nach der letzten WM in Are zum Verhängnis wurde. «Von Are nach Stockholm, dann einen Tag später nach Bansko – mit zwei Wochen WM in den Haxen. Dass das nicht intelligent ist, brauche ich keinem zu erzählen. Das geht einfach nicht.»

Trotzdem wird den Athleten in Sachen Organisation gemäss Feller nur wenig Gehör geschenkt. «Jeder, der mit dem ehemaligen Athleten-Sprecher Hannes Reichelt einmal gesprochen hat, weiss, wie wenig auf uns gehört wird. Schlussendlich sind wir nur die Spielfiguren am Feld und nicht jene, die das Spiel leiten», kritisiert Feller. Reichert legte das Amt als Athleten-Sprecher mittlerweile übrigens nieder. Der Schweizer Daniel Yule wurde in Dubrovnik als Nachfolger gewählt.

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