«Excusez-moi?» – die Verschiebung der French Open sorgt für viel Unmut

lbe

18.3.2020 - 10:33

Dürfte über die Verschiebung der French Open nicht besonders erfreut sein: Roger Federer (Mitte).
Bild: Getty

Nach der Verschiebung der French Open auf Ende September kündigt sich im Tennis-Herbst ein Terminchaos an. Konflikte sind unausweichlich – und dem Laver Cup droht das Aus.

Am Dienstag geben die Veranstalter der French Open bekannt, das Grand-Slam-Turnier in Paris wegen der Coronavirus-Pandemie zu verschieben. Statt Ende Mai soll Roland Garros nun erst ab dem 20. September gespielt werden. «Wir haben eine schwierige, aber mutige Entscheidung getroffen. Wir handeln verantwortungsbewusst und müssen zusammenarbeiten, um die Gesundheit und Sicherheit aller Beteiligten zu gewährleisten», erklärt Bernard Giudicelli, Präsident des französischen Tennisverbandes, den gewagten Schritt – der nun aber für eine Kettenreaktion sorgen dürfte.

Denn der Tenniskalender ist nicht zuletzt im Herbst bereits rappelvoll, das French Open kommt in dieser Zeit gleich mehreren angesagten Turnieren in die Quere. So auch dem von Roger Federer ins Leben gerufenen Laver Cup, der für seine vierte Ausgabe zwischen dem 25. und 27. September in Boston gastieren soll. Gemäss ursprünglicher Planung wäre der Turnierstart in Paris zudem nur eine Woche nach dem Endspiel der US Open in New York. Ein Terminchaos droht.

Ein Alleingang der French Open?

So zeigt sich der Laver Cup in einer ersten Stellungnahme irritiert: «Diese Ankündigung kam überraschend für uns und für unsere Partner – Tennis Australia, das USTA und die ATP. Es wirft eine Menge Fragen auf und wir beurteilen die Situation. Zu diesem Zeitpunkt wollen wir den Laver Cup 2020 aber wie geplant durchführen.» Die US Open dagegen kündigen an, eine Terminänderung in Betracht zu ziehen: «Dies sind beispiellose Zeiten, und wir überprüfen alle unsere Optionen, einschliesslich der Möglichkeit, das Turnier auf einen späteren Zeitpunkt zu verlegen.»

Für Ärger sorgt die Vorgehensweise der Veranstalter von Roland Garros vor, den Entscheid offenbar im Alleingang zu treffen – auch bei den Spielern. «Das ist ein Wahnsinn!», twitterte Vasek Pospisil, Mitglied des ATP-Spielerrats spontan. «Keine Konsultation mit der ATP oder den Spielern. Wir haben in diesem Sport NULL zu sagen.» Später löschte der Kanadier den Tweet wieder und äusserte sich etwas differenzierter: «Die Verbesserung der Kommunikation und der Zusammenarbeit sollten bei der Suche nach Lösungen Priorität haben. Nicht egoistische, arrogante Entscheidungen, die die Tour negativ beeinflussen.»

Jamie Murray, der Bruder von Andy, pflichtet Pospisil bei: «Ich dachte, im Tennis sollte es in diesen Tagen darum gehen, zusammenzuarbeiten.» Auch die ehemalige US- und Australian-Open-Siegerin Naomi Osaka reagiert auf Twitter ungläubig: «Excusez-moi???»

Der beste argentinische Spieler Diego Schwartzman meinte lakonisch: «Wieder einmal finden wir es auf Twitter raus.» Und Stan Wawrinka beweist im Interview mit «Canal+» Galgenhumor: «Ich kann es verstehen. Sie hatten im Moment zu wenig Zeit, um klar zu kommunizieren.»

Stammbach: «Paris erdrückt andere Veranstaltungen»

René Stammbach wusste zwar, dass eine Verschiebung der French Open im Raum steht. Details kannte aber auch der Vizepräsident des Weltverbandes ITF nicht: «Ich kann mir nicht vorstellen, wie man alle Turniere in den Herbst reinbringt. Paris erdrückt andere Veranstaltungen. Sicher ist der Laver Cup an seinem ursprünglichen Datum höchst gefährdet.» Sollten die Veranstalter auch die ATP und die WTA übergangen haben, könnte es gemäss Stammbach problematisch werden – davon gehe er aber nicht aus.

Dennoch dürften die stundenlangen Telefonate in nächster Zeit nicht abbrechen. «Wir müssen unzählige Szenarien wälzen», sagt Stammbach im «Tagesanzeiger». So ist auch unsicher, ob das Grand-Slam-Turnier in Wimbledon im vorgesehen Zeitraum (29. Juni bis 12. Juli) gespielt werden kann. Der Kampf um die besten Termine hat begonnen.

Immerhin betonen die Veranstalter der US Open, sie werden bei ihrer Beschlussfindung die anderen Grand-Slam-Turniere, die WTA und ATP sowie alle anderen Beteiligten auf der Tennistour einbeziehen. Es ist wohl der einzige Weg, ein Terminchaos im Tennis-Herbst zu vermeiden.

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